Hohe Schlüsselblume Staude Hohe Schlüsselblume (Primula elatior)
syn. Waldschlüsselblume

Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Familie: Primelgewächse (Primulaceae)
Gattung: Primeln syn. Schlüsselblumen (Primula)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00110

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Einführung und Verbreitung

Die Hohe Schlüsselblume ist im frühen Frühjahr bei uns zu finden. Sie gedeiht auf feuchten, nährstoffreichen, krautigen Wiesen, Auenwäldern und in hellen, halbschattigen Laubwäldern. Die Frühlingsschlüsselblume hingegen findet man mehr auf kalkhaltigen, trockenen und sonnigen Wiesen. Die Schlüsselblumen gehören zu den Frühblühern und sind ab Mitte März die ersten Frühlingsboten.

Die hohe Schlüsselblume hat ein weites Verbreitungsgebiet, man findet sie vom östlichen Asien bis nach Europa. In den Bergen wird sie bis in Höhen von 2.500 Meter gefunden. In Deutschland findet man sie im Süden und in Mitteldeutschland. Im Norden kommt sie fast nicht vor.

Die Blütezeit der Schlüsselblume liegt zwischen Ende März bis in den Mai hinein. Zusammen mit dem Gänseblümchen und dem Wiesenschaumkraut bildet die Schlüsselblume die ersten Farbtupfer auf den Frühjahrswiesen.

Hohe Schlüsselblume

Die Frühlingsschlüsselblume und die Hohe Schlüsselblume sind beliebte Arzneipflanzen. Beide werden wild gesammelt und erst wenig angebaut. Daher gehen die natürlichen Bestände immer mehr zurück. Inzwischen ist es soweit, dass diese Schlüsselblumen in den meisten Ländern (auch in Deutschland) auf der Roten Liste geführt und entsprechend geschützt sind. Ein umfassender Anbau dieser Pflanzen findet leider noch nicht statt. Die meisten Sammlungen der Pflanzen finden in den südlichen Mittelmeerländern statt. Aufgrund der niedrigen Rohdrogenpreise und der großen Handelsmengen wird meist rücksichtslos gesammelt.

Die Bezeichnung Schlüsselblume ist der Ähnlichkeit der Blütendolde mit einem Schlüsselbund geschuldet.

Schlüsselblumen oder Primelgewächse umfassen 20 Gattungen mit knapp 1000 Arten. Diese sind meist kältebeständig und oft in Nordeuropa vorkommend. Holzgewächse fehlen bei den Primelgewächsen völlig. Die größte Gattung mit mehr als 400 Arten ist die Gattung Primula, zu der auch die hohe Schlüsselblume gehört.

Hohe Schlüsselblume Makro

Beschreibung der Pflanze
Die Pflanze erreicht eine Höhe von ca. 25 cm. Sie bilden kleine Staudengemeinschaften.

Die bis zu 20 cm langen, rosettenartig angeordneten Grundblätter sind eiförmig-lanzettlich, auf der Oberfläche runzelig und zum Blattende hin verschmälert. Die Blätter sind wenig und nur auf der Unterseite behaart. Die Blattrosette ist grundständig. Stengel und Blütenstiele sind behaart.

Die schwefelgelben Blüten erreichen eine Länge von ca. 2cm und münden in einer flachen Krone. Der Blütenkelch ist eng anliegend und hat ungefähr die halbe Länge des Blütenstiels. Der Schlund ist dunkler gefärbt, aber ohne orange-gelbe Flecken. Die Blüten strömen keinen bis fast keinen Geruch aus. Auffällig ist der blattlose Blütenstengel der 5 bis 20 Blüten in einer einseitigen Dolde trägt. Die Blütenkrone ist hellgelb, 5-zipfelig, weit getrichtert und verwachsen. Die 5-Zähnigkeit ist bei fast allen Primelgewächsen zu beobachten. Die goldgelben Blüten sind  in der Dolde zu einer Seite hin auffällig geneigt. Die Frucht ist eine kleine Kapsel. Die Schlüsselblume zeichnet sich durch eine kleine botanische Besonderheit aus. Es gibt an Pflanzen Blüten mit kurzen Griffeln und welche mit sehr langen Griffeln. D.h der Abstand zwischen Narbe und Staubblättern ist immer sehr groß. Diese Verschiedengriffligkeit (Heterostylie) dient zur Vermeidung von Selbstbestäubung und Förderung der Fremdbestäubung.

Die hohe Schlüsselblume ist mehrjährig. Eine Bastardbildung zwischen P.veris und P.elatior kann beobachtet werden.

Anwendung / Wirkung

1. Primelblüten
Bezeichnung:
Primulae flos, Flores Primulae, Schlüsselblumenblüten

Droge:
Besteht aus den vollständigen Blüten. Fehlen die Kelche ist dies anzugeben, da sich die Saponine im Kelch befinden.

Inhaltstoffe:
Ca. 2 % Saponine (Primulasäure),  Flavonoide (Gossypetin, Quercetin etc.) und Carotinoide, ätherische Öle und Enzyme.

Anwendungsgebiete:
Primelblüten werden als mildes Expektorans (Auswurffördernd) und Sekretolytikum (Schleimlösend)  bei Husten und Erkältung genutzt. Auch zur Entwässung (Diuretikum) werden Schlüsselblumenblüten eingesetzt.

Geschmack:
Schwach süßlich

Teezubereitung:
Ca. 3 Gramm Blüten mit heißem Wasser übergiessen und max. 10 min ziehen lassen.

Wie die Primelwurzel werden auch die Primelblüten in vielen Fertigarzneimittel der Antitussiva genutzt

Nebenwirkungen:
Sind kaum bekannt, allenfalls sind bei betroffenen Personen allergische Reaktionen in Form von Hautrötungen mit Bläschen zu beobachten.

2. Primelwurzel

Bezeichnung: Primulae Radix, Radix Primulae, Primelwurzeln

Droge:
Besteht aus den getrockneten unterirdischen Organen; dem Rhizom und der ansitzenden Wurzel.

Inhaltstoffe:
Vor allem Triterpensaponine (bis 10%, vor allem Primulasäure A), Phenolglykoside (Primulaversosid). Insbesondere der fermentative Abbau des Primulaverosids führt zu dem typischen Geruchsstoffen (5-Methoxy-salicylsäureester). Primula veris enthält nur ganz geringe Mengen an Gerbstoffen.

Anwendungsgebiete:
Aufgrund des hohen Saponingehaltes wird die Primelwurzel vor allem als Expektorans (sekretolytisch und -motorisch) zum Abhusten bei Bronchitis, Katarrhen der Atemwege, sowie diversen Erkältungskrankheiten genutzt.

Geschmack:
Kratzend, unangenehm riechend

Teezubereitung:
1/2 Gramm Droge wird grob zermahlen und mit kaltem Wasser angesetzt. Danach kurz sieden und 5 min ziehen lassen.

In Arzneizubereitungen wird die Primelwurzel häufig in Erkältungstees genutzt. Weitaus öfter jedoch in Auszügen wie z.B. Tinkturen oder pflanzlichen Fertigarzneimitteln.

In der Volksmedizin wird die Primelwurzel auch bei Asthma, Gicht und neuralgischen Beschwerden genutzt. Daneben wirkt die Primelwurzel leicht harntreibend und abführend.

Nebenwirkungen:
Bei Überdosierung ist mit  Brechreiz, Übelkeit Durchfall zu rechnen.

Fertigarzneimittel
Bekannte Arzneimittel mit Primelexrakten sind u.a.
Sinupret, Salus-Bronchialtee, Solubifix



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