Wespe

Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Familie: Feldwespen (Vespidae)
Unterfamilie Papierwespen
syn. echte Wespen (Vespinae)
Gattung Kurzkopfwespen (Vespula)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00081

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Alle bei uns heimischen typischen „Wespen“ gehören zu den Papierwespen. Sie haben einen verkürzten Hinterleib und bilden einjährige Nester aus „Holzpapier“, was ihnen ihren Namen gegeben hat.

Die gesellige und soziale Lebensweise der Hautflügler (Wespen, Bienen und Ameisen) mit ihren Staatenbildungen und großen Nestern hat zu komplexen Verhaltensweisen und großen evolutionären Vorteilen geführt. Die gemeine Wespe gehört zu den bekanntesten Hautflüglern, neben der Waldameise, Honigbiene und Hornisse.

Von April bis in den Oktober kann die gemeine Wespe in ganz Mitteleuropa beobachtet werden.

Im April ist zunächst die Königin aktiv, ab Juni kommen die Arbeiterinnen dazu und ab dem Spätsommer (August bis Oktober) können die Männchen und neue Königinnen gesichtet werden.

Neben der deutschen Wespe ist sie die häufigste Wespe hierzulande. Sie bevorzugt offenes, trockenes Gelände. Wärmeinseln werden besonders gern besiedelt.

Wespe bei Holzbeschaffung
Holzsammlung für den Nestbau

Körperbau
Die Königin kann bis zu 20 mm Körperlänge erreichen, die Arbeiterinnen bleiben mit max. 14 mm deutlich kleiner. Die im Spätsommer schlüpfenden Männchen sind auch deutlich größer als die Arbeiterinnen. Die Augen weisen typische, gelbe Ausbuchtungen an den Innenrändern auf. Der Kopfschild besitzt einen breiten schwarzen Längssteifen.

Von einer Hornisse kann die gemeine Wespe gut unterschieden werden. Zum einen ist sie viel kleiner und leuchtend gelb gefärbt und zum anderen sind Kopf und Thoraxt hornissenartig rötlich gefärbt.

Die Fühler bestehen (wie bei vielen Hautflüglern) aus einem großem Fühlerschaft und der Fühlergeißel, welche aus vielen kleinen Gliedern besteht. Die Fühler dienen neben dem Tastsinn auch dem Geruchssinn.

Von der deutschen Wespe lässt sich die gemeine Wespe durch die Kopfzeichnung sicher unterscheiden.

Wespe Nestbau

Während sich die Imagines vorwiegend vegetarisch von Nektar oder Pflanzensäften ernähren, werden die Larven mit tierischen Futter versorgt, welches bereits als Brei vorbereitet wird. Bei ihrer Suche nach süßen Pflanzensäften treffen sie immer wieder auf Menschen bei Kaffee und Kuchen und lassen sich nur schwer von der wahrgenommen Nahrung vertreiben. Früchte werden nur angebissen und die austretenden Fruchtsäfte werden aufgeleckt. Zurück am Nest wird die Nahrung weitergegeben bzw. wieder herausgewürgt. Die Larven geben auf Berührungsreiz einen stark zuckerhaltigen Flüssigkeitstropfen ab. Bei Schlechtwetterphasen dienen die Larven, welche sonst das ganze Futter erhalten auch als Nahrungsreserve in Form dieser Zuckerflüssigkeit. Dies ist besonders wichtig, da Wespen keine eigenen Nahrungsvorräte anlegen. Für die Larven stellt dies die einzige Möglichkeit dar, überschüssige Flüssigkeit abzugeben.


Der Stachel hat sich historisch aus der Eiablagevorrichtung entwickelt, insofern besitzen auch nur die Weibchen einen Stachel. Wespen sind recht aggressiv und häufig unberechenbar, insbesondere wenn man sich unbeabsichtigt ihrem Nest nähert.

gemeine Wespe
Die ersten kleinen Eier sind bereits abgelegt.

Fortpflanzung und Entwicklung
Nach 2 – 3 Wochen der Nahrungsaufnahme (z.B. Nektar blühender Weiden) und Suche nach einem verborgenen Platz, baut die befruchtete Königin ihr eigenes, neues Nest. Streng genommen ist die Königin noch gar nicht befruchtet, sie hat den Spermienvorrat aus dem letzten Herbst in einer Samentasche gesammelt und befruchtet die Eier kurz vor der Eiablage selber. In dieser Phase ist sie ganz auf sich allein gestellt. Dort legt sie Eier ab und füttert später auch die Larven mit einem Brei aus gefangenen Insekten. Zunächst sind es nur 10 – 20 Brutzellen umgeben von einer kleinen Glocke, die von ihr betreut werden (Foto). Jede Kammer wird einzeln verschlossen und dient einer Larve als Lebensraum.

Kopfüber entwickeln sich die Larven und geben nach der Fütterung einen Tropfen Flüssigkeit ab, die u.a. zur Ernährung der Königin dient. Die Larven wachsen schnell heran und verpuppen sich nach ca. 3 Wochen. Um keine Fäulnis zu erzeugen geben die Larven keinen Kot ab. Erst bei der Umwandlung zur Puppe wird der gesammelte Kot freigegeben.

Die erste Generation schlüpft nach ca. 20 Tagen Verpuppung und besteht ausschließlich aus unfruchtbaren Arbeiterinnen. Die Königin gibt nun alle Arbeiten an die Arbeiterinnen ab und kümmert sich nur noch um die Fortpflanzung.

Wespe

Die Anzahl der Arbeiterinnen wächst rasch und mit ihnen die Nestgröße, welches von den Arbeiterinnen stets vergrößert wird. Durch die immer bessere Versorgung der Larven schlüpfen jetzt auch fruchtbare Weibchen und beginnen ohne Befruchtung Eier abzulegen, aus denen dann Männchen schlüpfen. Diese besondere Nahrung zur Aufzucht von Königinnen wird bei den Bienen Gelée Royale genannt und auch als Stärkungsmittel vertrieben; die Nahrung bei Wespen ist weniger erforscht, aber man vermutet analoge Vorgänge. Aber auch die Königin beginnt z.T. unbefruchtete Eier abzulegen. Bei Hautflüglern schlüpfen immer aus den unbefruchteten Eiern Männchen. Nach der folgenden Paarung sterben die Männchen. Allerdings streuen die Männchen auch ein wenig umher, um sich mit „fremden“ Königinnen zu paaren, dies ist notwendig um Inzucht zu vermeiden. Zu dieser Zeit stirbt auch die alte Königin und Chaos greift im Wespennest um sich. Die Brutpflege wird reduziert und der Wespenstaat zerfällt. Die befruchteten Weibchen suchen einen Platz, um den Winter zu überleben. Nach dem Winter werden sie zur neuen Königin, um ein neues Nest zu bauen. Allerdings überleben nur wenige Wespen den Winter und von diesen schaffen es nur einige die kritische erste Nestbauphase zu überstehen. Besonders Schlechtwetterphasen im Mai / Juni lassen sie schnell zugrunde gehen.

Wespen Larven
Nach einigen Wochen sind Larven und Puppen im Nest zu sehen.

Nest
Das Wespennest ist meist unterirdisch angelegt und man kann die Wespen an einem geschützten Fleck im Boden verschwinden sehen. Hin und wieder wird aber auch ein Baum oder Schuppen (wie auf den Bildern) zum Nestbau genutzt. Dann wird das Nest an der Decke befestigt. Als Baumaterial wird zerkautes, mit Speichel vermischtes, weiches Holz zu einer Art Papier umgewandelt und zum Nestbau genommen. In besiedelten Gebieten kann man häufig Wespen an den Holzzäunen sehen, wie sie Holz zum Nestbau mit ihren Kauwerkzeugen abkratzen. Durch die unterschiedlichen Holzsorten wirkt das Nest stark streifig. Ist das Nest noch klein (Taubeneigröße), werden die Waben nebeneinander angelegt. Mit zunehmender Größe (ca. 30 cm Durchmesser) werden dann neue „Wabenebenen“ angehängt. D.h. das Wespennest ist nie statisch, es befindet sich im ständigen Umbau. Es können ca. 10 Ebenen in einem Nest werden. Im Nest herrscht immer eine konstante Temperatur von ca. 30 Grad. Bei Kälte erzeugen die Wespen durch schnelles Flügelschlagen Wärme und bei Wärme bringen sie kleine Wassertropfen herbei, welche sie auf den Waben verdunsten lassen. Zudem ist im Nest immer eine ausgeklügelte Belüftung eingebaut. Der Wespenstaat kann dann aus bis zu 6.000 bis 8.000 Individuen bestehen. Natürlich werden die einzelnen Waben mehrfach hintereinander genutzt und sehen im Hochsommer entsprechend schmutzig aus.. Im Herbst sterben nach und nach die Arbeiterinnen und das Nest wird immer leerer, bis es ganz verlassen ist.



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