Blaue Federlibelle

Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes)
syn.
gemeine Federlibelle

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie:
Federlibellen (Platycnemididae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00080

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Einführung und Verbreitung
Die blaue Federlibelle ist über ganz Mitteleuropa verteilt. In den nördlichen Bereichen fehlt sie z.T.

Sie ist die einzige in Deutschland heimische Federlibellenart und gehört zugleich zu den häufigsten Libellen Deutschlands. Sie besiedelt bevorzugt klimatisch warm gelegene, windarme Flachlandbereiche (selten Küstengebiete, wegen des Windes). Nur selten siedelt sie im Gebirgsraum und dann auch nicht höher als 500 – 700 Meter.

Sie besiedelt typischerweise die Flusslandschaften von Auen und ihren Seitenarmen. An langsam fließenden Kanälen und Teichen oder anderen größeren Stillgewässern ist sie ebenfalls anzutreffen. Auch an Fischteichen in Reihe mit Überläufen zu den nächsten Teichen habe ich sie sehr oft beobachten können. Überhaupt scheint sich die blaue Federlibelle an Fischgewässern besser durchsetzen zu können, als andere Arten. Sie tritt häufig vergesellschaftet mit der großen Pechlibelle, der Weidenjungfer und der frühen Adonisjungfer auf. Bewachsene Ufer werden von ihr bevorzugt besiedelt, völlig zugewachsen hingegen dürfen die Gewässer nicht sein. Sie im Umfeld benötigt ein Gemisch verschiedener Strukturelemente.

Federlibelle Eiablage

Häufig ist die blaue Federlibelle auch einige hundert Meter vom Gewässer entfernt in sonnigen Gebüschen anzutreffen. Zur Reifung, Ruhe und auch Jagd werden Gelände mit Hochstrukturen bevorzugt. Das Mähen von Ufergras führt meist zum verschwinden dieser Art, da deckungslose Fläche gemieden werden. Bedingt durch ihre schwachen Flugfähigkeiten werden sie hier schnell zu Opfern von Vögeln.

Aufgrund ihrer Vorliebe für Waldgebiete, wurde sie früher auch als „Waldlibelle“ bezeichnet. Gewässer mit Bäumen an Uferrand, welche ein bestimmtes Mikroklima erzeugen, werden bevorzugt angeflogen.

An heissen Tagen halten sie sich dort auch im Halbschatten gern auf. Zudem bevorzugen ihre Larven einen mit Laub versetzen Bodenschlamm.
Obwohl sie eine typische Massenart ist, gehen die Bestände zurück. In einigen Bundesländern steht die blaue Federlibelle bereits auf der Vorwarnliste. Ihre Verbreitung verläuft entlang von Fließgewässern; an isolierten Teichen tauchen sie nur extrem selten auf. Sie ist meist ortstreu und zur Fortpflanzung auf die besiedelten Gewässer angewiesen.

Federlibelle Tandem

Körperbau
Die schwarze Zeichnung ist bei jungen Federlibellen kaum ausgeprägt, daher können sie leicht mit der weißen Federlibelle verwechselt werden, welche allerdings bislang noch nicht in Deutschland nachgewiesen wurde.

Ihre Flügelspannweite beträgt 4 – 5 cm, bei 3,5 – 4 cm Körperlänge.

Die blaue Federlibelle ist ein schlechter Flieger und sitzt sehr häufig. Sie kennt keine Reviere und auch die Kämpfe um die Weibchen werden nur mit den breiten Beinschienen angedeutet.

Diese auffälligen Schienen der mittleren und hintern Beine sind verbreitert und stark abgeflacht. Sie werden bei der Paarsuche und dem Imponiergehabe gegenüber anderen Männchen eingesetzt.

gemeine Federlibelle

Die Körperfarbe der Männchen ist hellblau, am Thorax mit einem leichten Grünstich, während die Beine fast weiß sind. Die Weibchen weisen eine helle Grünfärbung auf. Die typischen schwarzen Zeichnungen auf dem Hinterleib (zwei sich verbreiternde Längsstreifen) sind nur bei den adulten Federlibellen sicher zu erkennen.
Häufig fehlen ihnen einzelne Beine, die an einer „Sollbruchstelle“ schnell abbrechen können, wenn sie z.B. in einem Spinnennetz hängen bleiben. Oftmals verlieren sie bereits beim Schlupf einzelne Beine.

Ernährung und Verhalten
Erst gegen frühen Mittag kann man die blaue Federlibelle an unseren Teichen beobachten. Die höchste Paarungsaktivität wird in den heissen Mittagsstunden verzeichnet. Die Eiablagen in Großgruppen sind dann in den Nachmittagsstunden gut zu verfolgen.
Zur Übernachtung und Ruhe zieht sich die blaue Federlibelle in hohes Gras oder Röhrichtbestände zurück.

Federlibelle frisch geschlüpft
Federlibelle frisch geschlüpft

Fortpflanzung und Entwicklung
Oftmals sieht man die blaue Federlibelle im Tandem fliegen.

Aus der Tandemhaltung kann geschlossen werden, ob die Paarung noch bevorsteht oder bereits stattgefunden hat. Steht die Paarung bevor, hält sich das Männchen am Substrat fest und das Weibchen hängt frei nach unten. Ist die Paarung abgeschlossen sitzt das Weibchen auf dem Substrat und das Männchen „steht“ auf dem Weibchen (Foto), ähnlich wie später auch die Eiablage erfolgt.

Das Männchen kann so die Umgebung auf herannahende Feinde kontrollieren, sowie auch das Weibchen gegen andere Männchen schützen. Bei anderen endophytisch Ei-ablegenden Libellenarten kommen die Weibchen oft kaum zur Eiablage, da sie oft von Männchen oder anderen Libellenarten gestört werden. Dies gilt vor allem auch für das Weibchen der großen Königslibelle.

Die Radbildung der Federlibellen gelingt oft erst nach vielen Anläufen; die Paarung dauert ca. 15 – 60 Minuten.

Für die Suche nach einem geeigneten Eiablageplatz spielen bereits eiablegende Paare eine anziehende Rolle und zeigen eine feindarme Umgebung auf. Zudem verringert sich das eigene Risiko in einer größeren Gruppe entsprechend der Gruppengröße von einem Feind erwischt zu werden. So kommt es, dass oft bis zu 30 Paare auf engstem Raum ihre Eier ablegen. Die durchschnittliche Eiablage dauert ca. 2-3 Stunden an, bei einer Einstechrate von ca. 6 – 8 stiftförmigen Eiern pro Minute.

Die Eiablage erfolgt endophytisch in die feuchten Pflanzenteile (Blatt- und Blütenstengel) hinein. Dabei wird immer die Tandemstellung eingenommen, wobei das Weibchen nicht unter Wasser taucht.

Die Weibchen können sich im Verlaufe ihres Lebens immer neu paaren und Eier ablegen. Dazu müssen sie in den Pausen große Mengen Nahrung zur Eiproduktion aufnehmen.

Nach 2 bis 6 Wochen (je nach Temperatur) schlüpfen die Larven aus den Eiern. Nach einigen Häutungen überwintern dann die Larven. Die Imagines schlüpfen im folgenden Frühjahr/Sommer.

Die Larven leben meist auf dem Bodenschlamm in Stillgewässern. In Strömungsgewässern suchen sie ruhige Zonen mit üppigem Pflanzenbewuchs auf. Zur Not können sich die Larven mit ihren kräftigen Beinen auch in der Strömung gut festhalten. Der ph-Wert der Gewässer hat keinen nennenswerten Einfluß auf die Verbreitung bzw. Besiedelung. Das Gewässer sollte gut durchlüftet sein und eine hinreichende Vegetation besitzen. Die Larven sind an die Existenz von Fischen angepasst, sie bewegen sich nur sehr langsam im Wasser und werden dadurch von den Fischen nur schwer entdeckt.

Die Schlupfperiode beginnt Ende April und dauert bis Anfang Juni. Der Schlupf findet verdeckt in hohem Gras/Schilf nahe dem Gewässer statt. Wobei die früh schlüpfenden Federlibellen deutlich schwerer (ca. 20%) und langlebiger, als die später im Jahr schlüpfenden Federlibellen sind.

Die Reifephase verbringen die jungen Federlibellen an naheliegenden Ruderalflächen. Zur Nahrungssuche nutzen sie Röhrichte, Waldlichtungen und –säume.

Man kann die blaue Federlibelle von Mitte Mai bis in den September (selten Oktober) beobachten. Ihr Verbreitungshöhepunkt liegt in den Monaten Juni und Juli. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei ca. 3-4 Wochen, wobei die ersten 1 - 2 Wochen bis zur Geschlechtsreife vergehen. In diesen ersten Wochen entstehen auch die typischen schwarzen Muster auf dem Körper.

Feinde
Wie bei fast allen Kleinlibellen sind es die Vögel, Frösche, Großinsekten und Spinnen welche die adulten Federlibellen jagen. Insbesondere die Vögel dezimieren die Bestände erheblich. Beim Schlupf werden sie auch häufiger von Kleininsekten wie z.B. Ameisen angegriffen, ohne sich wehren zu können und dann lebendig verspeist. Bei der Eiablage werden sie auch gelegentlich Opfer des Rückenschwimmers welcher sie ins Wasser zieht.



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