Heupferd

Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima)
syn. großes Heupferd

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera)
Familie: Laubheuschrecken (Tettigoniidae)
Unterfamilie: Heupferde (Tettigoniinae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00076

► mehr Insekten


Einführung und Verbreitung
Das grüne Heupferd ist in ganz Europa verbreitet. Mit Ausnahme der Gebirge (z.B. Alpen) oder zu kalter Regionen ist es überall zu finden. Besonders häufig ist es im Mittelmeerraum zu beobachten.

Es gehörte schon immer zu den häufigsten Heuschreckenarten unserer Breiten. Allerdings sind die Bestände durch den Einsatz von Insektenvertilgungsmitteln und einer invasiven Landwirtschaft deutlich zurückgegangen. Heute ist es nur in wenig genutzten Flächen noch häufig heimisch; die Bestände wachsen jedoch wieder. Es besiedelt typischerweise Waldränder, Grünflächen und sonnige, verbuschte Brachen. Flächen mit kühlem Mikroklima werden gemieden.
Das grüne Heupferd ist ein Kulturfolger. Besonders an Rändern von Siedlungen ist es anzutreffen. Allerdings sind landwirtschaftliche Flächen für die Eiablage und Larven wertlos, sie werden nur (z.B. Getreide) als Singwarten genutzt.

Grünes Heupferd

Körperbau
Das grüne Heupferd ist durchgehend grün gefärbt und besitzt am Rücken eine längliche hellbraune Zeichnung. Mit 30 – 40 mm Körperlänge gehört es zu den größten europäischen Heuschreckenarten. Die Fühler können zusätzlich ca. 50 mm Länge erreichen. Die Mundwerkzeuge sind gut ausprägt und sehr kräftig.
Die Flügel sind voll entwickelt, hellgrün-durchsichtig und reichen bis über den Hinterleib hinaus. Es ist sehr gut flugfähig (einige hundert Meter) und kann dadurch neue Biotope schnell besiedeln. Die Weibchen besitzen einen langen Legebohrer, der über die Flügelenden hinausragt. Wie bei allen Insekten weisen auch Heuschrecken die typische Körperaufteilung in Kopf, Brust und Hinterleib auf.

Sie besitzen 2 Flügelpaare und 3 Beinpaare. Die hinteren Beine sind zu mächtigen Sprungbeinen umgewandelt.

Großes Heupferd
Heupferd im Flug; Foto Jürgen Schmidt

Das singende (zirpende) Männchen sitzt, meist kopfüber, gut getarnt auf höheren Pflanzen. Der Gesang ist ein hohes Schwirren.

Das Singen soll die Weibchen anlocken und beginnt in den Abendstunden. An kühlen und verregneten Tagen bleibt der Gesang ganz aus.

Am Knie des Vorderbeines sitzen die Hörorgane des grünes Heupferdes, welche nur durch kleine Schlitze zu erkennen sind. Es können so sehr feine Geräusche wahrgenommen werden, was auch für die Paarung von großer Relevanz ist. Zudem besitzen Heuschrecken ein Erschütterungsorgan und können kleinste Erschütterungen bereits aus vielen Metern Entfernung wahrnehmen.

Wie fast alle Heuschrecken besitzt das grüne Heupferd eine sehr große Sprungkraft. Fast jeder hat sich schon einmal erschreckt, wenn direkt vor einem in einer Wiese ein großes Heupferd hochspringt und davon fliegt (Sprungflug).

Sie sind wechselwarm und sonnen sich nach kalten Nächten gern in der Morgensonne. Dabei drehen sie ihren Körper in Richtung der Sonne, bis sie genug Wärme aufgenommen haben, um bewegungsfähig zu sein.


Männchen

Ernährung und Verhalten
Sowohl als Larve, wie auch als Imago ernährt sich das Heupferd vorwiegend räuberisch. Kleinere Insekten, Raupen und auch kranke Artgenossen stehen auf dem Speiseplan der Imagines. Die kleinen Larven ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen. Daneben werden auch hin und wieder weiche Pflanzenteile von Kräutern vertilgt. D.h. das grüne Heupferd ist kein Schädling der Landwirtschaft, als das es häufiger angesehen wird. Kleine Beutetiere werden im Sprung ergriffen und sofort mit den kräftigen Kiefern zerbissen.

Die Männchen besetzen Reviere und verteidigen sie auch aggressiv gegen andere Männchen.

Sie sind vom Nachmittag bis in die Nacht aktiv. Dabei suchen sie Singwarten, von denen sie bis 100 m weit zu hören sind.


Weibchen mit Legebohrer

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Weibchen werden durch den Gesang der Männchen angelockt. Die Begattung dauert fast eine Stunde, mit einem lang andauernden Vorspiel. Es findet nur eine Paarung statt. Die Eiablage (ca. 150-300 Eier) erfolgt in den feuchten, lockeren Boden (meist Grünland) hinein. Die Entwicklung der Eier kann einige Jahre dauern, wobei die sie eine Austrocknung in den Sommermonaten überstehen können.

Es werden 7 Larvenstadien durchlaufen. Die ersten Larven können ab Mai in Bodennähe gefunden werden. Das 7. Larvenstadium ähnelt schon sehr dem Imago und ist mehr an Büschen und Bäumen anzutreffen. Die Imagines sind dann bis November aktiv.

Feinde
Vor allem die Zwitscherheuschrecke kann durch ihre Aggressivität dem Heupferd gefährlich werden. In der Häutungsphase werden die Heupferde leicht von Ameisen überwältigt, zerlegt und in den Bau getragen. In den ersten Larvenphasen stellen auch netzbauende Spinnen eine Gefahr dar, vor allem die große Wespenspinne oder andere kräftige Radnetzspinnen. Für insektenfressende Vögel und Fledermäuse stellen sie auch eine ideale Beute dar. Während der ersten Larvenphasen in der Krautschicht sind es auch Kleinsäuger, die dem grünen Heupferd nachstellen.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Grünes Heupferd

Natur-Lexikon.com