Gemeine Heidelibelle

Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung:
Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Segellibellen (Libellulidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00074

Alle Fotos: Olaf Wolfram

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Die gemeine Heidelibelle ist in ganz Europa stark verbreitet. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in Mitteleuropa. In den Mittelmeerländern fehlt sie z.T. ganz und in Skandinavien gilt sie als Einwanderungsart. In Nord- und Osteuropa ist sie häufiger als die große Heidelibelle anzutreffen. Sie ist dort eine der häufigsten Libellenarten. Die östliche Ausdehnung reicht bis nach Asien.

In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt im Alpenvorland (bis 1.000 Höhenmeter) und in Ostdeutschland. Sie gehört zu den geschützten Arten, ist aber derzeit nicht im Bestand gefährdet.

Ihr bevorzugter Lebensraum sind kleine, < 300 qm große Weiher, Kiesgruben oder Tümpel mit üppiger Randvegetation vorzugsweise Röhricht. An Bächen ist sie selten vertreten und auch nur dann, wenn die Fließgeschwindigkeit sehr niedrig ist.

Die Salz- und Elektrolytkonzentration spielt, wie der ph-Wert der Gewässer, für die Verbreitung der gemeinen Heideliebelle keine große Rolle. Auch leichte Gewässerverschmutzungen werden toleriert.

Dadurch hat sie gegenüber vielen anderen Libellenarten einen großen Verbreitungsvorteil.

Tandem Gemeine Heidelibelle

Ihre Flügelspannweite beträgt bis zu 6 cm, bei maximal 4 – 5 cm Körperlänge.

Ihre Beine sind gelb-braun, schwarz längsgestreift. Der Hinterleib ist rot gefärbt und der Thorax dunkelbraun ohne Binden. Wie bei allen Heidelibellen sind die jungen Weibchen gelblich gefärbt (Gelbphase), nach einigen Wochen sind sie dann eher hellbraun. Der Hinterleib ist im letzten Drittel deutlich verdickt.

Die gemeine Heidelibelle fliegt selten über freie Gewässer. Meist hält sie sich an den Gewässerrändern auf oder erkundet umliegende freie Flächen wie z.B. Wiesen. Sie ist, wie alle Segellibellen, ein typischer Ansitzjäger und wartet, bis sie eine Beute erblickt. Die gemeine Heidelibelle ernährt sich vorwiegend von Mücken und Bremsen, nur selten von Kleinlibellen.

Am Ufer sieht man meist nur die Männchen, die Weibchen sind auf anliegenden Flächen verbreitet und erscheinen nur zur Paarung oder Eiablage am Uferbereich.

Seichte, freiliegende und sonnenbeschienene Gewässerabschnitte bzw. Gewässer (gern auch Moore) werden bevorzugt besiedelt. An sehr heissen Tagen zieht sich die gemeine Heidelibelle in die Schattenbereiche zurück bzw. nimmt eine Obeliskenstellung ein, um die Sonneneinstrahlung auf ihren Körper zu minimieren. An kühlen Tagen hingegen kippt sie oft ihre Flügel nach vorn, um darunter die Wärme zu stauen.

Die gemeine Heidelibelle kann ab 12 Grad im Flug beobachtet werden, wichtig dabei ist allerdings ausreichend Sonnenschein. Bei bewölktem Himmel sind sie meist auf angrenzenden Wiesen in Wartestellung, sobald die Sonne herauskommt jedoch binnen Minuten wieder am Gewässer. Abhängig von der Außentemperatur ändert sich die Körperfarbe der Männchen, ist es kühler als 12 Grad wandelt sich das intensive Rot in eine dunkles Rotbraun um.


Ihre Habitate überlappen stark mit denen der großen Heidelibelle, so dass es leicht zu Verwechselungen kommen kann. Man kann beide arten sicher an 3 Merkmalen unterscheiden:

1. Thorax: bei der großen Heidelibelle mit 2 hellen, breiten Querbinden versehen, bei der gemeinen Heidelibelle durchgehend braun.

2. Augenbinde: bei der gemeinen H. verläuft der Querstreifen zwischen den Augen weiter neben den Augen herunter, bei der großen H. endet er an den Augen.

3. Der Legestachel des Weibchen steht bei der gemeinen H. senkrecht ab, währen der bei der großen H. schräg steht.

Die Fortpflanzung findet an stark bewachsenen Uferabschnitten (z.B. Röhrichtufer) statt. Die Paarung dauert einige Minuten an; sie beginnt in der Luft und endet am Boden oder auf Ästen.

Die Eiablage erfolgt im wellenförmigen Tandemflug knapp über der Wasseroberfläche, nahe dem Ufer. Der Tandemflug wird ca. 10 min durchgehalten, danach erfolgt die Eiablage durch das Weibchen allein, wobei das Männchen zunächst als Bewachung über ihr fliegt. Die Eiablage verteilt sich über ein großes Gebiet, mit einigen Abständen dazwischen. Die Eier überwintern im Schlamm.

Die Larven schlüpfen im April und durchlaufen ca. 10 Stadien. Nach 3 Monaten sind die Larven ausgewachsen.

Die Larven leben in der dieser Zeit in dem Gewässergrund und sind häufig im Schlick vergraben. Sie bevorzugen Stillwasserbereiche, welche das ganze Jahr über Wasser führen. Ein Austrocknen der Gewässer überleben sie nur im Eistadium, im Gegensatz zur blutroten Heidelibelle oder der gefleckten Heidelibelle, welche ein Austrocknen auch als Larven gut verkraften. Die Larven fangen mit ihrer schnellen Fangmaske Kleinkrebse und Mückenlarven.

Die Schlupfperiode reicht von Mitte Juni bis Ende August. Die eigentliche Hauptflugzeit sind die Monate August und September. Die letzten Tiere sind Ende Oktober, selten auch Anfang November zu beobachten. Der Schlupf findet in den frühen Morgenstunden statt, so dass zwischen 10:00 und 11:00 der erste Jungfernflug bereits stattgefunden hat. Die Reifehabitate sind meist angrenzende Waldlichtungen und Ruderalflächen. Getreidefelder werden nur in windgeschützter Lage als Reife oder Jagdhabitat genutzt.



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