Baummarder Baummarder syn. Edelmarder, Waldmarder, Holzmarder (Martes martes)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie Marder (Mustelidae)
Gattung Echtmarder (Martes)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00106
Alle Fotos: Uwe Walz

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Einführung und Verbreitung
Der Baummarder gehört zu der Familie der Marder. Diese besteht aus vornehmlich kleinen Raubtieren, welche über die ganze Welt und unterschiedlichste Lebensräume verbreitet sind. Bekannte Arten wie z.B. Otter, Dachs, Zobel, IItis, Vielfraß, Nerz oder Wiesel gehören ebenfalls zu den Marderartigen. Sie umfassen 65 Arten in 28 Gattungen und alle verbindet der ausgeprägte Raubtierinstinkt. Sie leben in der Regel solitär d.h. als Einzelgänger.

Marder sind im Vergleich zum Fuchs oder der Wildkatze im Nachteil, da sie nur sehr kleine Säuger (z.B. Mäuse etc.) fangen können und damit eine starke Einengung ihres Speiseplans gegeben ist.  Sind diese Beutetiere nicht in ausreichender Zahl vorhanden, können sie nur schwer auf andere Gebiete ausweichen. Daher haben sich diese kleinen Räuber schon früh zu Allesfressern entwickelt, um so eine variable Gestaltung ihres Speiseplans zu ermöglichen.

Der Baummarder ist in ganz Europa verbreitet. Allerdings mit abnehmender Häufigkeit. Er bewohnt größere Wälder bis hin zur Baumgrenze. Er ist dabei ein Bewohner der Baumwipfel und des oberen Geästes.

Meist hält er sich von den menschlichen Siedlungen entfernt in ausgedehnten Wäldern auf. Ganz im Gegensatz zu dem Steinmarder, welcher sich als Kulturfolge meist in der Nähe menschlicher Siedlungen oder Parks aufhält. Zudem findet sich der Baummarder meist auf Bäumen oder Gehölzen, während der Steinmarder ein typischer Bodenbewohner ist.

Diese 2 Arten zeigen gut auf, wie sich 2 eng verwandte Raubtiere einen Lebensraum aufteilen können, ohne zueinander in Nahrungskonkurrenz zu treten. Würden sie sich einen Lebensraum teilen, müssten sie sich erheblich in der Größe unterscheiden; ansonsten würde eine Art verdrängt. Daher weicht der Iltis auch auf alternative Biotope aus. Erst das kleine Hermelin kann wieder mit dem Baummarder in einem Lebensraum dauerhaft überleben.

Edelmarder

Körperbau

Das Fell des Baummarders ist rotbraun; die Kehle und Teile der Vorderbrust sind gelblich gefärbt. An Brust und Bauch wirkt das Gelb etwas fleckig; gabelt aber nie auf, wie bei dem Steinmarder. Auch an den Ohrrändern kann man einen gelblichen Schimmer erkennen.

Der Winterpelz des Baummarders besitzt eine deutliche höhere Qualität, als die des Steimmarders, so dass er auch Edelmarder genannt wird. Da der Baummarder einen geringeren Körperfettanteil als der Steinmarder besitzt, muss das Fell auch entsprechend besser isolieren können. Das Winterfell bildet sich im Herbst und ist wesentlich dichter und dunkler, als das Sommerfell.

Sein Körper mit Schwanz (Rute) weißt eine Länge von 60 – 80 cm auf, bei einem Gewicht von 0,9 – 1,7 kg. Die Männchen sind dabei etwas größer als die Weibchen. Sein Gebiss mit 38 Zähnen ist sehr kräftig ausgebildet.

Der dunkle Schwanz ist lang und buschig, er dient wie bei dem Eichhörnchen der Gleichgewichtsstabilisierung.

Der Baummarder ist ein geübter Kletterer und kann auch sehr gut springen bzw. Flugspringen, daher können ihm Eichhörnchen in den Bäumen oft nur mit Mühe wieder entwischen. Baummarder sind in ihren Kletter- und Sprungfähigkeiten allen anderen europäischen Säugern überlegen. Ihre Sprünge sind z.T. weiter als 4 Meter. Sie können auch kopfüber an den Stämmen laufen und finden auch an den kleinsten Ästen Halt.

Ihre Krallen können von Ihnen eingezogen werden, um an den Bäumen einen besseren Halt zu finden. Die Fußsohlen sind im Gegensatz zum Steinmarder stark behaart und dadurch wirken die Spuren z.B. im Schnee leicht verwischt.

An der Oberlippe finden sich lange Borstenhaare, welche sensibel auf jede kleine Berührung reagieren und daher ideal zum Tasten in der Dunkelheit geeignet sind. Die Ohren sind kurz und dreieckig geformt.

Holzmarder

Der Baummarder kann leicht mit dem Steinmarder verwechselt werden. Insbesondere, da sie ähnliche Gebiete besiedeln. Man kann sie an den folgenden Merkmalen unterscheiden:

1.      Kehlfleck
Der Baummarder besitzt einen gelblichen, ungegabelten Kehlfleck. Der Steinmarder hingegen einen weißen, gegabelten Kehlfleck, d.h. er läuft unten in 2 Gabeln aus.

2.      Größe
Der Baummarder ist etwas größer als der Steinmarder

3.      Gewicht
Erstaunlicherweise ist der Baummarder leichter als der Steinmarder, obwohl sein Körper größer ist.

4.      Nase
Die Nase ist beim Baummarder dunkel und bei dem Steinmarder hell gefärbt.

Baummarder

Ernährung und Verhalten
Der Baummarder jagt bevorzugt Kleinsäuger (vor allem Eichhörnchen) und Waldvögel, welche sich auch in den Bäumen aufhalten. Insgesamt ist er jedoch ein typischer Allesfresser und frisst auch Insekten, Lurche, Reptilien, Vogeleier und kleine Früchte (z.B. Vogelbeeren) und Nüsse.

Baummarder sind tag- und nachtaktive Tiere, welche bis in die Dämmerung aktiv sind. Sind sie nachts unterwegs, hilft ihnen ihr guter Geruchssinn weiter. Dann jagen sie vor allem Vögel in ihren Nestern.

Jede Nacht legt ein Baummarder etliche Kilometer zurück, die meisten davon auf dem Erdboden.

Zur Ruhe in der Nacht sucht der Baummarder geschützte Plätze auf den Bäumen auf, dies können auch leere Eichhörnchenkobel oder Nester von Greifvögeln sein.

Wie die meisten Angehörigen der Marderfamilie lebt auch der Baummarder vorwiegend allein (solitär). Daher haben sich auch Mimik und Kommunikationstechniken kaum entwickelt. Ihre Reviere grenzen sie durch Duftmarken ab. Diese Marken zeichnen seine immer wieder genutzten Wege nach; die sogenannten „Marderpässe“.

Seine Beute erlegt der Baummarder meist mit einem Nackenbiss. Allerdings verzehrt er sie nicht sofort, sondern trägt sie zunächst in einen Baum, wo er dann auch die Reste aufhebt.

Edelmarder

Fortpflanzung und Entwicklung
Im Frühsommer ist Paarungszeit (Ranzzeit), wobei die Fähe (Weibchen) nur für zwei Tage wirklich paarungsbereit ist. Zu dieser Zeit toben die Marder häufig kreischend und fauchend durch die Bäume. Ihr Nest befindet sich meist in verlassenen Eichhörnchenkobeln. Ca. 3 bis 6 Junge werden nach 8 Monaten Tragezeit im Frühjahr geboren. Ähnlich wie bei einigen Bärenarten besteht ein Teil der Tragezeit aus einer Phase der Keimruhe. Sie sind zunächst ca. 8 – 10 cm groß. Die neu geborenen Baummarder sind blind und können erst nach ca. 5 Wochen sehen.

Die Jungen werden nach der Geburt ausgiebig trockengeleckt. Verlässt ein kleiner Marder das erstemal das heimische Nest mit seinen Geschwistern befindet sich die Mutter immer in unmittelbarer Nähe und holt die Jungen durch kleine Schreie immer wieder zu sich heran. Die Marder werden 6 Wochen gesäugt und gehen danach mit der Mutter auf die Jagd. Die Weibchen tragen jedes 2. Jahr Junge aus. Erst im 2. Lebensjahr werden die Baummarder geschlechtsreif.

Winterruhe kennen Baummarder nicht. Ihr dickes Fell schützt sie vor der Kälte und ihre Opfer sind besonders im Winter gut zu jagen, da sie wegen der Kälte eine reduzierte Fluchtdistanz haben.

In der freien Natur leben Baummarder ca. 10 Jahre, in menschlicher Pflege können es ein paar Jahre mehr werden.

Die direkten Feinde des Baummarders sind in erster Linie Greifvögel. Natürlich indirekt auch der Mensch durch Zerstörung seiner Lebensräume.



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Baummarder

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