Seepocke

Gemeine Seepocke (Semibalanus balanoides)

Familie: Seepocken (Balanidae)
Rankenfußkrebse (Cirripedia)
Klasse: Krebse (Crustacea)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00083

► mehr Tiere


Einführung und Verbreitung
Die Seepocken, von denen in Deutschland nur wenige Arten heimisch sind, kommen an vielen Gewässern vor. Die gemeine Seepocke ist die in Deutschland am weitesten verbreitete Seepockenart. Insbesondere an den Küsten mit Gezeiten können wir sie gut beobachten.

Die Verbreitung von Seepocken erfolgt in heutigen Zeiten vor allem über die Besiedelung von Schiffsrümpfen, so dass sich die heimischen Seepocken beständig der Konkurrenz aus z.B. Australien und Neuseeland ausgesetzt sehen.

Zunächst braucht man eine ganze Zeit, um zu erkennen, dass man kleine Kebse vor sich hat. Den nur die Larven besitzen noch typische Krebseigenschaften.

Die Rankfüsser haben ihre Lebensweise komplett auf eine festsitzende Lebensweise umgestellt. Eine einmal getroffene Entscheidung für einen Lebensraum kann dabei nicht wieder korrigiert werden. Sie besiedeln vorzugsweise Umgebungen mit ausreichend Strömung. Die besiedelten Grundlagen können sowohl tote Objekte (Boote, Pontons oder Steine), als auch lebende Objekte wie z.B. Strandkrabben oder Muscheln sein.

Sie treten immer in großen Beständen auf.

Seepocke auf Miesmuschel

Körperbau
Ihr Weichkörper ist umgeben von 6 kleinen Kalkplättchen, welche eine symmetrische Mauerkrone bilden. Die unregelmäßigen Plättchen sind weißlich bis hellgrau und oftmals an den Rändern ausgefranst. An der Öffnung befinden sich 2 Paar Verschlussdeckelchen, mit deren Hilfe die Seepocken sich vor Austrocknung schützen können. Eine Luftatmung ist bei trockener Umgebung trotzdem möglich. Mit verschlossenen Deckeln können sie tagelang aushalten und auch größere Schwankungen im Salzgehalt des Wasser gut ertragen. Nur so können sie auch in der Spritzwasserzone gut überleben.

Nach unten schließ sich am Kopf eine Kalkplatte an, welche fest auf dem Untergrund haftet. Alle Extremitäten sind in Fangarme (-beine) umgewandelt. Der Anheftungsteil ist verkürzt und von außen (im Gegensatz zu z.B. den Entenmuscheln) nicht sichtbar.

Der Durchmesser liegt meist zwischen 1 – 1,5 cm.

Ernährung
Zur Ernährung haben die Seepocken einen engmaschigen Korb gebildet, durch den regelmäßig Wasser hindurchgestrudelt wird. Aus diesem Wasser werden kleine Mikroorganismen und Schwebepartikel als Nahrung entnommen. Bei Ebbe wird der Korb verschlossen, im Wasser jedoch strecken sie ihre kleinen Fangfüsse hervor. Mit den feinen Haaren an den Fangfüssen bilden sie eine Art Siebtrichter.

Fortpflanzung
Alle Seepocken sind Zwitter, können sich jedoch nicht selber befruchten. Ein Geschlechtspartner muss also in „Reichweite“ sein. Ihr Penis besitzt daher knapp die doppelte Körperlänge, was kaum ein anderes Tier erreicht. Durch ihr Zwitterdasein können sich Seepocken gegenseitig befruchten und damit die Bestände sichern. Die Eier verbleiben im Kalkpanzer. Die Laven sind später auch umgeben vom einem kleinen Panzer und heften sich im Frühjahr, nach verlassen des Gehäuses als Naupliuslarve (1. Larvenstadium) und Umwandlung in die Cyprislarve nach einigen Wochen im Wasser kopfüber am Substrat fest und zementieren sich ein. Nach der Anheftung dreht sich die Seepocke quasi um, so dass der Rücken dem Grund zugewandt ist (dies ist vergleichbar mit den Kelchwürmern).

Bevorzugt heften sich die Larven an Muscheln an, um von dem spülenden Wasser zu profitieren. Über mehrere Häutungen innerhalb der Kalkmauern wachsen dann die Seepocken heran. Die Wachstumsgeschwindigkeit wird stark von der Wassertemperatur, dem Überspülungsgrad und natürlich dem Nahrungsangebot bestimmt. Die Entscheidung der jungen Larve für einen bestimmten Platz ist für das spätere Überleben entscheidend, verständlich dass dann bereits vorhandene Seepocken als starker Anreiz zur Besiedelung wirken. Sie signalisieren der Seepocke eine feindarme und nährstoffreiche Umgebung. Zudem müssen ja Geschlechtspartner in dichter Nähe vorhanden sein.

Feinde
Seepocken sind von Krebsen, Seeigeln und Schnecken bedroht. In kalten Wintern sind häufig Meerstrandläufer, Austernfischer und Steinwälzer zu beobachten, wie sie Seepocken von Steinen aufnehmen.

Seepocken als Schiffsschädlinge
Die Aussenwände der Schiffe werden sehr stark von Seepocken besiedelt. Hierdurch verringert sich ihre Fahrgeschwindigkeit und es wird der Rostschutz z.T. stark angegriffen. Die regelmäßige Beseitigung und der Neuanstrich verursachen hohe Kosten für die Schiffahrt. Daher wurden zunehmend so genannte Antifouling Anstriche (Antihaft – und Selbstpolieranstriche) verwendet. Diese belasten die Meere über Gebühr und reichern sich häufig über Jahrzehnte an.

Aus diesem Grund ist eine Ächtung von TBT (Zinnorganischen Anstrichen) erlassen worden, die bis 2008 den Neuanstrich und danach gänzlich das Vorhandensein von TBT an Booten verbietet.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Seepocke

Natur-Lexikon.com