Siebenschläfer

Siebenschläfer (Glis glis)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Nagetiere (Rodentia)
Familie: Bilche syn. Schläfer (Gliridae)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Alle Fotos: Thomas Kirchen
Tier des Jahres 2004

Dokument: MZ 00096

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Einführung und Verbreitung
Die Schläfer sind nur mit einigen wenigen Arten in Europa vertreten. Der Siebenschläfer ist der bekannteste unter Ihnen. Sie sind alle kleine, nachtaktive Säuger, welche ihren Winterschlaf ohne Vorräte überstehen. Der Siebenschläfer ist in ganz Europa und im Balkan heimisch. Nur im Norden Europas fehlt er ganz.

Oft hört man ihn auf Dachböden oder in leeren Häusern laufen. Gern leben sie in ungenutzten Obstwiesen, wo genug hohle Obstbäume für Schlaf- und Nistplätze vorhanden sind. Ansonsten sind sie typische Laubwaldbewohner mit einer Vorliebe für alte Eichen. Buchen werden gemeiden, da die glatte Rinde sie am flinken Klettern hindert. Er ist ein typischer Baumbewohner, ähnlich wie das tagaktive Eichhörnchen.

Seit der Römerzeit bis vor einigen Jahrhunderten galt der Siebenschläfer als Delikatesse, insbesondere wenn der kurz vor dem Winterschlaf besonders fett war. Die Römer haben Siebenschläfer zum Verzehr in kleinen Käfigen gemästet.

Sein Name geht zurück auf sieben Heilige, welche während der Herrschaft der Römer eingemauert wurden. Nach fast 200 Jahren des Schlafes erwachten sie dann wieder, so sagt die Legende.

Auch ein Bezug zu der Dauer seines Schlafes (7 Monate) ist vorhanden.

Ein Bezug zum Siebenschläfertag (27.06) gibt es hingegen nicht, da der Siebenschläfer bereits einige Wochen zuvor erwacht.

Körperbau
Sein Körper weisst eine Länge von 14 – 19 cm auf, hinzu kommt ein ca. 13 – 15 cm langer Schwanz.Er gehört damit zu den größten Bilchen Europas.

Das Körpergewicht liegt (ohne Winterspeck) unter 190g; direkt vor dem Winterschlaf ca. 220g. Gesicht und Körper sind ohne Zeichnung gräulich gefärbt; die Körperunterseite ist weiss. Die großen Augen heben sich dunkelbraun ab. Am Kopf finden sich lange Tasthaare (s. Foto) an der zugespitzen Schnauze. Sein Gehör arbeitet ausgezeichnet, wie bei vielen nachtaktiven Tieren. Genauso ist der Geruchs- und Tastsinn geschärft. Bereits aus weiter Entfernung nimmt er Nahrung mit der Nase wahr.

Seine Augen sind für die Dämmerung optimiert, so dass er nachts vornehmlich auf die anderen Sinnesorgane ausweicht.
Ihre Hände besitzen nur vier Finger, die Füsse hingegen 5 Zehen. Die Hände und Füsse sind stets etwas rauh und feucht, um sich jederzeit optimalen Halt an den Bäumen zu verschaffen. Der lange Schwanz gibt ihm in schwierigen Situationen schnell das Gleichgewicht zurück, auch hier wieder eine Parallele zum Eichhörnchen.

Ernährung und Verhalten
Der Siebenschläfer ernährt sich vorwiegend pflanzlich z.B. von Früchten oder Nüssen. Nur selten frisst er kleine Insekten oder Vogeleier. Insbesondere zum Herbst hin, ziehen Siebenschläfer immer stärker fetthaltige Nahrung, wie Nüsse etc. dem Obst bzw. den grünen Pflanzenteilen vor, um einen Speckvorrat für den Winter anzulegen. Je größer der Speckvorrat, umso höher ist die Überlebenschance im Winterschlaf.

Nachts wird der Siebenschläfer aktiv und huscht ähnlich wie das Eichhörnchen durch die Bäume. Sie sind auch vergleichbar gute Kletterer an Fassaden oder Gehölz. Tagsüber schlafen Sie in ihrem Nest oder geschützten Baumhöhlen.

In Jahren schlechter Futtermöglichkeiten findet man ihn in Obstplantagen, wo er durch anbeissen unreifem von Obst häufig sehr großen Schaden anrichtet. Bei Bedrohung oder in der Paarungszeit hört man ihn durchdringend rufen, was man als Piepen, Pfeifen, quiecken oder fiepen wahrnimmt.

Meist tritt er ausserhalb der Höhle als Einzelgänger auf.

Winterschlaf

Der Winterschlaf der Siebenschläfer beginnt gegen Mitte Oktober und dauert bis Ende Mai. Vor dem Winterschlaf setzen die Siebenschläfer viel Fett an, um die langen Wintermonate ohne Nahrungsaufnahme zu überleben.

Der Winterschlaf bzw. die Vorbereitungen dazu werden durch die kürzer werdenden Tage ausgelöst.

Anders als z.B. bei Bären, wo der Winterschlaf durch fallende Temperaturen gesteuert wird.

Das Erwachen aus dem Winterschlaf wird hingehen durch Temperaturen über 20 Grad ausgelöst.

Im Winterschlaf sackt die Körpertemperatur bis knapp über Null Grad ab und die Atmung (als Indikator für das Ausmaß der Stoffwechselaktivität) reduziert sich auf 1 – 2 Atemzüge je Minute; zeitweilig können auch Atempausen über viele Minuten entstehen. Den Winterschlaf verbringen die Siebenschläfer oft in Baumhöhlen oder in alten Eichhörnchenkobeln. Einige Siebenschläfer graben sich auch Höhlen im Boden für den Winterschlaf.

Der Siebenschläfer legt keine Wintervorräte an, sondern schläft den Winter komplett durch ohne weitere Nahrung aufzunehmen; er gehört also zu den Langschläfern. Im Verlauf des Winters verlieren Sie daher fast die Hälfte ihres Körpergewichtes. Um mit so wenig Energie auszukommen, werden alle nicht notwendigen Körpervorgänge „abgeschaltet“ und durch zusammenrollen des Körpers die Oberfläche möglichst klein gehalten; meist legen sich einige Siebenschläfer zusammen in ein Nest, damit vom einzelnen möglichst wenig Wärme abgegeben wird.

Nach dem Winterschlaf steht für den Siebenschläfer erst einmal die Nahrungsaufnahme im Vordergrund, um sein altes Gewicht wieder zu erreichen. Erst danach kann die Phase der Paarung beginnen. Bei einsetzender Paarungsbereitschaft beginnen die Männchen ihre Reviere durch Duftmarken zu markieren.

Fortpflanzung und Entwicklung
Mitte des Jahres im Juli paaren sich dann lautstark die Siebenschläfer. Die Tragezeit beträgt einen Monat. Das trächtige Weibchen beginnt sich abzusondern und baut an ihrem Nest in Bäumen oder kleinen Höhlen. Im August bringt es dann 5 - 7 Jungen zur Welt. Die Kleinen wiegen weniger als 5 g und nehmen in den nächsten Wochen extrem zu. Vor dem ersten Winterschlaf wiegen sie dann ca. 60 – 80 g  Sie können nach der Geburt nicht sehen, riechen oder hören. Erst im laufe der nächsten Wochen öffnen sich die Augen, Ohren etc. bald haben sie die Größe ihrer Eltern erreicht und streifen umher auf der Suche nach Nahrung. Bereits im nächsten Sommer sind sie fortpflanzungsfähig.

Die ersten Wochen ist die Körperpflege der jungen Siebenschläfer durch die Mutter sehr ausgeprägt, immer wieder werden die Jungen von ihr abgeleckt.

Das Männchen beteiligt sich nicht an der Brutpflege, sondern wenden sich weiteren brünstigen Weibchen zu.

Siebschläfer erreichen in der Natur ein Alter von ca. 6 bis 9 Jahren.

Feinde des Siebenschläfers sind vor allem nachtaktive Greifvögel wie Waldkäuze, Eulen etc. Wie das Eichhörnchen sind auch Siebenschläfer vom Baummarder bedroht. Aber auch Haus- und Wildkatzen machen ihm das Leben schwer. Im Winterschlaf ist eine lang anhaltende Kälte ebenso bedrohlich, wie auch Angriffe durch kleine Mäuse die an den schlafenden Tieren nagen können, bevor diese erwachen. Wie bei so vielen Tierarten ist es aber der Mensch, welcher durch Biotopzerstörung seine Lebensräume bedrohlich einengt.



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