Vielfrass

Vielfrass syn Järv, Bärenmarder (Gulo gulo)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie Marder (Mustelidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00101

Alle Fotos: Uwe Walz

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Entwicklung und Verbreitung
Der Vielfraß ist unter allen Mardern der größte europäische Vertreter. Man meint bei ihm eher einen Bären, als einen Marder vor sich zu sehen.Der Vielfraß ist ein Bewohner der nördlichen Tundra und Taiga. Er lebt von Nordamerika, Skandinavien bis nach Nordsibirien. Er bevorzugt die weiten offenen Nadelwälder oder Moore als Lebensräume. In Gebirgen ist er bis zur Baumgrenze und z.T. darüber anzutreffen.Seine Name leitet sich aus dem Skandinavischen Begriff „Fjäl-Fräs“ gleich „Felsenkatze“ ab.

Jerv Jerf

Köperbau
Die Köperlänge (Kopf-Rumpf) beträgt 70 – 85 cm, sein Schwanz ist ca. 25cm lang.  Im Verhältnis zur Körperlänge wirkt der Schwanz dick und buschig. Mit einem Gewicht von bis zu 30 Kg hat er ein richtig „bäriges“ Auftreten, wenn da nur nicht der lange Schwanz wäre. Er ist sehr hochbeinig (Schulterhöhe 40cm und mehr) mit breiten Füßen. Zwischen den Zehen befindet sich eine Spannhaut, welche ein tiefes Einsinken im Schnee verhindern soll. Die Fußsohle ist beharrt, ähnlich wie bei Eisbären.

Sein Gebiss ist sehr kräftig ausgeprägt, so dass er große Gegner überwältigen kann.Die Druckkraft liegt bei mehreren Tonnen, selbst Knochen werden locker zermalmt.  Bei seinen Drohgebärden zeigt er sein Gebiss sehr auffällig. Für seine Größe ist der Vielfraß extrem kräftig und wird von anderen Tieren und den Einwohnern als gefährliches Raubtier gefürchtet.

Vielfrass

Der Vielfraß ist kräftig, aber schlank gebaut. Sein Fell ist lang, dicht und Wasser abstoßend; Rücken, Unterseite und Beine sind dunkelbraun bis schwarz gefärbt. An der Stirn und an den Flanken besitzt sein Fell helle Bereiche (Siehe Fotos). Seine Sehkraft ist deutlich besser, als die des Iltis, aber trotzdem verlässt er sich meist auf den sehr guten Geruchssinn und sein Gehör. Aas kann der Vielfraß selbst durch eine hohe Schneedecke noch sicher wahrnehmen.

Järv

Ernährung und Verhalten
Der Vielfraß lebt als Einzelgänger und durchstreift dabei seine riesigen Reviere von bis zu 2.000 Quadratkilometer (in der Regel 500 – 800 Quadratkilometer). Er ist ein sehr ausdauernder Läufer der leicht mehr als 50 Kilometer am Stück läuft. Entsprechend selten trifft man auf Vielfraße. In seinen riesigen Revieren sind meist 2-3 kleinere Reviere von Fähen enthalten, welche 100 – 300 Quadratkilometer umfassen. Seine Reviere grenzt er mit Harn, Kot oder Sekreten aus den Analdrüsen, sowie Kratzmarkierungen ab. Die Analdrüsen sind gut ausgebildet, er kann die gelbliche Flüssigkeit einige Meter weit verspritzen. Sie sind eine sehr gute Waffe, gerade im Streit mit Bären oder Luchsen.

Vielfraße haben keinen ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus, da im Norden in der Nähe des Polarkreises extreme Tag bzw. Nachtlängen vorherrschen. Auch in Nicht – Polargebieten ist er sowohl tag- als auch nachtaktiv. So jagt / läuft der Vielfraß immer einige Stunden, um sich dann bei Bedarf wieder auszuruhen. Als guter Schwimmer scheut er auch das Wasser nicht. Zur Köperpflege wälzt er sich gern in Schnee oder auf festem Untergrund (siehe Foto).

Vielfrass

Im Winter hält der Vielfraß keine Winterruhe. Im Gegenteil, im Winter lebt der Vielfraß richtig auf. Jetzt ist er seiner Beute endlich deutlich überlegen, da er nicht im Schnee versinkt. So erbeutet er auch größere Tiere, welche ihm in der schneefreien Zeit entwischen können.

Er bewegt sich in kleinen Sprüngen bzw. Schritten („Mardertrab“) vorwärts, die vor allem bei Schnee sehr schnell werden können. Der Vielfraß kann auch sehr gut klettern, bei dem Absteigen nutzt er die Bärenvariante und kommt mit dem Kopf voran herunter.

Im Sommer ernährt sich der Vielfraß von Aas, verletzten Tieren und Jungtieren von z.B. Elchen.  Er fängt brütende Vögel und frisst auch Beeren. Insgesamt wirkt er im Sommer schwerfällig und findet schwerer Nahrung, insbesondere weil er sich nicht lautlos anschleichen kann. Im Winter hingegen ist der Vielfraß ein erfolgreicher Jäger. Schnell und fast lautlos jagt er über den Schnee und kann jetzt auch Schneehasen, Hühner, Füchse und sogar  Rentiere überwältigen. Selbst Elche können ihm kaum entkommen, da er nicht durch die harte Schneekruste einbricht und dadurch einen immensen Geschwindigkeitsvorteil besitzt. Insgesamt tötet er alle kleineren und wehrlosen Tiere, welche in seinem Lebensraum vorkommen. Oft verfolgt er Spuren anderer Raubtiere um deren Beutereste zu verspeisen.

Ähnlich wie andere Marder tötet er seine Beute mit einem kräftigen Nackenbiss. Größere Beute, wie z.B. Elche sprint er an und verbeißt sich in ihrem Nacken, bis sie zusammenbrechen. Ist die Beute zu groß für eine Mahlzeit sammelt er sie in einer Art Vorrat, welchen er mit Zweigen überdeckt.

Der Vielfraß hat kein festes Nachtlager, er ist beständig unterwegs und schläft in kleinen Schnee- oder Erdkuhlen, welche er sich zur Not auch selber gräbt.

Fortpflanzung und Entwicklung
Von April bis Juni ist Paarungszeit, danach lebt der Rüde noch für einige Monate mit der Partnerin zusammen, welche im Frühjahr (März) des Folgejahres, also nach 9 Monaten 2 – 4 Junge in Felsspalten oder Schneehöhlen zur Welt bringt. Die ersten 4 Wochen sind die Jungen blind, erst dann öffnen sie ihre Augen. 8 Wochen werden die Jungen gesäugt, danach erhalten sie von der Fähe vorgekaute Nahrung. Erst im zweiten Lebensjahr können sie sich vollständig selber ernähren.

Nach einem Vierteljahr sind die jungen Vielfraße ausgewachsen, trotzdem verbleiben sie noch fast 2 Jahre bei der Fähe, bis sie von ihr verjagt werden. Ab dem dritten Lebensjahr sind die Vielfraße dann geschlechtsreif. Sie erreichen in der Natur ein Alter von ca. 10 Jahren, in menschlicher Obhut von fast 16 Jahren.

Der Vielfraß hat in der Natur nur den Wolf im Wolfsrudel als Feind, überall dort wo Wölfe heimisch sind kommt der Vielfraß selten vor. Bären und Raubkatzen (z.B. Luchse) greifen den Vielfraß wegen seiner „Stinkwaffe“ kaum an.  Ansonsten ist es wie so oft der Mensch, welcher dem Vielfraß gefährlich wird. Allerdings weniger wegen seines Pelzes oder seines ungenießbaren Fleisches, als vielmehr weil er jagdbares Wild jagt und Fallen plündert. Insgesamt ist der Vielfraß in den weiten Einöden noch nicht sehr gefährdet.



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