Seelöwe

Stellersche Seelöwe (Eumetopias jubatus)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung:
Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Robben (Pinnipedia)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00104

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alle Fotos: Rolf Hicker

Einführung und Verbreitung
Die Robben stehen als Raubtiere des Wassers den bekannten Raubtieren des Landes direkt gegenüber. Die Robben haben sich dabei den Anforderungen des Kaltwassers erfolgreich angepasst.

Die Seelöwen gehören zu den Ohrenrobben. Die Ohrenrobben haben sich noch nicht so gut vom Landleben gelöst, wie dies den Hundsrobben gelungen ist. Dies ist u.a. an ihren noch nicht zurückgebildeten Ohren gut zu erkennen. Zudem können sich die Ohrenrobben an Land noch sicher und schnell bewegen  (Hinterbeine unter dem Körper), während die Hundsrobben sich nur langsam vorwärts wälzen können. Ihr Kopf ist klein und sitzt auf einem kräftigen Hals.

Die Familie der Ohrenrobben teilt sich auf in die Unterfamilien der  Pelzrobben und Seelöwen.

Der stellersche Seelöwe ist an den nördlichen Küsten (Asien und Amerika) des Pazifik heimisch und dort weit verbreitet. Sein Bestand umfasst einige hunderttausend Tiere. Die größten Bestände sind auf den Aleuten zu finden.

Seelöwen auf Felsen

Körperbau
Im Unterscheid zu anderen im Wasser lebenden Säugetieren (z.B. Delfine oder Wale), besitzen die Robben ein dichtes Fell, welches durch Stammhaare mit Beihaaren (Grannenhaare) gebildet wird.

Das goldbraune Fell (Jungtiere sind dunkelbaun) der Seelöwen ist dicht und wasserabweisend, allerdings weisst es je Stammhaar nur wenig Beihaare auf und liegt dicht am Körper an, da eine Unterwolle fast gänzlich fehlt.

Die Seelöwen sind die größten Ohrenrobben, die Bullen  erreichen eine Körperlänge von mehr als 3 Metern und wiegen über eine Tonne. Wie bei fast allen Ohrenrobben sind die Weibchen deutlich kleiner (Geschlechtsdimorphismus) und wiegen kaum 300 kg.

Wie z.B. auch bei dem Seehund oder der Kegelrobbe ist das Unterhautfettgewebe (Blubber) stark ausgeprägt, um gegen die kühlen Temperaturen zu schützen. Bei ganz strenger Kälte kann auch die Blutzufuhr in die äußeren Körperregionen eingeschränkt werden, um eine zu starke Abkühlung des Blutes zu vermeiden. Bei ihren langen und sehr tiefen Tauchgängen profitieren sie von ihrem überdurchschnittlichen Blutgehalt und die extrem Sauerstoffbindefähigkeit ihres Blutes. Zudem kann in verschiedenen Kammern zusätzliche Luft gespeichert werden. Der Verbrauch an Sauerstoff geht bei den Tauchgängen auch durch eine Reduktion des Pulsschlages deutlich zurück.

Stellersche Seelöwe

Ähnlich wie bei anderen Wassersäugetieren ist ihr Gehirn im Vergleich zu ihrer Körpermasse besonders schwer. Die Augen sind sehr lichtempfindlich, um auch im tiefen dunklen Wasser etwas erkennen zu können. Am Kopf befinden sich zudem empfindliche Sinneshaare. Unter Wasser orientieren sie sich vor allem mit Hilfe des Echolotsinnes; wobei sie kräftige Töne ausstoßen und über das Echo dann Orientierung finden. Seine Stimme gleicht über Wasser einem tiefen Baß. An Land ist es vor allem die gute Nase, welche ihnen den Weg zeigt.

Die Bullen besitzen eine typische kräftige Mähne , welche sich auf einem extrem kräftigen Nacken befindet.

Die Ohrenrobben besitzen die Fähigkeit ihre Beine unter den Köper zu bringen, um sich auf ihnen fort zu bewegen, so dass sich auch Seelöwen an Land erstaunlich schnell bewegen können.

Der Magen-Darm-Trakt ist einfach strukturiert. Das Gebiss dient mehr dem fangen und vertilgen, als dem kauen.

Ernährung und Verhalten
Seelöwen ernähren sich vorwiegend von Fisch. Nur selten greifen sie andere Meeressäuger an. Dabei erreichen sie Tauchtiefen von mehr als 150 Metern. Auf ihrer Jagd schließen sich häufiger einzelne bis hunderte Seelöwen zusammen und kreisen Fischschwärme regelrecht ein. Hauptsächlich verzehren sie Tintenfische, aber auch Hering, Heilbutt, Neunaugen und Dorsch. Auch andere Meerssäuger, wie junge Robben werden von ihnen angegriffen.

Seelöwen sind sehr aggressiv und werden deshalb nur wenig bejagt. Meist werden sie von Fischern nur gejagt, um sie als Fischfresser auszuschalten. Ihre hohe Aggressivität ist auch ein Grund dafür, dass diese Art nur selten in zoologischen Gärten gezeigt wird. Dort sieht man meist den kalifornischen Seelöwen.

Sie sind extrem scheu und fliehen sofort bei dem Anblick von Menschen. Nur die Weibchen bleiben bei ihrem Nachwuchs und verteidigen ihn aggressiv.

Seelöwen sind noch nicht ganz an das Wasser angepasst. Sie müssen z.B. noch zur Geburt, zur Paarung etc. das Wasser verlassen.  Sie leben dann in großen Kolonien entlang der Küste oder auf kleinen Inseln in kühlen Regionen wie z.B. Alaska, Aleuten oder Kurilen.

Fortpflanzung und Entwicklung
Ab Ende April werden die Küsten (Reviere) von den Bullen besetzt. Um die besten Plätze werden schwere Kämpfe ausgetragen. Entsprechende Narben zeichnen die Bullen. Die Bullen halten sich dabei einen relativ großen Harem, welcher leicht 30 Weibchen umfassen kann.

In dieser Zeit werden die Jungen geboren, wobei jede Kuh nur ein einzelnes Junges zur Welt bringt. Wenige Tage nach der Geburt sind die weiblichen Seelöwen wieder fruchtbar und es finden Anfang Juni neue Paarungen statt. Im Gegensatz zu den Landraubtieren paart sich der Bulle dabei auch mit allen Weibchen eines Harems. Die Bullen verteidigen ihren Harem sehr streng.

Bis zum Ende des Sommers bleiben die Bullen an Land und leben von ihrem Körperspeck. Dabei kommt ihnen ihr immenses Körpergewicht zustatten, welches dann im Laufe des Sommers erheblich abnimmt.

Nach der Einlagerung des Ei´s beginnt eine lange Zeit der Keimruhe. Erst nach dem folgenden Winter werden die jungen Seelöwen an Land geboren. Dort werden sie auch mehr als 3 Monate gesäugt und gepflegt.

Stellersche Seelöwen können bis zu 20 Jahre alt werden.

Feinde
Seelöwen haben nur wenige Feinde z.B. Haie oder Schwertwale. Trotzdem gehen ihre Bestände kontinuierlich zurück, da durch die Überfischung der Meere, die üppige Nahrungsgrundlage auch in der Beeringsee langsam verschwindet. Da ihr Pelz sehr eng anliegt, sind sie als Pelzlieferant kaum geeignet. Allerdings wird er auf den Aleuten als Rohstofflieferant gejagt.



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