Winterlibelle

Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie:
Teichjungfern (Lestidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00082

► mehr Libellen


Einführung und Verbreitung
In Europa sind zwei Winterlibellenarten heimisch. Die eher häufige gemeine Winterlibelle und die sehr seltene sibirische Winterlibelle.

Die gemeine Winterlibelle ist in ganz Mitteleuropa (meist in Flusstälern) verbreitet, stellenweise ist sie jedoch auch bereits sehr selten geworden; in Nordeuropa fehlt sie völlig. Die Winterlibellen bevorzugen kleine, dicht bewachsene, stehende Gewässer (auch Fischteiche), Torfstiche oder langsam fließende Altarme. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im europäischen Mittelmeerraum.

Die Ausbreitung wird begrenzt durch bestimmte klimatische Grundvoraussetzungen. Zum einen muss das Frühjahr stabil und warm sein, zum anderen muss im Sommer für die Larven genug Futter und ausreichend hohe Temperaturen für die schnelle Entwicklung gegeben sein. Es sind also vor allem die wärmebegünstigten Flachgebiete mit trocknem Klima, wo sie anzutreffen ist.

Auch an Fischenteichen, die im Winter abgelassen werden kann sie gut leben, da sie in der Trockenphase nicht an das Wasser gebunden lebt (Reifephase). Die Reproduktionsgewässer sollten idealerweise eine Nähe zu Gehölzen aufweisen, sich bei Sonnenschein schnell erwärmen und möglichst den ganzen Tag in der Sonne liegen.

gemeine Winterlibelle
Foto: Thomas Kirchen

Als Ruhehabitat werden Busch- Baumbereiche gewählt, die noch viele braune bzw. vergilbte Blätter aufweisen, da sie dort ideal getarnt sind. Die Winterlibellen sind die einzigen Libellen, welche einen Großteil ihrer Lebenszeit als Imagino kältebedingt abseits der Gewässer verbringen.

Sie gehört zu den wenigen Insekten (und einzigen einheimischen Libellen), welche den Winter vollentwickelt überleben. Sie suchen im Herbst Stellen weitab der Gewässer auf, wo sie frei sitzend auf Zweigen oder braunen Halmen überwintern. Sie werden dabei auch von Raureif oder Schnee überzogen. Kälte macht ihnen nichts aus, jedoch ziehen sie sich bei strengem Frost in die untere Vegetation zurück. Sobald die ersten warmen Tage einsetzen, wandern sie wieder zu ihrem Gewässer zurück. An sehr warmen Februartagen kommen sie bereits kurz heraus um kleine Mücken zu jagen, ziehen sich aber schnell wieder zurück.

Winterlibelle Eieinstich

Körperbau
Der Körper ist hellbraun gefärbt und dunkelbraun gezeichnet. Auf dem Hinterleib finden sich dunkle lanzettliche (nach vorn zugespitzte) Flecke. Der Thorax weist zwei schräge, braune Längsbinden auf.

Aufgrund ihrer braunen Färbung ist sie schwer im Frühjahr am welken Laub zu entdecken.

Sie kann leicht mit der sibirischen Winterlibelle verwechselt werden. Am besten können die beiden Arten durch den oberen Thoraxstreifen unterschieden werden, welcher bei der sibirischen Winterlibelle stark ausgebuchtet ist. Der Hinterleib (Abdomen) weist auf jedem Element einen länglichen dunklen Fleck auf.

Das Pterostigma (Flügelmal) ist hellbraun gefärbt und erstreckt sich über 2 Zellen. Auffällig ist auch, dass sie im Gegensatz zu den anderen Teichjungfern ihre Flügel über dem Hinterleib ganz zusammenklappen. Im Frühjahr zur Paarungszeit verdunkeln sich die Körper und die Augen färben sich oben bläulich (Augenfleck). Die Färbung und Zeichnung der Weibchen stimmt gänzlich mit den Männchen überein.

gemeine Winterlibelle nah

Ernährung und Verhalten
Winterlibellen sind erst ab dem späten Vormittag am Gewässer anzutreffen; Paarungen und Eiablagen haben gegen Mittag ihren Höhepunkt. Ab dem Nachmittag werden sie an den Gewässern bereits deutlich seltener. Sie sind ruhige Libellen, die wenig fliegen und aufgrund ihrer Färbung nur schwer zu entdecken sind.

In Ruhestellung liegen die Flügel zur sonnenabgewandten Seite, damit sich der Hinterleib stärker erwärmen kann.

Fortpflanzung und Entwicklung
Anders als bei anderen Kleinlibellen, erfolgt die Tandem-Eiablage horizontal (Foto), d.h. dass Männchen steht nicht auf dem Thorax des Weibchen, sondern hält sie nur fest.

Die endophytische Eiablage erfolgt im April und Mai in horizontal wachsende Wasserpflanzen hinein.

Für die Eiablage werden Gewässerbereiche mit hohen Wassertemperaturen gewählt, damit sich die wärmebedürftigen Larven später schnell entwickeln können. Das Weibchen taucht zur Eiablage nur mit dem Hinterleib ein, nicht mit dem ganzen Körper. Paarungen und Eiablagen setzen erst ab 16-19 Grad Lufttemperatur und genug Sonne ein.

Im Hochsommer und Spätsommer sind keine Paarungen oder Eiablagen mehr zu beobachten.

Bis zum Juli haben die Larven sich entwickelt und ab Ende Juli bis Mitte August schlüpft schon die nächste Generation. Die Larven leben an Pflanzenteilen unter Wasser, meist kurz unter der Wasseroberfläche (z.B. an Blattunterseiten schwimmender Wasserpflanzen).

Der Schlupf findet früh am Morgen an den Reproduktionsgewässern statt.

Die Reifezeit dauert fast 6 Monate, d.h. erst im folgenden Frühjahr sind die Winterlibellen geschlechtsreif. Ab September verstreuen sich die Imagines schon ins Umfeld und werden nicht mehr an den Teichen gesehen. Sie sind die einzige Art die Überwinterungshabitat benötigt. Meist handelt es dabei um windarme Waldränder oder Lichtungen in Gewässernähe.

Die gemeine Winterlibelle fliegt in zwei Flugperioden von August bis in den November und im folgenden Jahr von März bis in den Mai hinein. Die Hauptflugzeit liegt im Frühjahr, wo sie bis zum Schlupf der frühen Adonisjungfer die einzige Libelle an den Teichen darstellt. In Südeuropa fliegen die letzten Libellen bis in den Juni und Anfang Juli schlüpft bereits die nächste Generation; d.h. die Winterlibellen-Saison ist dort fast ganzjährig.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Gemeine Winterlibelle

Natur-Lexikon.com