Kegelrobbe

Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung:
Raubtiere (Carnivora)
Familie:
Seehunde syn. Hundsrobben (Phocidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00091

Alle Fotos: Sönke Morsch

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Einführung und Verbreitung
Die Robben gehören zu der Ordnung der Raubtiere. Die Raubtiere werden in die Unterordnungen der  Land- und Wasserraubtiere aufgeteilt. Die Wasserraubtiere (Pinnipedia) teilen sich wiederum auf in die Familien der Walrosse, Ohrenrobben und Hundsrobben, zu denen auch die Kegelrobbe gehört.

Die Kegelrobbe gehört wie auch der bekannte Seehund zu den Hundsrobben (Phocidae).

Die Hundsrobben werden in zwei Unterfamilien geordnet. Zum einen die echten Seehunde (Phocinae) zu denen auch die Kegelrobbe gehört und zum anderen die Mönchsrobben (Monachinae).

Wasserraubtiere sind fast immer recht groß, sie unterschreiten so gut wie nie die 100kg Körpergewicht. Dies ist ein Anpassung an das kalte Wasser, das Verhältnis Körpergewicht zu Oberfläche darf nicht zu ungünstig werden. Hier spielt auch der Blubber (Unterhautfettgewebe) eine wichtige Rolle.

Robben zeichnen sich weiter durch eine Umwandlung der Gliedmaßen in Flossen bei einem fast spindelförmigen Körperbau aus.

Im Gegensatz zu den Ohrenrobben besitzen die Hundsrobben keine äußeren Ohren und haben sich weiter von einem Leben auf dem Land entfernt. Entsprechend unbeholfen bewegen sie sich auch an Land, da sie (ähnlich wie die Seehunde) die Hintergliedmaßen nicht mehr unter den Köper bewegen können. Sie sind noch besser als die Ohrenrobben an das Leben im Wasser angepasst.

Kegelrobbe schwimmt

Anders als z.B. Wale sind die Robben noch nicht völlig unabhängig vom Land. Sie benötigen noch immer das Land für z.B. die Paarung, Geburt oder das Stillen der jungen Robben. Auch die Erholung in der Sonne spielt eine große Rolle.

Die Kegelrobbe kommt in der Ostsee und in beiden Teilen des Atlantiks vor. Alle drei Bestände sind vollständig voneinander getrennt. Der Gesamtbestand liegt unter 100.000 Tieren; in der Ostsee ist sie die häufigste Robbenart. In der Nordsee (Wattenmeer) ist die Kegelrobbe nur als Gast bzw. in kleinen Kolonien wie bei Helgoland oder Terschelling zu beobachten. In sehr vielen Ländern stehen die Kegelrobben unter Artenschutz. Nur in einigen nordischen Ländern darf die Kegelrobbe noch gejagt werden.

Kegelrobben ziehen felsige Küstenabschnitte als Lebensraum vor; ganz im Gegensatz zu den Seehunden, welche flache sandige Küsten bevorzugen. Beide Arten benötigen fischreiche Küstenabschnitte.

Körperbau
Kegelrobben sind relativ groß; die Männchen ca. 2 bis 2,5 Meter bei mehr als 250 kg, die Weibchen sind mit 2 Metern Länge und ca. 150kg Körpergewicht etwas kleiner. Sie sind also etwa doppelt so groß wie die Seehunde.

Das Gehör arbeitet sehr empfindlich und ermöglicht auch exaktes Richtungshören. Wie alle Hundsrobben besitzen sie keine ausgeprägten Ohren. Allerdings sind bei ihnen die Ohrenansätze deutlicher zu erkennen, als bei den anderen Arten der Hundsrobben.

Die Augen sehen nach vorn und oben, wobei die Hornhaut so entwickelt ist, dass nur unter Wasser optimales Sehen möglich ist. An Land sehen die Kegelrobben  nur unscharf.

Die Schnauze ist kegelartig verjüngt und hat der Art ihren Namen gegeben. Hieran sind die Kegelrobben gut erkennen. Das Fell ist in verschiedenen Graustufen gefärbt. Die Zeichnung ist bei den Männchen  heller als die Grundfärbung des Felles, bei den Weibchen ist sie dunkler. Die Körperunterseite ist jeweils heller gefärbt.

Die Zähne sind einfach gebaut und ermöglichen mehr das Festhalten bzw. Ergreifen der Beute, als ein systematisches Kauen. Ausgewachsene Hundsrobben besitzen etwa 32 Zähne.

Da die hinteren Flossen nicht unter den Körper reichen, wirken ihre Bewegungen an Land sehr unbeholfen. Unter Wasser jedoch entfalten sie dank der Hinterflossen eine elegante Geschicklichkeit und Geschwindigkeit (mehr als 30 km/h), die Vorderflossen dienen dann mehr der Steuerung.  Die Hintergliedmaßen zeigen nach hinten und sich durch starke Schwimmhäute verstärkt.

Der Hals ist kurz und geht wenig beweglich in den Rumpf über, da er sonst bei dem Antrieb durch die Hinterflossen stören würde.

Das Fell besitzt fast keine Unterwolle, wärmt also nicht besonders gut. Die Isolierung gegen die Kälte des Wassers erfolgt vielmehr durch eine dicke Unterhautspeckschicht, den sogenannten „Blubber“.

Kegelrobbe Paar

Verhalten und Ernährung
Die Kegelrobbe ernährt sich von Fisch. Ihr Jagdrevier liegt nahe bei der Küste. Vor allem Dorsch, Hering, Plattfische etc. werden von ihr gejagt. Aber auch Garnelen oder Schnecken werden nicht verschmäht. In den gemeinsamen Lebensräumen mit dem Seehund stehen die beiden Arten in Nahrungskonkurrenz zueinander. Eine ausgewachsene Kegelrobbe benötigt ca. 6 kg Nahrung am Tag. Kegelrobben sind sehr agressiv, so dass auch Robbenjäger angefallen werden.

Tauchen
Für lange Tauchgänge spielt die hohe Menge Blut im Verhältnis zum Körpergewicht (fast dopplet so viel wie beim Menschen) und deren extreme Sauerstoffbindung durch den hohen Gehalt an Myo- bzw. Hämoglobin eine zentrale Rolle. Zudem wird beim Tauchen die Blutversorgung des Körpers auf ein Minimum herabgefahren. Die Ohren  können während des Tauchvorganges durch Muskelanspannung geschlossen werden.Sie können bis 300m tief tauchen, wobei sich ihre Tauchtiefe für die Nahrungssuche meist auf Tiefen bis 100m beschränkt. Auf ihren Wegen zur Nahrungssuche sind sie überwiegend tauchend unterwegs.

Fortpflanzung und Entwicklung
Zur Fortpflanzung suchen sie felsige Gebiete auf. Sie sammeln sich in großen Scharen. Die Männchen („Bullen“) richten sich große Reviere ein und bilden Harems aus bis zu 7 Weibchen. Die Paarungsgründe sind in aller Regel nicht identisch mit ihren Jagdgründen. Zwischen den Männchen entbrennen heftige Kämpfe um die besten Plätze. Die Tragzeit liegt knapp über 11 Monaten, wovon fast 3 Monate Keimruhe sind. Die Ostseerobben gebären im Februar am Eisrand. Die Jungtiere wiegen ca. 15 kg nach der Geburt und werden gut 3 Wochen gesäugt, in denen sie schnell Gewicht ansetzen. Sie besitzen ein weisses, wolliges Fell in den ersten Lebenswochen.

Sie werden auf felsigen Abschnitten geboren, welche nicht vom Wasser erreicht hat werden. Dies ist wichtig, da ihr weisses Fell noch nicht schwimmtauglich ist. Erst nach ca. einem Monat verliert die junge Kegelrobbe das weisse Fell und erobert das Wasser für sich. Das helle Fell gefährdet die jungen Kegelrobben sehr, so dass die Vermutung nahe liegt, dass es noch ein Relikt aus der Zeit ist, in der die jungen Robben ausschließlich auf dem Eis lagen.Die Jungen entwickeln sich sehr schnell; jeden Tag nehmen sie fast 2 kg zu, so dass sie nach 3 Wochen mehr als 50 kg wiegen. Die Mütter erkennen ihre Jungen an dem Geruch und ihren Stimmen.Im folgenden Herbst wechseln die jungen Kegelrobben nochmals ihr Fell.Sie die Jungtiere abgesäugt werden die Weibchen wieder brünstig.Kegelrobben können bis zu 35 Jahre alt werden.

Feinde
Der Mensch ist der größte Feinde der Robben. Fell, Fett und Fleisch werden verarbeitet. Natürliche Feinde hat die Kegelrobbe fast nur in Haien oder Schwertwalen, da sie am Ende der Nahrungskette steht. Dies wiederum führt zu einer starken Anreicherung von Giftstoffen (z.B. organische Chlorverbindungen) im Fettgewebe.



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