Murmeltier

Alpen - Murmeltier (Marmota marmota)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00069

Fotos: Gerhard Schulz

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Einführung und Verbreitung
Das Alpen-Murmeltier ist in den Alpen heimisch und dort mit keinem anderen Tier zu verwechseln. Es ist auch sicher das bekannteste Tier der alpinen Fauna und fast jeder Bergwanderer hat es schon öfter gesehen. Je nach Region hat es andere Namen in Bayern heisst es Mankei, im Allgäu Murmele, in der Schweiz Murmeli und in Frankreich Marmotte. Die Römer sprachen damals von der sog. Alpenmaus (siehe Plinus „lebt in den Löchern und pfeift wie eine Maus“ ). Nur selten kommt es in anderen europäischen Gebirgen (z.B. Pyrenäen) vor.

Sie leben auf den tiefgründigen Almen und Weiden der Gebirge, wo sie ihre weitläufigen Baue anlegen können; meist zwischen 900 und 2500 Meter Höhe. Sie bevorzugen dabei die sonnigen Südhänge.

Murmeltier

Das Murmeltier ist ein Säugetier und gehört systematisch in die Familie der Hörnchen und die Ordnung der Nagetiere, wie auch das bekannte Eichhörnchen. Die Murmeltiere (Gattung Marmota) sind die größten Vertreter der Hörnchen.

Ausgelassenes Murmeltierfett wurde früher als Heilmittel eingesetzt. Insbesondere der hohe Vit. D Gehalt und diverse Fettsäuren machten es wertvoll. Auch zu Einreibungen bei Rheumaleiden wurde lange Jahre „Murmeltiersalbe“ eingesetzt.

Körperbau
Im Gegensatz zu anderen oft schlanken Hörnchen, besitzen Murmeltiere einen gedrungenen Körperbau. Das Murmeltier besitzt eine Körperlänge von ca. 50 cm zzgl. seines 15 cm langen Schwanzes. Es wiegt gut 8 Kg. Der kurze, braune Schwanz ist buschig behaart mit einem schwarzen Farbtupfer am Ende. Der Pelz des Murmelstiers ist dicht und grau in unterschiedliche Farb- und Helligkeitsvarianten.
Sein Körper ist typisch kegelförmig gebaut. Die Backen der Murmeltiere sind im Vergleich zu anderen Hörnchen stark zurückgebildet bzw. kaum vorhanden.

Das Murmeltier ist ein Grab- und Nagetier, entsprechend ist sein Körperbau darauf abgestimmt. Die Vorderpfoten sind kräftig und mit langen Krallen besetzt, sie wirken wie kleine unbehaarte Hände. Die Vorderpfoten besitzen 4 Zehen, die Hinterpfoten 5 Zehen. Der Hals ist sehr kurz, die kleinen Ohren liegen dicht am Fell. Es besitzt 4 große Nagezähne, wie bei fast allen Nagetieren wachsen die Nagezähne das ganze Leben über nach. Sein Gang ist eher watschelnd und nicht sehr schnell. Sprünge kann es nur sehr kleine machen. Allerdings ist es bei der Flucht in den Bau sehr schnell.

Die Geschlechter sind nur schwer zu unterscheiden, meist sind die Männchen leicht dunkler gefärbt. Die Männchen werden auch als „Bär“ und die Weibchen als „Katze“ bezeichnet.

Das Murmeltier besitzt ein sehr gutes Sehvermögen. Durch die seitliche Anordnung der Augen besitzt es ein weites Blickfeld. Auch das Gehör ist sehr empfindlich; nur der Geruchssinn ist eher schwach ausgeprägt.

An den Wangen besitzen Murmeltiere Drüsen, mit deren Ausscheidungen Artgenossen erkannt und Kolonien abgegrenzt werden. Auch im Analbereich sitzen Drüsen, die sogenannten Analdrüsen, welche bei Gefahr vorgestreckt werden können.


In seiner typischen Haltung sitzt es auf den Hinterpfoten und der Schwanz ist ausgestreckt. Dies ist die typische Fress- und Beobachtungshaltung. Dieses „Männchen-machen“ ist eine Eigenschaft der gesamten Hörnchenfamilie und kann z.B. auch gut bei Eichhörnchen oder Hermelinen beobachtet werden. Ruht es sich aus, dann lässt es sich auch auf die Vorderpfoten nieder.

Murmeltiere sind an die Kälte angepasst. Daher ziehen sie sich Mittags auch immer in ihre Baue zurück. Der Vorteil der Südhänge im Winter wird im Sommer leicht zur Belastung. Dies ist auch der Grund warum Murmeltiere sich nicht in den Tälern ansiedeln.

Ernährung
Murmeltiere ernähren sich von Gräsern und Kräutern der Gebirgswelt. Durch den hohen Nährwert dieser Pflanzen setzen die Murmeltiere schnell Fett an. Die Gedärme sind besonders lang, um einen möglichst hohen Nutzungsgrad der Nahrung zur ermöglichen. Pflanzen werden vollständig gefressen, also auch mit Wurzeln. Neben den Pflanzen als Hauptnahrungsquelle, verspeisst es auch Insekten, Larven und Regenwürmer. Der Flüssigkeitsbedarf wird ausschließlich über die feste Nahrung gedeckt. Nahrungsvorräte legen Murmeltiere nicht an, dass Heu in den Bauen dient nur der Polsterung, nicht der Ernährung.

Winterschlaf
Murmeltiere halten Winterschlaf und benötigen daher keinen Wintervorrat an Nahrung. Während des 6-monatigen Winterschlafs zehren sie von der Fettschicht, die sie im Sommer angefressen haben. Sie erwachen nur wenige Male aus dem Winterschlaf, um Harn und Kot abzugeben.

Im Winterschlaf rollen sich die einzelnen Tiere in Gruppen zusammen. Dabei stecken sie den Kopf zwischen die Hinterbeine, um die freie Körperoberfläche gering zu halten. Die Körpertemperatur sinkt dann bis unter 5 Grad. Die Atmung sinkt auf ca. 2 Züge je Minute und der Herzschlag von 200 auf 20 Schläge je Minute. Der Energieverbrauch sinkt auf weniger als 10%. Ca. 1200 Gramm Körperfett reichen so für den Winter. Sobald die Nahrung im Herbst nicht mehr ausreichend Energie liefert und die Fettspeicherzellen maximal gefüllt sind, begeben sich die Murmeltiere in den Winterschlaf. Dieser Zeitpunkt liegt oft einige Wochen vor dem eigentlichen Wintereinbruch. Das Erwachen wird über die Außentemperatur ausgelöst.

Zum Frühjahr lösen sich die großen „Schlafgemeinschaften“ auf und bilden kleine Gruppen.

Im Spätsommer beginnen die Murmeltiere „Heu zu machen“. Dazu werden Gräser knapp über der Wurzel abgebissen und in der Sonne trocknen gelassen. Das Heu wird dann in den Bau gebracht und dort zum Ausbau der Nester verwendet. Eine einzige Familie lagert ca. 10 KG Heu ein. Nach Ende des Winterschlafes wird das ganze Heu wieder heraustransportiert und die Baue gesäubert. Bis zu 15 Murmeltiere überwintern darin gemeinsam. Die Luftöffnungen werden fast vollständig mit Zapfen aus Erde und Gestein verschlossen. Diese „Zapfen“ zum Verschluß der Baue sind lebensnotwendig, fallen doch die Murmeltiere im Winterschlaf in eine Art „Winterstarre“ und würden schnell von Mäusen etc. angeknabbert werden.

Verhalten
Murmeltiere sind typisch tagaktive Säugetiere, obwohl sich ein Großteil ihres Lebens unter der Erde abspielt. Nur 10% ihrer Lebenszeit verbringen sie über der Erde.
Murmeltiere sind gesellig und leben in Kolonien. Sie haben ein hohes Berührungsbedürfnis und liegen oft lange aneinander geschmiegt in der Sonne. In jeder Kolonie leben mehrere Familien. Ihre weitläufigen Baue reichen viele Meter tief in den Berghang hinein. Sie bauen einige „tote“ Gänge die zu Toiletten umgebaut werden. Viele Gänge dienen auch als Fluchtwege bei Angriffen. Die Erde wird dabei mit den Vorderpfoten gelockert und mit den Hinterpfoten fortgeschleudert. Nicht selten sieht man kleine Erdansammlungen und Steine aus den Bauen fliegen. Steine werden mit den Zähnen gelöst und dann herausgetragen.

Meist halten sie sich in direkter Nähe der Baue auf und entfernen sich nie weiter als 100 m vom Bau. Murmeltiere bauen zwei verschiedene Baue einmal für den Sommer als Schutz vor Feinden und dann für den Winter, mit großen Nesthöhlen für den Winterschlaf.

Die Kolonien werden gegen fremde Murmeltiere verteidigt. Die Abgrenzung erfolgt durch Duftstoffe und akustisch durch Pfiffe. Verlassen die Eindringlinge nicht umgehend die Kolonie werden sie weggebissen.

Oftmals sind ganze Hänge von großen Kolonien geradezu „durchlöchert“. Die Tiere einer Kolonie kommunizieren sehr eng. Dabei stehen sie dicht zusammen und reiben die Nasen aneinander. Besonders bei der Begrüßung wird der Duft aus Drüsen an den Backen dabei ausgetauscht.

Auch der gegenseitigen Fellpflege geben sie sich gern hin.
Bei Gefahr oder Aufregung stoßen sie schrille Pfiffe aus. Die Pfiffe werden direkt aus der Kehle produziert, ohne die Zähen dabei einzusetzen. Je nach sozialem Status in der Kolonie finden die Pfiffe mehr oder weniger Beachtung. Meist führen sie dazu, dass sofort alle Murmeltiere der Kolonie in ihre Baue stürzen und dort längere Zeit verweilen.

Große Baue entstehen über Generationen, da Murmeltiere sehr standorttreue Tiere sind.

Kämpfe zwischen Murmeltieren werden in aufrechter Position ausgetragen. Dabei werfen sich die Murmeltiere gegenseitig um, je nach Aggressivität kann es auch zu Bissverletzungen kommen.

Murmeltiere sind scheue Wesen. Haben sie sich jedoch an bestimmte „Störfaktoren“ gewöhnt, werden diese fast ignoriert. So sind auf bestimmten Alpenwanderwegen immer Murmeltiere gut zu beobachten. Dies führt so weit, dass sie sich (ähnlich den Eichhörnchen) sogar von Menschen füttern lassen (leider!).

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung erfolgt kurz nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf; meist im Mai bis Juni.
Eine möglichst frühe Paarung ist wichtig, damit die jungen Murmeltiere noch genug Zeit haben, sich ausreichend Winterspeck für ihren ersten Winterschlaf anzufressen.
Typische Paarungsrituale sind auf den Wiesen zu beobachten. Die Paarung selber findet in den Kesseln der Winterbaue statt.

Über Brunftdrüsen am After wird eine sexuelle Bereitschaft signalisiert. Die Männchen vollziehen Scheinkämpfe mit trommelnden Pfoten und „Ringkämpfen“. Nach der Paarung ziehen die Männchen in Ausweichbaue. Die Tragezeit der Weibchen liegt bei 5 Wochen. Bis zu 7 blinde, 30 g schwere Murmeltiere werden in einem Wurf geboren. Nach einigen Wochen öffnen sie die Augen und die Zähne brechen durch. Nach 1 -–2 Monaten verlassen die jungen Murmeltiere die Baue und spielen in der Sonne. Zum ersten Winter haben sie etwa die Hälfte des Gewichts ausgewachsener Murmeltiere erreicht. Während des ersten Winterschlafs stirbt rund ein drittel der einjährigen Murmeltiere.

Erst nach 2 Jahren sind die kleinen Murmeltiere ausgewachsen und geschlechtsreif. Entsprechend tragen die Weibchen nur alle 2 Jahre Junge aus.

Durch den Schutz der Kolonie können Murmeltiere bis zu 15 Jahre alt werden.

Murmeltier

Feinde
Neben dem Menschen sind es vor allem Greifvögel die dem Murmeltier nachstellen. Für sie bilden die Murmeltiere im Sommer einen Großteil ihrer Nahrung. Kleinsäuger wie Marder oder Fuchs haben nur geringe Chancen ein Murmeltier zu erbeuten. Die meisten Murmeltiere fallen jedoch dem Winter zum Opfer. Haben sie nicht genug Winterspeck anfressen können oder sind zu oft „geweckt“ worden, sinken ihre Überlebenschancen rapide. Besonders gefährlich sind Schneearme aber strenge Winter, da dann die isolierende Schneeschicht fehlt und mehr Energie für die Körperwärme aufgewendet werden muss.

Steppenmurmeltier (Marmota bobak)
Das Steppenmurmeltier lebt in den Steppen Osteuropas und ähnelt dem Alpenmurmeltier. Auch sie bauen große Baue mit bis zu 20 m langen Gängen. Der Winterschlaf fällt je nach Region unterschiedlich lang aus. Es ist es heller und größer als das Alpenmurmeltier.



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