Südliche Mosaikjungfer

Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung:
Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Edellibellen (Aeshnidae)
Gattung: Aeshna (Mosaikjungfern)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00097

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Einführung und Verbreitung
Die südliche Mosaikjunger ist eine typische Libelle des Mittelmeerraumes. Ihr Areal erstreckt sich von Südeuropa / Nordafrika bis in den Balkan. Die Überwindung der Alpen ist selten. Nach den letzten warmen Jahren haben sich aber einzelne kleine Vorkommen bzw. Einzelfunde in Deutschland gezeigt. Diese liegen meist in Wärmeinseln Süddeutschlands. Im Norden fehlt sie völlig. Meist können sie die kleinen Bestände über sehr kalte Winter bzw. sonnenarme Sommer nicht halten.

Ihr Vorkommen in Deutschland beruht auf ihren Wandereigenschaften, welche sie immer weiter in neue Biotope treibt.

Die hier gezeigten Aufnahmen stammen aus Mittelhessen. In dem Biotop konnte ich die südliche Mosaikjungfer erfreulicherweise bereits im zweiten Jahr beobachten.

Wie auch andere wärmeliebende Gliedertiere (z.B. Wespenspinne, Feuerlibelle, Dornfinger, Ödlandschrecken...) ist auch die südliche Mosaikjungfer eine Indikatorart für die langsam einsetzende Klimaveränderung in unseren Breiten (mediterrane Invasionsart). Zumindest was das häufigere Auftreten und die immer weiter nördlich liegenden Funde angeht.

Ab Anfang Juli bis in den September kann sie mit Glück in Deutschland gesichtet werden.

Sie ist insbesondere an sehr dicht bewachsenen Habitaten zu beobachten. Kleine, mit dichtem Schilf bewachsene, im Sommer trockenfallende Stillgewässer scheinen ideal für die südliche Mosaikjungfer zu sein. Besonders günstig ist es, wenn diese Gewässer in einer wärmefangenden, windarmen Senke liegen.

In Südeuropa sind die Ansprüche an die Habitate geringer, da dort die Temperatur allgemein höher liegt, wichtig bleibt nur der dichte Bewuchs an den Gewässern. Auch der Windschutz ist ihnen wichtig, wenn es möglich ist, suchen sie immer Bereiche auf, welche durch den Bewuchs vom Wind abgeschirmt sind. Trotz ihrer Wärmeliebe fliegen sie auch in Schattenbereichen, wenn sie dadurch anderen größeren Edellibellen ausweichen können.

Ausbaggerungen (z.B. Ausbau zu Angelteichen), Rodungen oder Ansiedlung hoher Bäume zerstören Habitate als Lebensraum für die südliche Mosaikjungfer.

Die Ruhehabitate finden sich in umliegenden Bäumen oder Büschen wie z.B. Weiden, Erlen oder kleinen Eichen.

Körperbau
Die südliche Mosaikjunger ist eine der auffälligsten Arten. Ihre strahlenden blauen Augen ziehen den Blick des Libellenfreundes sofort auf sich. Zunächst meint man eine Herbst-Mosaikjungfer vor sich zu haben, erst beim genauen Hinsehen erkennt man die Unterschiede. Vor allem der gelb-grüne Thorax und die Hinterleibszeichnung unterscheiden sich deutlich. Typisch sind auch die dünnen schwarzen Streifen am Thorax und die kleinen weißen Schulterflecken. Der Ansatz zur Hinterleibsbasis ist ebenfalls blau gefärbt.

Die Augen sind wie bei allen Mosaikjungfern zusammengewachsen und leuchten in einem hellen Blau.

Ihre Körperlänge liegt bei ca. 60 – 65 mm und die Flügelspannweite bei ca. 80 – 90 mm. Damit sind sie fast die kleinsten Mosaikjungfern.

Ernährung und Verhalten
Als eine der kleinsten Mosaikjungfern, ist sie häufig nicht in der Lage ihr Revier gegen die z.B. große Königslibelle zu verteidigen. Daher zieht sie sich oft in Schilfgebiete zurück bzw. zieht Habitate vor, welche von anderen Edellibellen gemieden werden. Einzige Ausnahme ist die Herbstmosaikjungfer, welche auch in dichten Schilfgebieten lebt.

Ähnlich wie die Feuerlibelle, ist die südliche Mosaikjungfer eine Wanderlibelle, welche entlang warmer Bereiche (z.B. Rheingraben) in neue Gebiete vordringt. Folgen mehrere warme Jahre aufeinander wird sie dort auch heimisch.

Erst am späten Vormittag erscheint die südliche Mosaikjungfer am Gewässer. Dort patrouilliert sie meist am dichten Schilfrand. In den seltenen Ruhephasen sucht sie die das Schilf oder umstehende Bäume auf. Bis in den frühen Abend ist sie an warmen Tagen dort zu beobachten. Die Ansitzphasen nehmen bei sinkenden Temperaturen deutlich in Länge und Häufigkeit zu.

Ähnlich wie die blau-grüne Mosaikjungfer fliegt sie immer dieselben Bahnen ab. Auch ihr Selbstbewusstsein und die Neugierde ist stark ausgeprägt. Dringt man zu ihr vor, fliegt sie fast immer auf einen zu und steht dann in der Luft vor dem Eindringling.

Gegen Artgenossen werden ihre Reviere nicht verteidigt, wohl aber gegen andere Libellenarten. Dies ist ein typisches Verhalten von Wanderarten, um die eigenen Bestände nicht zu gefährden.

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung dauert mind. einige Minuten und wird meist in Bäumen oder Büschen vollzogen. Nach einer kurzen Pause beginnen die Weibchen mit der Eiablage.

Zur Eiablage schneidet die südliche Mosaikjungfer abgestorbene, pflanzliche Gewebe (in ausgetrockneten Gewässern) auf und legt die Eier hinein (endophytische Eiablage). Anders als bei allen anderen Mosaikjungfern geschieht dies in Anwesenheit des Männchens, wobei das Tandem meist horizontal sitzt; ein wenig vergleichbar mit der kleinen Königslibelle. Meist geschieht dies an beschatteten Pflanzenbereichen. Nur selten werden lebende Pflanzen genutzt. Die Eiablage kann gut eine Stunde dauern, wobei oft in der letzten Phase das Weibchen die Eier allein ablegt.

Diese Art der Eiablage ist die ursprüngliche Weise. Einige Gattungen (z.B. Segellibellen) haben sie verändert und werfen ihre Eier in flache Gewässer ab, bei diesen Arten ist in der Folge der Legeapparat verkümmert. Die Larven schlüpfen im Frühjahr aus den Eiern. Die Larvenentwicklung läuft in der warmen Umgebung rasch ab und ist bereits nach wenigen Monaten abgeschlossen.

Die Larven sind rel. groß und orientieren sich weitgehend optisch. Sie leben am Gewässergrund innerhalb dichten Bewuchses. Bei austrocknenden Gewässern ziehen sie den am längsten feucht stehenden Teil vor. Austrocknende Gewässer stören jedoch weder die Larven noch die Imagines. Es dürfte sogar ihrem ursprünglichen Lebensraum im Mittelmeergebiet entsprechen. Ansonsten nutzen sie die warmen, seichten Gewässerbereiche als Lebensraum. In Trockenphasen verkriechen sich die Larven in den Schlamm. Die normale Entwicklung dauert ein Jahr. In trocknen oder sehr kühlen Jahren kann es auch 2 Jahre bis zur vollständigen Entwicklung dauern, da in Trockenheit und Kühle eine Art „Entwicklungsstopp“ einsetzt.

Die Schlupfzeit liegt im Juni. Der Schlupf findet an lichten Abschnitten in niedriger Höhe statt. Ab Juli ist die südliche Mosaikjungfer dann an den Gewässern zu beobachten.



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