Hermelin

Hermelin (Mustela erminea)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie Marder (Mustelidae)
Gattung Wiesel (Mustela)

Autor: Matthias Zimmermann

Dokument: MZ 00100

Alle Fotos: Sönke Morsch

► mehr Säugetiere


Einführung und Verbreitung

Das Hermelin besiedelt den gesamten nördlichen und gemäßigten Bereich von Europa, Asien und Nordamerika. In den warmen Gebieten z.B. am Mittelmeer fehlt es. Dichte Wälder werden gemieden, ansonsten ist es überall in abwechslungsreichen Wiesen-, Busch- und Ackerlandschaften verbreitet. Offenes Gelände ohne Deckung wird von ihnen nur selten aufgesucht, da dort die Bedrohung durch Greifvögel sehr hoch ist. Hermeline bewohnen das Bergland bis in Höhen über 3.000 Meter. Sie leben auch in der Nähe menschlicher Siedlungen, wenn sie dort ausreichend Nahrung und Verstecke finden. Wassernahe Gebiete besiedeln sie sehr gern.

Es gehört zu der Familie der Marder. Die Gattung der Wiesel stellt eine in Europa bedeutende Kleinsäugergattung dar. Hierzu zählt auch das Hermelin, es besitzt zugleich von allen Wieseln die weiteste Verbreitung in Europa.

Hermelin im Sommerfell
Hermelin mit braunem Sommerfell

Ernährung und Verhalten

Hermeline ernähren sich vorwiegend tierisch. Kleine Säuger von den Mäusen bis zu Kaninchen stehen auf dem Speiseplan, aber auch Vögel werden oft verzehrt. Ebenso erbeuten sie auch Lurche, Reptilien, Fische oder Insekten. Nur pflanzliche Kost wird von ihnen verschmäht. Bei der Jagd folgt das Hermelin einer Duftspur mit geducktem Kopf. Nimm es seine Beute durch Geräusche wahr, sucht er sie mit seinen Augen und stürzt sich auf die Beute. Die Tötung erfolgt reflexartig durch einen Biss in den Hinterkopf / Genick, was sehr schnell zu dem Tod des Opfers führt. Die Beute wird dann in das Versteck gebracht und dort verzehrt. Finden sich viele Beutetiere, tötet es reflexartig so viele Beutetiere wie möglich, bevor es das erste frisst. Dieses Phänomen ist bereits vom Steinmarder in Hühnerställen bekannt und hat zu einem schlechten Ruf der Marder geführt. Bei einem Angriff stößt das Hermelin immer einen kleinen Schrei aus. Bei Bedrohung des Hermelins sondern einige Drüsen am Schwanz des Hermelins eine übel riechende Substanz ab.

Sie sind ausgesprochen nützliche Tiere - auch wenn sie hin und wieder jagdbares Wild verzehren - da sie in die Bestände an Mäusen und Ratten niedrig halten. Daher ist auch die Jagd auf Hermeline als Schädlinge völlig verfehlt.

Hermeline haben durch ihre schnellen Bewegungen und den geringen Körperfettanteil einen sehr hohen Nahrungsbedarf. Daher sind sie fast beständig auf der Jagd bzw. Suche nach Nahrung. Dabei wird jede Höhle und jeder Spalt im Revier sorgfältig erkundet. Ihre schlanke Gestalt ermöglicht es ihnen, ihre Beute selbst in enge Erdgänge zu verfolgen. Eine Winterruhe kennen sie entsprechend nicht. Selbst längere Hungerperioden sind bereits lebensbedrohend für sie.

Hermelin mit Beute

Ihren Unterschlupf finden Hermeline meist in Bodennähe in Felsspalten, Baumwurzeln, Holzstapel oder auch in leeren Erdbauten kleiner Säugetiere wie Maulwürfen oder Hamstern. Nur selten sieht man sie  in den Bäumen. Aber auch in menschlichen Gebäuden wie Schuppen oder Dachböden ist er ähnlich wie der Steinmarder anzutreffen. Ihre Nester bauen sie aus Laub, Moos, Gras und Federn, welche sie im Umfeld finden.

Hermeline sind sowohl tag- als auch nachtaktive Raubtiere. Sie können gut farbig sehen und sich so am Tage optimal orientieren. Aber auch das Gehör und ihr Geruchssinn sind hervorragend ausgebildet. Schwerpunkte ihrer Jagd liegen aber in der Dämmerung und Nacht. Tagsüber ruhen sie sich meist in ihren Verstecken aus.

Außerhalb der Paarungszeit lebt das Hermelin solitär und es kann sogar zu Kämpfen an den Reviergrenzen kommen. Bei der Nahrungssuche werden die Reviere regelmäßig durchstreift und dabei auf unerwünschte Eindringlinge überprüft. Die Reviere von Rüden und Fähen können dabei problemlos überschneiden, nur zwischen männlichen Geschlechtsgenossen kommt es zu Revierauseinandersetzungen. Die Fähen verlassen nie ihr Revier, während die Rüden zur Paarungszeit ausziehen und ein Weibchen suchen.

Hermelin in Obachtposition
typisches "Männchen-machen" des Hermelin

Körperbau

Das Hermelin ist ein sehr leichtes, kleines Säugetier. Bei einer Körperlänge von fast 30 cm (ohne den 10-13 cm langen Schwanz) wiegt es nur knapp 300-350g, die Weibchen sogar nur wenig über 200g.

Ihr Körper ist also sehr schlank und länglich, die häufigste Körperform aller Marder. Äußerlich könnte man es mit dem kleineren Mauswiesel verwechseln, wäre da nicht die schwarze Schwanzspitze des Hermelins, welche eine Bestimmung recht sicher macht.

Je nach Jahreszeit zeigt uns das Hermelin eine andere Fellfärbung. Im Winter ist sein Fell fast durchgehend weiß, nur die Schwanzspitze ist noch schwarz. Im März setzt die Verfärbung ein, dabei fallen die alten Haare aus und neue anders gefärbte Haare wachsen nach. Zunächst wird das Fell braun – gelblich gefleckt. Gegen Ende März ist die Fellfärbung abgeschlossen und das Hermelin hat ein dunkelbraun-rötliches  Fell mit einer gelblich-weißen Unterseite. Zum Winter färbt es sich dann wieder weiß, nur die Schwanzspitze bleibt schwarz. Die Winterfärbung verläuft sehr rasch, während im Frühjahr einige Wochen langsamer Färbung vergehen können. In wärmeren Gebieten südlich der Alpen findet keine Weißfärbung im Winterhalbjahr statt.

Hermeline bewegen sich schnell sprunghaft vorwärts. Hin und wieder halten Sie inne und richten sich auf, wobei sich mit ihrem kräftigen Schwanz abstützen. Dieses „Männchen machen“ kennen wir gut von z.B. den Murmeltieren oder den Erdmännchen.

Mit den Sprungläufen werden sie sehr schnell, die Sprünge erreichen oft  40-70cm Weite und Höhe. Bei diesem typischen „Mardersprung“ setzen beide Vorderfüße bzw. Hinterfüße zugleich auf, so dass ganz deutliche Spuren entstehen.

Ihre Reviere werden ca. 20 - 30ha groß und mit Aftersekret markiert.

Hermelin

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Paarung findet zwischen Frühling  und Sommer statt. Wie bei dem Steinmarder und Baummarder liegt bis in den Winter eine Keimruhe vor. Die 5-7 jungen Hermeline kommen dann im Frühjahr mit einem Gewicht von ca. 3 – 5g zur Welt. Sie besitzen ein weißes Fell und sind die ersten 5 Wochen blind. Fast 2 Monate werden sie gesäugt, jedoch schon nach 3 Wochen erhalten sie erste kleine Fleischbeigaben. Nach 3 Monaten sind sie bereits selbständig und jagen mit der Mutter (Fähe) unterwegs. Die Rüden helfen nur selten bei der Aufzucht der jungen Hermeline.  Die Familien lösen sich dann meist zu Beginn des Winters auf.

Die Rüden sind nach ca. einem Jahr geschlechtsreif, die Fähen hingegen meist nach wenigen Wochen. Diese Säuglingsträchtigkeit ist im Tierreich nur sehr wenig verbreitet z.B. bei bestimmten Mäusearten.

Hermeline können ca. 10 Jahre alt werden. In der Natur werden sie jedoch meist nicht älter als 5 Jahre.

Gefangenschaft

Hermeline werden z.T. in Pelzfarmen gezüchtet. Auch leben viele Hermeline als Haustiere bei Privatpersonen. Sie können gut mit Hackfleisch und Milch oder Wasser ernährt werden. Vor Verbreitung der Hauskatze war das Hermelin als Schädlingsjäger auf Höfen weit verbreitet.

Feinde

Seine natürlichen Feinde sind Greifvögel wie Bussarde oder Eulen. Aber auch größere Raubtiere, wie der Steinmarder, Fuchs oder der Vielfraß können ihm gefährlich werden. Stärkere Schwankungen in den Beständen sind meist der Schwankungsbreite im Bestand der Beutetiere (i.a.R. Mäuse) geschuldet.

In Osteuropa wird ihm wegen des schönen weißen Fells noch immer intensiv nachgestellt.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Hermelin

Natur-Lexikon.com