Iltis

Europäischer Iltis, Stinkmarder, Ratz, Waldiltis (Mustela putorius)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie Marder (Mustelidae)
Gattung Wiesel (Mustela)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00102
Alle Fotos: Uwe Walz

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Einführung und Verbreitung
Es werden folgende Iltis Arten unterscheiden:

- Europäischer Iltis syn. Waldiltis (Mustela putorius)
-
Steppeniltis (Mustela eversmanni)
-
Schwarzfußiltis (Mustela nigripes)
-
Tigeriltis (Vormela peregusna)

Im Folgenden beschäftigen wir uns zunächst mit dem europäischen Iltis, die anderen Iltis Arten werden weiter unten beschrieben.Der Iltis kommt in fast ganz Europa, Asien und Nordafrika vor. In Neuseeland wurde er eingebürgert. In Teilen Skandinaviens und einiger Mittelmeerinseln fehlt er.

Bei uns ist er der häufigste heimische Marder.Man sieht den Iltis auf Wiesen, Feldern und in Wäldern. Er ist aber kein echter Waldbewohner, sondern bevorzugt die offenen Waldränder mit ausreichend Deckung.Besonders gern lebt der Iltis  in Feuchtgebieten, wobei er nicht so stark an sie gebunden ist, wie z.B. der Nerz. Durch die zunehmende Zerstörung natürlicher Feuchtbiotope, gehen auch die Bestandzahlen des Iltis weiter zurück.

Er lebt in Höhen bis 2000 Meter, solange er dort gute Lebens- und Nahrungsbedingungen vorfindet.In ländlichen Gebieten lebt er oft in der Nähe des Menschen. Er jagt auch Mäuse und andere Kleintiere auf Dachböden oder in Scheunen. Im Winterhalbjahr sucht er sich öfters Unterschlupf in leeren Gebäuden bzw. Gebäudeteilen.

Stinkmarder

Körperbau
Sein schlanker Körper (ohne Schwanz) ist ungefähr 30-45 cm lang; der Schwanz noch mal gut 12 -14 cm. Im Durchschnitt sind die Weibchen 4-7 cm kleiner als die Männchen. Dabei wiegen die Männchen fast 1000g, während die Weibchen ca. um ein Drittel leichter sind. Seine Schulterhöhe ist mit ca. 5 cm sehr niedrig. Er liegt damit in der Größe zwischen Hermelin und Baummarder.

Der helle Kopf ist dunkel gezeichnet (Siehe Fotos). Kinn und Schnauze sind gelblich-weiß, die Nase hingegen schwarz. Er zeigt uns eine ausgeprägte Gesichtsmaske, mit seiner hell-dunklen Zeichnung.Sein Fell ist dunkelbraun, an der Körperunterseite fast schwarz. Allerdings schimmert immer ein wenig die hellgraue Unterwolle durch. Die Weibchen haben an den hellen Fellbereichen rein weißes Fell, welches bei den Männchen eher gelblich wirkt. Das Fell ist sehr dicht und fest, so dass die meisten Bisse größerer Tiere ihn nicht verletzen können.

Sein Fell ist im Sommer wie Winter farblich identisch, aber im Sommer weniger dicht und glänzend.Beim Laufen hebt der Iltis seinen Rücken an, so dass es immer ein wenig aussieht, als hätte er einen Buckel.Von seinen Sinnesorganen sind vor allem der Geruchssinn und sein Gehör sehr gut ausgebildet und dienen vor allem der Orientierung. Seine Augen sind nur schwach, Farbensehen kann er kaum. Bei der Bewegung am Boden verlässt er sich ganz auf sein Geruchssinn und sein Gehör.

Waldiltis

Ernährung und Verhalten
Der Iltis jagt vor allem nachts, ab der beginnenden Dämmerung. Als typischer Erdmarder jagt er vorwiegend auf dem Boden. Allerdings ist er dabei weniger beweglich, als die Wiesel (z.B. das Hermelin). Seine Jagdgebiete sind Teiche und Seen bzw. deren Ufer. Dort durchstöbert und beschnüffelt er alles auf der Suche nach Nahrung. Auch Schwimmen und Tauchen kann der Iltis hervorragend. Nur Klettern mag er nicht so gern (kann es auch nicht so gut) und bleibt daher lieber am Boden, wo er sich in Sprüngen oder Schritten vorwärts bewegt.

Sobald sie etwas Interessantes riechen, gehen Iltisse in die die erhobene Witterstellung. Tagsüber sind Iltisse passiv und ziehen sich in ihre Nester zurück, wo sie meist tief und fest schlafen.Wie viele Marder, ist auch der Iltis ein typischer Einzelgänger. Treffen sie aufeinander verbeißen sich die Männchen im Kampf und rollen umher. Was besonders in der Ranzzeit häufiger passiert.Werden Iltisse bedroht oder in die Enge getrieben, stoßen sie ein stark übel riechendes, weißliches  Sekret in einem Strahl aus den Afterdrüsen fast 50 cm weit aus. Dies ist gut mit dem Stinktier zu vergleichen. Daher wird der Iltis auch Stinkmarder genannt. Dieses Aftersekret verwendet der Iltis auch bei der Reviermarkierung.

Ihre Nester richten sich Iltisse in leeren Kaninchenbauten oder selbst gegrabenen Höhlen bzw. Gängen an. Die Nester werden mit Blättern, Heu, Moos oder Gras ausgekleidet.Iltisse ernähren sich vornehmlich von Kleinsäugern und Vögeln. Aber auch Reptilien, Fische und Lurche verspeisen sie gern. Insekten und Weichtiere sind die Speisen zweiter Wahl. Obst und pflanzliche Kost wird nur selten verspeist.

Seine Opfer werden durch einen gezielten Nackenbiss getötet. Der Iltis legt sich meist einen größeren Vorrat an toten Tieren in seine Höhle. Frösche werden durch den Biss nur gelähmt und dann lebend gelagert. Gelangen Iltisse in Stallungen richten sie ähnlich große Schäden an, wie der Steinmarder; ebenfalls ausgelöst durch instinktive Beutefanghandlungen. Diese werden solange ausgeführt, wie der Iltis Gerüche und Geräusche von Beutetieren in Reichweite wahrnimmt.Wie auch der Steinmarder und Baummarder ist der Iltis ein ausgesprochen nützliches Tier, da er z.B. Mäuse und Ratten jagt und damit der Landwirtschaft große Dienste erweist. Als Mausjäger ist er bereits fast ein echter Kulturfolger.

Iltis

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung findet im Frühjahr von März bis Mai statt. In der Ranzzeit sind sie sehr stimmaktiv, sie keckern und schreien laut umher. Bei der Paarung hält das Männchen die Fähe mit einem Nackengriff fest, dabei stellt sich die Fähe bewegungslos.  

Es werden 4-8 Junge nach ca. 7 Wochen Tragezeit geboren. Sie wiegen bei der Geburt nur knapp 10g. Die Jungen besitzen ein seidiges weißes Fell, welches in den nächsten Wochen an den bekannten Stellen nachdunkelt. Wie bei fast allen Mardern werden die Jungen nach der Geburt ausgiebig von der Mutter abgeleckt. Sie werden blind geboren und öffnen nach ca. einem Monat ihre Augen. Sie werden von der Fähe einen Monat lang gesäugt, sind aber bereits nach 3 Wochen in der Lage Fleisch zu fressen. Bereits jetzt sind sie schon sehr lebendig und die Fähe kann sie kaum bremsen. Immer wieder muss sie die Jungen mit dem Nackenbiss zurück ins Nest tragen. Das Männchen beteiligt sich nicht weiter an der Aufzucht.

Bereits nach knapp 3 Monaten sind die jungen Iltisse selbständig und haben das Gewicht ihrer Eltern bereits erreicht; die Familie löst sich nun wieder aufIn freier Natur erreichen Iltisse ein Alter von ca. 6 Jahren, in menschlicher Obhut werden es ein paar Jahre mehr. In der Natur wird der Iltis von größeren Raubtieren, wie dem Fuchs, Wolf, Wildkatze oder Greifvögeln und Eulen bedroht. Auch der Mensch ist ein großer Feind des Iltis. Allein schon wegen seines schönen Felles müssen jedes Jahr viele Iltisse sterben, noch viel mehr durch Zerstörung seiner Lebensräume.

Frettchen (Mustela putorius furo)
Das Frettchen ist eine Albinoform (helleres Fell, rote Augen) des Iltisses (wahrscheinlich einer afrikanischen Unterart) und wird seit fast 3.000 Jahren gezüchtet. Frettchen werden auch gern als Haustier gehalten. Ob das Frettchen seinen Ursprung im Steppeniltis oder im europäischen Iltis hat, ist bis heute umstritten.

Schon seit dieser Zeit wird das Frettchen vor allem zur Kaninchenjagd eingesetzt. Dieses Frettieren klappt natürlich nur mit ganz zahmen Frettchen, welche auf Pfiff auch wieder zurückkommen. Dazu werden die Frettchen in den Bau geführt und am anderen Ende die Kaninchen eingefangen. Kann das Frettchen noch Tiere im Bau erlegen, werden diese dort verspeist und der Besitzer kann sich auf eine längere Wartezeit einrichten, bis das Frettchen wieder hervorkommt. Um zu vermeiden, dass die Frettchen die Kaninchen selber erlegen, legt man ihnen eine Kette mit Glöckchen um den Hals.Iltis und Frettchen können gekreuzt werden, das Iltisfrettchen (Foto) zeigt ein wildfarbenes Fell und dunkel Augen.

Die Albinomerkmale werden also nur rezessiv vererbt. Umgangssprachlich werde alle diese Kreuzungen als Frettchen bezeichnet. Frettchen sind kleiner und leichter als Iltisse.Auf Sizilien und Sardinien leben wilde Frettchen, da dort keine Iltisse vorkommen.Frettchen sind insgesamt deutlich ruhiger und umgänglicher, als die Iltisse.

Iltis-Frettchen
Iltis-Frettchen

Steppeniltis (Mustela eversmanni) syn weißer Iltis
Der Steppeniltis ähnelt dem europäischen Iltis sehr stark, nur sein Fell ist deutlich heller durch den höheren Anteil an Unterwolle. In Russland heißt er daher weißer Iltis. Der Körper des Steppeniltis ist etwas größer, als der des europäischen Iltis. Sein Verbreitungsgebiet liegt zwischen Osteuropa, Asien und Sibirien.

Er stellt eine Art Steppenrasse des Iltisses dar. Die Fähe des Steppeniltis gebärt etwa die doppelte Anzahl Jungen; die Entwicklungsdauer bis zur Selbständigkeit ist etwa identisch. Der Steppeniltis lebt in den offenen Landschaften, wie Steppen und Flusstälern. Dort jagt er meist tagsüber hauptsächlich Ziesel, Hamster und Pfeifhasen. Seine Nester baut er in Gängen von Hamstern, Murmeltieren oder Zieseln.Erwachsene Steppeniltisse vertilgen täglich fast 1/3 ihres eigenen Körpergewichtes.

Der Steppeniltis und der europäischen Iltis waren ursprünglich eine Art, welche sich in der letzten Eiszeit getrennt hat. Damals wurde der heute Steppeniltis von Europäischen Iltis abgeschnitten und hat sich völlig selbständig weiter entwickelt. In Osteuropa hat der Steppeniltis eine relativ breite Überlappungszone mit dem europäischen Iltis.Fortpflanzung, Feinde und Lebenserwartung entspricht in etwa dem europäischen Iltis.

Iltis-Frettchen
Iltis-Frettchen

Tigeriltis (Vormela peregusna)
Er stammt aus einer eigenen Gattung und kommt von Süd-Ost-Europa bis nach China vor. Wie die anderen Iltisse jagt er kleine Säuger und Vögel. Er lebt in kleinen Höhlen, wo er sich auch seine Nester anlegt. Er hat auffällig große Ohrmuscheln und ist bunt braun bis elfenbein gefärbt, wobei die Unterseite sehr dunkel und die Oberseite stark netzförmig mit gelben und weißen Einzelflecken gezeichnet ist.

Seine Jagdzeit sind die Dämmerstunden morgens und abends. Dabei jagt er oft unter der Erde in den Gängen seiner Beutetiere.Der Sekretgestank von Tigeriltis ist noch deutlich unangenehmer, als der des europäischen Iltisses.

Iltis-Frettchen

Schwarzfußiltis (Mustela nigripes)
Eine Iltisart der amerikanischen Steppe, welche heute selten geworden ist, da sie die Präriehunde jagt. Durch die Ausrottung der Präriehunde ist auch der Schwarzfußiltis  fast völlig verschwunden. Mit mehr als 50cm Körperlänge ist er einer der größten Vertreter der Iltisse.



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