Totengräber

Schwarzhörniger Totengräber (Nicrophorus vespilloides)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera )
Familie:
Aaskäfer (Silphidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00078

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Einführung und Vorkommen
Der Totengräber ist eines der bekanntesten und zu gleich wichtigsten Insekten Europas. Die Leichenbestatter der Kleintierwelt versehen wichtige Aufgaben in der Natur. Wir finden den gemeinen Totengräber über ganz Europa und Asien verteilt. Er kommt in meist offenem Gelände vor, höhere Lagen meidet er.

Körperbau
Sein Köper ist 10 – 20 mm lang und auf den Flügeldecken orange-schwarz gezeichnet. Die Flügelenden schauen unter den Flügeldecken hervor. Das Halsschild ist schwarz mit einem glatten Rand. Bei Berührung stoßen sie einen nach Ammoniak riechenden Abwehrstoff aus. Sie besitzen große bewegliche Mundwerkzeuge. Die Fühler besitzen am Ende verdickte schwarze Fühlerkeulen.

Totengräber Paarung
Selbst bei der Paarung sind die Milben allgegenwärtig

Verhalten und Ernährung
Vom Verwesungsgeruchs toter Kleinsäuger werden sie angelockt. Am Aas angekommen, "sterzeln" die Totengräber. Dazu führen sie mit hochgereckten Hinterleib windende Bewegungen aus. Dadurch werden chemische Duftstoffe freigesetzt, die weitere Totengräber anlocken.

Neben den Totengräbern erscheinen noch Totenfreund und rothalsige Silphe bei der Leiche. Zunächst findet ein ausgiebiger Leichenschmaus statt. Danach nehmen Männchen und Weibchen der Totengräber über ihre Fühler Kontakt auf. Die Paarung vollzieht sich direkt im Anschluß. Waren bislang Artgenossen noch geduldet, entbrennt nun ein Kampf um den Tierkadaver. Dieser Kampf dauert so lange, bis nur ein Paar Totengräber überlebt, bzw. noch an der Leiche ist.

Der Kadaver wird nun innerhalb weniger Stunden mühevoll vergraben. Dabei wird auch sein Fell beseitigt, so dass nur eine kleine Kugel übrigbleibt und in den Boden gepresst wird. Diese Kugel bzw. die sie umgebende Erde wird nun Wohnraum für das Weibchen in den folgenden 2 Wochen.

In einem Seitengang im Boden werden ca. 10 –20 Eier abgelegt. Bis zum Schlupf der Larven in 5 Tagen, beginnt das Weichen regelmäßig mit Verdauungssäften aus dem Kadaver eine Art Flüssignahrung zu machen. Dazu öffnet sie den Kadaver und gibt ein wenig Verdauungssaft hinein. Die Öffnung wird mit Exkrementen wieder verschlossen. Sind die Larven geschlüpft, werden sie von dem Weibchen gefüttert und später auch zur Nahrung gebracht. Oftmals hilft das Männchen auch dabei. Dies ist in der Insektenwelt extrem selten; Brutpflege, Fütterung und Fürsorge sind dort weitgehend unbekannt. Die Entwicklung der kleinen Totengräberlarven schreitet jetzt rasant voran. Nach wenigen Stunden haben die Larven schon ihr Gewicht verdoppelt. Alle 10 – 20 min werden sie gefüttert. Ohne die große Menge vorverdauter Nahrung könnte das Weibchen die ganzen Larven niemals ernähren. Nach der 3. Häutung bohren sich die Larven in den Kadaver und saugen ihn selbständig aus. Nach einer Woche Brutpflege verpuppen sich die Larven in der Nähe des Kadavers und schlüpfen dort meist noch im selben Jahr, oft schon nach einigen Wochen. In einem Jahr bilden sich meist zwei Generationen aus.

Beide Generationen überwintern, von der zweiten Generation oftmals nur die Puppen.

Totengräber ernähren sich ausschließlich von Aas. Das Eingraben der Kadaver dient auch dazu, die Leiche anderen Aasfressern zu entziehen.

Die Totengräber tragen auf ihrem Körper oftmals kleine gelbliche Milben (Foto) mit sich herum. Hierbei handelt sich nicht um Schädlinge, im Gegenteil die Milben leben in Symbiose mit den Totengräbern. Da oft die Fliegen vor dem Totengräbern an den toten Tieren sind, legen diese auch sehr schnell Fliegeneier in die Kadaver. Die Milben fressen nun diese Fliegeneier und verhelfen den Totengräbern zu madenfreier Kost. Die Totengräber hingegen bringen die Milben direkt zu ihrer Nahrung. Selbst bei der Paarung der Totengräber sind die Milben allgegenwärtig.

D.h. die Schmarotzermilben benutzen andere Tiere (hier Totengräber) zur Fortbewegung. Dieses Vorgehen wird auch "Phoresie" genannt. Die Milben der Totengräber parasitieren in einigen Fällen und durchbohren die weichen Stellen ihres Panzers, um sich von den Körperflüssigkeiten des Totengräbers zu ernähren.



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