Präriehund

Gemeiner Präriehund
syn.Schwarzschwanz-Präriehund
(Cynomys ludovicianus)

Gattung Präriehunde (Cynomys)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Klasse Säugetiere (Mammalia)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00105

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Foto: Sönke Morsch


Einführung und Verbreitung

Ein bekannter Vertreter der amerikanischen Nagetiere ist der Präriehund, welcher natürlich nicht zu den Hunden zählt. Seinen Namen erhielt er durch sein hundeartiges Bellen (ähnlich kleinen Hunden). Die Präriehunde sind nahe verwandt mit den Murmeltieren.

Die heute bekannten 5 Präriehundarten unterscheiden sich äußerlich wenig. In diesem Beitrag wird der gewöhnliche Präriehund beschrieben, diese Beschreibung trifft weitgehend auch auf den mexikanischen Präriehund zu. Die Besonderheiten der weiteren Präriehunde insbesondere des Weiß-Schwanz-Präriehundes werden unten abgehandelt.

Der Lebensraum der Präriehunde ist die weite, baum- und buschfreie Kurzgrass-Prärie Nordamerikas und Mexikos, wo sie in riesigen Kolonien leben. Wobei heute die Kolonien viel kleiner sind als vor wenigen hundert Jahren, wo sie noch die Größe Hessens einnahmen.

Wegen ihrer verspielten Art werden sie gern in zoologischen Gärten gehalten. In den USA findet man sie auch öfters als Haustiere, welche allerdings sehr viel Zuwendung benötigen.

junge Präriehunde
Foto: Uwe Walz


Körperbau
Ihr Körper ist ca. 30 - 35 cm lang; der Schwanz ist mit zusätzlich bis zu 10cm eher kürzer. Ihr Köpergewicht liegt zwischen 800 und 1400g. Damit liegen sie ungefähr in der Mitte zwischen Murmeltier und Ziesel, wie auch mit Ihren Backentaschen, welche verkümmert sind. Bei dem Murmeltier fehlen sie ganz, während die Backentaschen des Ziesels voll funktionsfähig sind.

Präriehunde besitzen ein gelblich-braun bis graues Fell. Häufig sind darin helle Sprenkel eingeschlossen. Die Körperunterseite ist hell cremefarben gefärbt. Das Fell ist kurz, glatt und fest.

Das Fell wird zweimal im Jahr vollständig gewechselt. Nur die Schwanzbehaarung wechselt nur einmal pro Jahr. Das Schwanzfell ist oftmals leicht geringelt und am Ende dunkel gefärbt.

Im Skelettbau und dem Schädel ähneln sie ebenfalls dem Murmeltier. Ihre Ohren sind klein und wenig behaart. Ihre Nagezähne sind kräftig und die Backenzähne verfügen über große, stark gefaltete Kauflächen. Die Augen der Präriehunde, wie auch bei den Eichhörnchen und Murmeltieren, sind hervorragend ausgebildet. Ihr Schärfesehen ist sehr gut; die Augen sitzen weit oben am Kopf, um eine gute weiträumige Sicht zu ermöglichen.

Foto: Uwe Walz

Ernährung und Verhalten
Präriehunde leben in riesigen Kolonien. Innerhalb dieser Kolonien sind die Familien, welche auch gemeinsam einen Höhlenbau bewohnen, der eigentliche Bezugsrahmen für die Präriehunde.

Eine Familie besteht aus einem Männchen und 2-3 Weibchen, sowie den Jungtieren. Ihr Revier wird gegen andere Präriehunde streng verteidigt. Aufgrund der hohen Dichte an Familien in der Kolonie, muss jedes einzelne Revier groß genug sein (ca. 1/5 Hektar), um die Familie zu ernähren. Ungefähr 100 Familien bilden zusammen ein Dorf, in dem z.B. auch die Wachaufgaben geteilt werden. In den großen Kolonien reiht sich dann Dorf an Dorf.

Ähnlich wie bei den Murmeltieren halten immer einzelne erwachsene Tiere auf den Wällen Ausschau nach Feinden und alarmieren die übrigen Tiere durch ihr lautes Bellen. Sofort verschwinden dann die Präriehunde blitzschnell in ihren Höhlen. Ein Ruf kann dabei hunderte Tiere warnen.

Präriehund
Foto: Sönke Morsch

Präriehunde sind tagaktive sehr muntere Nagetiere, dabei sind sie ausgesprochen friedliche und soziale Tiere. Besuche zwischen den Familien sind häufig. Dabei reiben und beriechen sie sich gegenseitig am Gesicht, insbesondere an der Schnauze. Dieser Erkennungskuss ist fester Bestandteil des Zusammenlebens. Auch echte Aufgabenteilung, wie bei der Kinderaufzucht oder der Wache sind verbreitet. Nur in der Paarungszeit geht es lebhafter und streitsüchtiger zu. Unter den Präriehunden herrscht eine strenge Rangordnung, welche durch Kämpfe immer wieder neu festgelegt wird.

Sie sind typische Pflanzenfresser und ernähren sich vorwiegend von Gräsern und Wurzeln. Im Sommer kommen auch hin und wieder Insekten hinzu, welche wichtige Eiweiße enthalten.

Erkennungskuss bei Präriehunden
Foto: Uwe Walz


Höhlen
Präriehunde bauen unterirdische Höhlensysteme mit riesigen Ausmaßen. Am Eingang befindet sich ein Fallgang der viele Meter in die Tiefe führt. Von dort zweigen immer wieder neue kleinere Höhlen ab. Z.T. sind diese Höhlen als Stollen ausgebaut und führen zu einzelnen Wohnbereichen (Kesseln). Am Ende des Schachtes finden sie dann die Schlafräume. Die Wohnbereiche werden mit Heu und Gras gepolstert. Es gibt einen Eingang und einen Ausgang, zwischen denen Frischluft zirkulieren kann.

Alle 5 -6 Meter finden sich am Erdboden Eingänge zu neuen Höhlen. Alle Höhlen werden beständig erweitert und immer an neuen Generationen weitergegeben. Zwischen den Höhlen finden sich viele fest ausgetretene Pfade, welche von den intensiven sozialen Kontakten zwischen den einzelnen Familien zeugen.

Foto: Uwe Walz

Direkt unter dem Eingang befindet sich ein kleiner Unterschlupf, in welchen sich die Präriehunde bei einem Angriff flüchten und von dem aus der Gegner bekämpft werden kann. Erst in großer Gefahr flüchten sie tiefer in den Bau. Da in der Prärie ein strenges Kontinentalklima herrscht, müssen die  Bauten weit in die Erde reichen, um die Präriehunde vor dem strengen Frost des harten Winter zu schützen. Zusätzlich sind die Eingänge sind von einem Wall aus Erde ummantelt, damit kein Regenwasser bzw. Schmelzwasser von der Schneeschmelze hineinlaufen kann und schützt die Präriehunde somit vor dem Ertrinken. Im Sommer dienen diese kleinen Hügel dann als Ausguck für die Wächter. Setzt im Hochsommer große Hitze ein, können sich die Präriehunde in die tieferen Höhlenteile zurückziehen, wo dann angenehme Temperaturen herrschen.

In diesen Höhlen nisten sich häufig Klapperschlangen ein, welche zwar auch Präriehunde erbeuten, dies aber nie innerhalb des Baues tun.

Die Höhlenstädte können riesige Ausmaße annehmen. Anfang des 20. Jahrhunderts hat man in den USA (z.B. Texas) Kolonien gefunden, welche mehr als 20.000 Quadratkilometer groß waren und in denen nahezu hundert Millionen Präriehunde lebten.

Foto: Sönke Morsch

Winterschlaf
Vor dem Winterschlaf futtern sich die kleinen Nager einen großen Speckvorrat an, um über die kalte Zeit zu kommen.

Wie alle Erdhörnchen halten auch die Präriehunde einen ausgeprägten (ihre Körpertemperatur sinkt bis auf ca. 4 Grad ab) und langen Winterschlaf, welcher gern unterbrochen wird. Einige wärmere Tage reichen aus, um die Präriehunde zu wecken. Diese Schlafpausen werden für Blasen- und Darmentleerung, sowie eine kleine Nahrungsaufnahme genutzt. Die Männchen schlafen einige Wochen kürzer als die Weibchen. Aufgrund Nahrungsmangels überleben 20- 40% der Präriehunde nicht den Winterschlaf.

Gruppe Präriehunde
Foto: Uwe Walz

Fortpflanzung und Entwicklung
Nach Ende des Winters beginnt die Paarungszeit. Nach einer Tragzeit von ca. 32 Tagen bringt das Präriehund-Weibchen im Frühjahr  3 bis 7 Junge zur Welt. Diese sind bei der Geburt nackt, taub und blind. Sie sind ca. 7 cm lang und wiegen etwa 15 g.

Die Jungtiere verbleiben für 3 Winter im Familienverbund und verlassen mit 2 Jahren geschlechtsreif den elterlichen Bau. Die Jungtiere besiedeln dann den Rand der Kolonie, so dass diese beständig wächst. Nur selten haben sie das Glück in der Nähe einen freien Bau zu finden.

Die jungen Männchen legen zunächst eine kleine Höhle an und versuchen nun ein Weibchen für sich zu gewinnen. Im folgenden Spätsommer/Herbst wird die Höhle dann größer ausgebaut.

Die Lebensdauer der Präriehunde liegt in der Natur bei 10-12 Jahren.

Foto: Uwe Walz

Feinde
Da die Präriehunde den Boden und den Pflanzenbewuchs stark zerstören, sowie das Vieh sich in den Bauten leicht die Beine brechen kann, werden sie stark von Menschen bekämpft. Durch die Umwandlung der Prärie zu Weideland und Anbaugebiet, wird den Präriehunden zudem immer mehr die Lebensgrundlage entzogen, so dass ihre Art langsam bedroht ist.

Natürliche Feinde sind der Schwarzfuss-Iltis, die Klapperschlage, Greifvögel, Dachs und Füchse.

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Weiss-Schwanz-Präriehund (C. leucurus)
Felsengebirgs-Präriehund (C. gunnisoni)
Utah-Präriehund (C. parvidens)

Diese Arten lebt mehr in den Gebirgen. Ihr letztes Schwanzdrittel ist weiß gefärbt und das Fell weist insgesamt mehr helle Bereiche auf. Die Höhlen haben keinen Schutzwall gegen Regenwasser. Die Bauten sind auch nicht so gut gepflegt, da es auch anderen Schutz im Umfeld gibt. Alle 3 Arten sind kleiner als die o.G. gemeinen Präriehunde. Diese Arten leben auch in Familien, bilden aber keine so ausgeprägten Kolonien, wie der gemeine Präriehund.



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