Waldameise

Rote Waldameise (Formica rufa)

Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
Familie Ameisen (Formicidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00071

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Foto: Thomas Kirchen

Einführung
Ameisen sind weltweit verbreitet und leben unter extremsten Bedingungen. Es sind mehr als 11.000 Arten bekannt, welche sich z.T. ideal an ihr Umfeld angepasst haben. Durch ihre hohe Fortpflanzungsquote und die Stufe der Sozialstaatbildung haben sie starke Vorteile gegenüber anderen Lebewesen. Erste Ameisen sind bereits im Terziär nachgewiesen worden.

Die wesentlichen Besonderheiten, insbesondere was das Kastensystem und die Brutpflege betrifft, findet man bei fast allen Ameisen. Das Kastensystem ist immer in fruchtbare Weibchen (Königin), fruchtbare Männchen und unfruchtbare Weibchen (Arbeiterinnen) aufgeteilt.
Wie die Bienen und Wespen gehören auch die Ameisen zu den Hautflüglern.

Ameisen Waldameisen
Foto: Thomas Kirchen

Vorkommen
Die rote Waldameise ist in ganz Mittel- und Nordeuropa, Nordamerika und nördlichem Asien anzutreffen.
Die Waldameise bevorzugt Laub- und Nadelwälder mit viel Licht, die Haufen werden meist an sonnigen Plätzen gebaut. Durch ihre großen Haufen sind die Waldameisen meist leicht zu entdecken.
Insgesamt werden die roten Waldameisen immer seltener, was mit dem ansteigenden Säuregehalt der Waldböden in Verbindung gebracht wird. Die rote Waldameise gehört zu den geschützen Arten.

Waldameise
Mit ihren kräftigen Kieferzangen zerfleischen sie eine junge Blindschleiche .

Ernährung
Die rote Waldameise ernährt sich hauptsächlich aus zwei Quellen. Zum einen lebt sie von Kleininsekten (häufig Waldschädlingen) und zum anderen von dem Honigtau, welchen sie von Läusen in großen Mengen abnehmen. Binnen eines Sommers kann ein Volk viele hundert Kilogramm Honigtau sammeln. Dazu wird die Blattlaus von den Ameisen betrillert und gibt einen Tropfen Honigtau ab, welchen die Ameise dann aufnimmt. Die Kleinsekten sind jedoch für die Ameisen viel wichtiger als der Honigtau, da nur aus ihnen das für die Königin so wichtige Eiweiß gewonnen werden kann.

Besonders wegen der Vertilgung großer Mengen an Waldschädlingen gilt die rote Waldameise als ausgesprochener Nützling des Waldes. Pro Tag vernichtet jedes Ameisenvolk zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen. Allerdings nur in einem Umfeld von ca. 20 - 50 m um den Ameisenbau herum. D.h. es müssen sehr viele Ameisenhügel in einem Wald vorhanden sein, um diesen gut zu schützen. Oftmals kann man in von Fortschädlingen stark zerfressen grauen Wäldern grüne Oasen ausmachen, wo sich Ameisenhügel befinden und nur geringfügige Waldschäden zugelassen haben.
Die Jagd der Ameisen findet oft in kleinen Gruppen statt und größere Opfer werden gemeinsam überwältigt und in den Bau geschleppt.

Waldameise
Auch im größten Chaos weiss jede Ameise was sie zu tun hat.

Körperbau
Die rote Waldameise besitzt eine Körperlänge zwischen 5-7 mm (Arbeiterinnen) und 9-11 mm (Königin). Die Männchen und Weibchen sind kurzzeitig geflügelt; die Arbeiterinnen hingegen flügellos. Sie unterscheiden sich von den anderen Hautflüglern durch zwei abgeschnürte Glieder zwischen Vorder- und Hinterleib. Diese Zwischenglieder machen sie enorm beweglich und verleihen ihnen eine Wespentaille.

Bei Arbeiterinnen und Soldaten sind die Geschlechtsorgane verkümmert. Dafür besitzen sie der Tätigkeit angepasste Körperorgane, die Soldaten z.B. stark vergrößerte Kieferzangen und große Köpfe. Die Soldaten bilden aber keine eigene Kaste.

Die Kopfoberseite, ein Teil des Thorax, der Hinterleib und die Beine sind schwarzbraun gefärbt. Der Rest ihres Körpers ist intensiv rot.

Sie besitzen einen Kropf, aus dem sie Nahrung für andere Ameisen hervorwürgen können. Dieser Nahrungsaustausch dient auch der Kommunikation, da die Nahrung mit Pheromonen versetzt ist. Die zwölfgliedrigen Fühler sind sehr wichtig für die Ameisen. Sie ermöglichen den Tast-, Geruchs- und Feuchtigkeitssinn. Besonders der Geruchssinn ist für die Ameisen wichtig, da Sie vor allem über Gerüche und Berührungen kommunizieren. Bei Gefahr werden z.B. chem. „Alarmsubstanzen“ ausgeschieden.

Der Gesichtssinn ist nur mittelmäßig entwickelt und durch Komplexaugen (Facettenaugen) ermöglicht. Die Männchen und die Königin besitzen auch noch kleine Nebenaugen.

Die Königin lebt wesentlich länger als die Arbeiterinnen und kann bis zu 15 Jahre alt werden; Arbeiterinnen leben selten länger als 3 Jahre.

Es werden monogyne Ameisenstaaten mit nur einer Königin und einem kleine Haufen mit kurzer Lebensdauer von polygynen Ameisenstaaten mit bis zu 1.000 Königinnen und einem sehr großen Haufen, bei einer z.T. Jahrzehnte währender Lebensdauer unterschieden. Rote Waldameisen besitzen häufig monogyn angelegte Staaten und vermehren sich deshalb nicht so schnell bzw. sind anfälliger für äussere Einflüsse.

Foto: Thomas Kirchen

Fortpflanzung und Verhalten
Ameisen leben typischerweise in einem ausgeprägten Sozialstaat. Dieser Staat wird geprägt durch seine Königin, um die sich alles dreht. Im Winter überleben Königin und Arbeiterinnen. Nach dem Winter beginnt die Königin im März bereits mit der Eiablage. Die Larven werden von den Arbeiterinnen mit Futter aus ihrem Kropf gefüttert. Über die Unterlippenspeicheldrüse werden auch Hormone beigemischt. Je nach hormoneller Zusammensetzung des Futters entwickeln sich Weibchen bzw. Jungkönigin oder Männchen. Später wird kein Futter mit Hormonen aus den Kopfdrüsen gegeben und es entstehen Arbeiterinnen.

Nach dem Schlupf verlassen die Weibchen Anfang Mai das Nest zum Hochzeitsflug. Dann kann man auf einmal tausende fliegende Ameisen, die wie aus dem Nichts erscheinen, beobachten. Nach wenigen Stunden ist dann wieder alles vorbei.

Eine Wespe wird überwältigt und in den Bau gebracht.

Nach dem Hochzeitsflug bzw. der Paarung sterben die Männchen und die Jungköniginnen werfen die Flügel ab. Bei der Paarung (am Boden, nicht in der Luft!) erhält das Weibchen die Samen für das ganze Leben. Die Eier selber werden jedoch noch nicht befruchtet, sondern der Samen zunächst in der Samentasche aufbewahrt. Später bei der Eiablage werden die Eier dann befruchtet. Werden die Eier nicht befruchtet, entstehen Männchen oder Arbeiterinnen.

Nach dem Hochzeitsflug sucht das Weibchen bereits bestehende Ameisenbaue (meist kleinerer Waldameisen) auf, tötet dort die Königin und lebt in dem Bau als neue Königin weiter. Ist dies nicht möglich begründet sie in losem Holz, um den sie Nadeln und anderes Feinmaterial auftürmt, einen neuen Staat. Gleichzeitig baut sie unterirdische Gänge und legt dort Eier ab, wobei sie immer auf die Hilfe von Ameisen der eigenen Art oder Hilfsameisen angewiesen ist. Der Neubau wird ganz durch die Arbeit der Königin am neuen Bau geprägt, erst wenn die nächste Generation Arbeiterinnen geschlüpft ist, kann sie sich ganz auf die Eiablage beschränken. Dann wird sie von vielen Helferinnen unterstützt.

Gleich nach der Eiablage werden ihr die Eier abgenommen und in die Brutkammern gebracht. Dort werden die Larven später „von Mund zu Mund“ gefüttert. Die Eier, Larven und Puppen werden auch regelmäßig von den Arbeiterinnen geleckt, damit sie nicht austrocknen und keine Pilze ansetzen. Wenn sich dann die Larven verpuppen, werden sie wieder an den temperaturmäßig idealen Ort im Bau gebracht. Diese Puppen wurden früher genutzt, um „Ameisenspiritus“ gegen rheumatische Erkrankungen herzustellen. Nach dem Schlupf werden nehmen sie am normalen Nahrungsaustausch im Bau teil. Durch „betrillern“ der Fühler wird die Nahrungsübergabe ausgelöst. Dies ist wichtig, da ja nicht alle Ameisen zur Nahrungssuche aus dem Bau hinaus können. Die junden Ameisen versehen zunächst „Innendienst“ und verlassen erst viel später den Bau.

Die Ameisenarbeiterinnen haben die Aufgaben streng verteilt. Während einige z.B. nur Brutpflege, oder Erweiterung am Ameisenbau betreiben sind andere wiederum für die Verteidigung zuständig. Zur Verteidigung besitzen Waldameisen kräftige Kieferzangen, welche die Haut durchdringen können (Foto: Angriff auf eine verletzte Blindschleiche). In diese Wunden wird dann hochprozentige Ameisensäure gespritzt, dazu wird der Hinterleib der Ameise zwischen den Beinen nach vorn geklappt (Foto). Die dadurch ausgelösten Schmerzen vertreiben die meisten Angreifer.

Auch sonst sind Ameisen nicht zimperlich, Marienkäfern welche die Blattläuse fressen wollen, werden einfach die Beine mit den Kieferzangen der Waldameisen abgebissen.

Ein Großteil der Ameisen jedoch, ist den ganzen Tag unterwegs auf Nahrungssuche. Insbesondere die Betreuung der Pflanzensaugerkolonien benötigt viel Zeit.

Ameisen besitzen riesige Kräfte und können ein vielfaches ihres Körpergewichtes tragen. Fast jeder hat schon kleine Ameisen mit großen Stöcken oder viel größeren Beutetieren gesehen, welche sie behände in ihren Bau tragen. Ameisen zeigen ein typisches Revierverhalten zwischen den Kolonien. Es finden auch massive Kämpfe zwischen den Ameisen unterschiedlicher Kolonien statt. Sie können sich durch die Gerüche untereinander unterscheiden. Innerhalb ihres Reviers wird jeder Feind sofort aggressiv angegriffen.

Um den Bau herum verlaufen hunderte Ameisenstrassen, welche mit Pheromonen gekennzeichnet sind.

Interessanterweise ist am Mittelmeer eine riesige Ameisenkolonie (keine Waldameisen) entstanden, da dort die Differenzierung durch Gerüche nicht stattgefunden hat und somit auch keine Revierabgrenzung. Diese Kolonie ist inzwischen etliche tausende Kilometer lang und erstreckt von Portugal bis Italien. Eine natürliche Beschränkung der Ausbreitung durch die gegenseitige Bekämpfung von Kolonien ist damit ausgefallen.

Bei der Betreuung von Pflanzensaugern.

Ameisenbau
Der Ameisenbau ist teils ober- und unterirdisch angelegt. Er wird bis zu 2 Meter hoch, bei ca. 5 Meter Durchmesser und ist meist an windgeschützten, sonnigen Waldrändern zu finden. An reinen Schattenplätzen würde sich zu leicht Schimmel im Ameisenbau bilden. Die oberen Schichten bestehen aus Nadeln, während im Inneren Erde als Baumaterial vorherrscht. Das Nest dehnt sich in den Boden etwa soweit aus, wie es als Kuppel aufragt. In einem Ameisenhügel leben zwischen 100.000 – 2.000.000 Ameisen.

Durch viele Gänge wird er stets durchlüftet, so dass es auch im Hochsommer zu keiner Überhitzung im Bau kommt. Alle Gänge sind so angelegt, dass Regenwasser abperlen kann.

Im Winter ziehen sich die überleben Ameisen in den unterirdischen Teil zurück und alle Gänge werden verschlossen. Der obere Teil des Ameisenbaus dient nun als Frostschutz.

Bei großen Bauten sollte man nie zu dicht herantreten, da die unterirdischen Gänge oft weit über die Grundfläche der Kuppel herausragen und man in diese unterirdischen Teile einbrechen kann.

Die Hügel unterliegen einem beständigen Umbau. Hierdurch wird eine immer bessere Stabilität erlangt und zugleich einer Ausbreitung von Pilzen vorgebeugt.

Verwandte Arten
Leicht verwechselt wird sie mit der kleinen Waldameise (Formica polyctena). Diese Art lebt polygyn und ihre Hügel sind durch Ameisenstrassen verbunden. Kolonien mit 20-30 Nestern sind dann keine Seltenheit. Die Verbreitung erfolgt hier durch Tochterbauten. Die kleine Waldameise ist etwas kleiner und schwächer behaart als die rote Waldameise. Früher wurden oft beide Arten unter dem Namen rote Waldameise zusammengefasst.

Feinde
Ameisen werden durch Vögel, Kröten, kleine Schlangen und sogar Wildschweine, welche die Haufen zerwühlen, dezimiert. Auch kleine Gliedertiere wie einige Spinnenarten oder Ameisenlöwen jagen Ameisen. Viele Ameisen gehen auch im Kampf gegen benachbarte Kolonien zugrunde. Aber die eigentliche Gefahr geht von den Menschen aus, welche die Umweltbedingungen verändern (Bodensäure) und ihren Lebensraum zerstören.

Überwinterung
Im Winter sinkt die Temperatur auch im Ameisenbau unter Null Grad. Die Ameisen sind dann in einer Art Kältestarre und verbrauchen so gut wie keine Energie. Bis ca. –8 bis -12 können sie aushalten. Einen Vorrat fressen sie sich nicht an und nehmen auch kein Futter zu sich.



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