Sandwespe

Gemeine Sandwespe (Ammophila sabulosa)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Familie: Grabwespen (Shecidae)
Gattung Sandwespen (Ammophila)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00095

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Einführung und Verbreitung
Die Grabwespen zeichnen sich alle durch in den Erdboden verlegte Nester aus. In diese werden dann rel. große Opfertiere eingebracht. Sie kommen fast auf der ganzen Welt vor; was dafür spricht dass sie sehr alt sind und schon vor der Bildung der Kontinente entstanden. Sie besitzen eine enge Verwandtschaft mit den Bienen.Von der Gattung der Sandwespen sind nur 3 Arten bei uns heimisch, dabei ist sie nicht selten, kommt aber immer nur in geringer Individuenzahl vor. Sie besiedelt das Flachland genauso wie Gebirge. Neben der gemeinen Sandwespe sind dies die Feldsandwespe und die Dreiphasen-Sandwespe. Im Mittelmeerraum sind noch mehr Arten zu sehen.Sie gehören zu den solitären Arten, welche allein ohne Sozialverband leben. Hierdurch unterscheiden sie sich von den bekannten Hautflüglern (z.B. Waldameisen, Wespen, Hornissen etc.), die immer in grossen Verbänden mit Aufgabenteilung leben. Typisch für solitäre Hautflügler ist die gemeinsame Verbringung von Eier und gelähmten Beutetiere im Nest.Die gemeine Sandwespe ist von Mai bis Oktober auf Sand oder trockenem, vegetationsarmen Boden zu entdecken. Ihre Hauptaktivität zeigt sie während der heissen Mittagstunden.

Sandwespe gräbt Loch
typische Ansammlung einzelner Neströhren

Körperbau und Ernährung
Bei der ersten Betrachtung der Sandwespen fällt der lange schmale Hinterleib an dem grazilen Körper auf. Der Hinterleib ist orange-rot und hat ein schwarzes Schlusslicht, der Rest des Körpers ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Der ganze Körper weisst eine leicht silbrige Behaarung auf. Die Körperlänge liegt zwischen 15 und 25 mm; die Weibchen sind etwas grösser als die Männchen. Die gemeine Sandwespe ist die größte der 3 heimischen Sandwespenarten.Die nötigen Grabarbeiten werden durch das erste Beinpaar ausgeführt. Um Sand auf die Röhre zu schaufeln dreht sich die Sandwespe um und schaufelt nach hinten. Weiterhin sind die ausgeprägten Mundwerkzeuge beständig im Grabeinsatz.Die Sandwespe ernährt sich selber von Nektar, welchen Sie von den Blüten aus dem Umfeld aufnimmt. Dies sind vor allem Thymian, Skabiosen, Weidenröschen oder Distelarten.

Sandwespen Sandwespe verschliesst Loch
Sandwespe beim Bau der Neströhre

Die Orientierung der Sandwespe erfolgt durch Wegmarken, welche sich die Sandwespe wie eine Landkarte einprägt. Sie nährt sich auch immer wieder von genau derselben Richtung aus dem Nest, weil sie sich von dort den Weg eingeprägt hat. Ist dieser Weg versperrt findet sie häufig das Nest nicht wieder.

Sandwespen bewegen sich niedrig über dem Boden fliegend fort. Nur schwere Objekte werden getragen. Sie sind sehr scheu und flink.

Sandwespe schleppt Raupe
Eine Raupe wird in die Röhre gezogen Sandwespe mit Raupe auf dem Weg zum Nest.
Foto: Bernd Bellmann

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung findet im Frühsommer statt. Danach trennen sich die Männchen von den Weibchen, welche die gesamte Brutpflege allein betreiben.Für den Nachwuchs gräbt die Sandwespe eine wenige Zentimeter lange und ca. 6 – 8 mm breite Röhre fast senkrecht in den festen Sandboden. Am unteren Ende entsteht dort eine kleine Brutkammer. Der Bau eines solchen Nestes geht rasant voran. Immer wieder verschwindet die Sandwespe im Boden und kommt wenige Sekunden später vollbeladen mit Sand und Steinchen blitzschnell rückwärts wieder hervor. Der Sand wird in kurzer Entfernung abgeworfen. Wegen des hohen Gewichtes der „Ladung“ wird zur Stabilisierung der Hinterleib im Flug nach oben gehalten. Nach ca. 2 Stunden ist die Röhre fertiggestellt und wird mit einem passenden Stein verschlossen und mit etwas Sand bzw. kleineren Steinen getarnt. Die Suche nach einem passenden Stein gestaltet sich meist schwierig und es ist beeindruckend zu beobachten, welche schwere Steine die Sandwespe transportiert.

Die Sandwespe erbeutet nun typischerweise eine Schmetterlingsraupe. Die Raupe wird zwischen den langen Beinen der Sandwespe zum Nest geschleppt. Mit der durch einen Stich gelähmten Raupe öffnet sie die Röhre und klettert hinein. Wenn alles unverändert ist, legt sie dort Eier ab und zieht die Raupe hinein. Danach wird die Röhre verlassen und erneut verschlossen. Da die Raupe nur gelähmt ist, kann sie als Nahrung in der Hitze nicht verderben. In den nächsten Tagen schlüpft die Larve und beginnt sich von der Raupe zu ernähren. Die Sandwespe schaut nun mehrmals nach dem Nachwuchs und bringt weitere Raupen hinein. So werden von einer Sandwespe immer mehrere Bodennester (Röhren) in meist unterschiedlichen Stadien individuell betreut. Für Insekten ist dies eine ungeheure geistige Leistung!

Nestverschluß mit größeren Steinchen

Die Aufzucht der Larven ist hochentwickelt und es findet z.T. eine echte Brutpflege statt. D.h. je nach Entwicklungstand der Larve werden weitere Beutetiere in das Erdloch eingebracht. Bei den oft eng aneinander liegenden Löchern ist es gut zu beobachten, wie die kleinen Larven immer den Kopf herausstrecken (Foto), um auf sich aufmerksam zu machen.Hier kann man gut den Unterschied zwischen Brutfürsorge und Brutpflege erkennen. Insekten mit Brutfürsorge geben dem Nachwuchs Nahrung mit in das Nest. Hingegen wird bei Insekten mit Brutpflegeverhalten die Nachkommenschaft durchgehend mit Nahrung versorgt.Nach einigen Tagen verpuppt sich die Larve und die Sandwespe verschließt die Röhre endgültig, so dass es von außen nicht mehr zu erkennen ist. Hierbei kann man hin und wieder beobachten, wie die Sandwespe den Boden mit einem kleinen Stein festdrückt. Dies ist umso erstaunlicher, da Insekten Werkzeuggebrauch üblicherweise nicht beherrschen.Im Spätsommer entsteht meist noch eine zweite Generation, bei entsprechend guter Witterung. Sonst schlüpfen die Sandwespen im nächsten Frühsommer.



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