Maulwurf

Europäischer Maulwurf (Talpa europaea)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung:
Insektenfresser (Insectivora)
Familie:
Maulwürfe (Talpidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00065

Foto: Gabriele Jesdinsky

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Einführung und Verbreitung
Der Maulwurf gehört zu der Ordnung der Insektenesser, einer der grossen Säugetierordnungen mit mehr als 350 Arten in über 50 Gattungen und 6 Familien. Weitere bei uns heimische Vertreter der Insektenfresser sind beispielsweise der Igel, Otter oder die Spitzmaus. Zur Familie der Maulwürfe gehören 27 Arten die alle auf der nördlichen Erdhalbkugel heimisch sind. Im folgenden Text ist immer der europäische Maulwurf (Talpa europaea) gemeint. Der Maulwurf gehört einer sehr alten Gattung an. Die Gattung Talpa ist bereits im Pleistozän nachweisbar und der Maulwurf hat sich bis heute erhalten.

Seinen Namen hat der Maulwurf von dem alten Begriff „Molte = Erde“ erhalten und hat nichts mit dem Begriff Maul zu tun. Der Begriff „Molte“ bildet auch die Basis für Wörtern wie Mull oder Müll. Der Name „Maulwurf“ ist also frei mit „Erdwerfer“ zu übersetzen.

Bis auf Irland und Island ist der europäische Maulwurf in ganz Europa vertreten. Seine typischen Lebensräume sind Äcker, Wiesen, Wälder. Er meidet steinige, übersäuerte oder zu wässrige Böden. In Gebirgen ab 2000 m Höhe ist er nicht mehr anzutreffen.
Der Maulwurf steht unter Naturschutz und darf nicht verfolgt werden. Wenig sinnvoll ist es auch seine Haufen zu zertreten. Dann beginnt der Maulwurf mit der Reparatur des Schadens und lässt bei der Gelegenheit neue Haufen entstehen. Auch das Verjagen mit diversen (oft nicht zulässigen) Methoden führt nur dazu, dass der leere Bau schnell von einem neuen Maulwurf besetzt wird.

Körperbau
Sie leben vollständig unterirdisch, d,h. alle Körpervorgänge können ablaufen, ohne dass sie das Erdinnere verlassen müssen. An diese Umgebung sind Maulwürfe perfekt angepasst.

Maulwürfe besitzen eine Körperlänge von 12 – 19 cm, wobei der Schwanz selten mehr als 3 cm misst. Angepasst an sein Lebensumfeld besitzt der Maulwurf nur eine Körperhöhe von ca. 2 cm. Entsprechend wiegt er auch nur 50 – 140 Gramm. Sein kleiner zylindrischer, walzenartiger Körper ist von einem grau-schwarz, samtigen Fell ohne Strich umgeben. Die Augen und Ohren sind im dichten Fell fast ganz verborgen. Die Ohren besitzen keine Ohrmuscheln und können mit einer Haut verschlossen werden. Die Augen sind nur wenige Millimeter groß und besitzen eine nur geringe Sehkraft. Sie liegen im dichten Fell und sind von der Lidspalte fast ganz verschlossen. Maulwürfe können daher nur hell und dunkel unterscheiden, ohne genaues zu erkennen.

Maulwurf
Foto: Jörg Kammel

An der kleinen Schnauze und dem Schwanz besitzt er feine Tasthaare. Sein Hauptsinnesorgan ist der empfindliche kleine Rüssel, mit welchem er sehr gut riechen und tasten kann. Die Schnauze ist eng besetzt mit Sinneszellen (Eimersches Organ). Bodenerschütterungen nehmen Maulwürfe sehr sensibel wahr. Trotz der im Fell verstecken Ohrmuschel ist sein Gehör ausgezeichnet. D.h. die Sinnesorgane des Maulwurfs sind direkt auf seine nahe Umgebung abgestimmt.

Der Hals ist sehr kurz, so dass sein Kopf direkt auf dem Rumpf zu sitzen scheint. Seine Vorderfüsse sind zu kleinen Grabschaufeln umgestaltet und die Innenflächen sind nach außen gedreht. Das Sichelbein ist dabei zum „sechsten Finger“ umgestaltet. Die Vordergliedmaßen werden durch sehr kräftige Muskeln unterstützt. Er kann damit Erdmassen vom 20-fachen seines Körpergewichtes bewegen. Sein Fell besitzt keinen Strich, so dass er vorwärts wie rückwärts gut laufen kann. Zum Graben dreht er sich in die lockere Erde hinein und schiebt die Erde nach hinten, bzw. drückt sie an den Gangwänden fest. Er ist sehr beweglich und kann sich zu allen Seiten im Gang umdrehen.


Da die Luft in den Gängen sehr sauerstoffarm ist und zugleich sehr viel Kohlendioxid enthält, kommen Maulwürfe schnell in eine „Sauerstoffschuld“. Dies wird noch verstärkt durch ihren intensiven Stoffwechsel. Maulwürfe begegnen dieser Gefahr durch einen sehr hohen Hämoglobinanteil im Blut, so dass auch bei wenig Sauerstoff die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff gesichert ist.

Ernährung
Im Gegensatz zu vielen Vermutungen ist der Maulwurf kein Pflanzenschädling. Er ernährt sich ausschließlich tierisch. Vor allem Regenwürmer, kleine Insekten, Larven, Lurche aber auch Mäuse und Spinnen werden von ihm verspeisst. Sein Vorkommen lässt also auch Rückschlüsse auf eine reiche Bodenfauna zu.

Sein täglicher Bedarf an Nahrung entspricht in etwa seinem eigenen Körpergewicht. Längere Nahrungspausen (>1 Tag) überleben Maulwürfe nicht. Da er keinen Winterschlaf hält vertilgt ein Maulwurf pro Jahr etwa 30 Kilogramm (!) Nahrung, die zumeist aus Schädlingen besteht. Nur selten beschädigt er Pflanzen durch sein Gängesystem. Er ist also sein sehr nützliches Tier!

Auch wenn die Haufen häufig stören oder Kleingärtner ärgern, sollten wir uns doch darüber freuen.

Alle 3 bis 5 Stunden durchläuft ein Maulwurf alle seine Gänge und trifft dort auf seine Beute, die in der Zwischenzeit dort eingedrungen ist. Wenn im Winter der Boden zu tief gefroren ist, jagt der Maulwurf auch an der Oberfläche. D.h. das Gangsystem dient (ähnlich wie ein Spinnennetz) vor allem der Jagd. Als Wintervorrat werden vor allem Regenwürmer gefangen und deren Vorderende abgebissen, damit sie überleben, aber nicht fortkriechen können. Diese werden in einer kleinen „Vorratskammer“ gesammelt, wobei tote Regenwürmer keine Beachtung mehr finden. In einem Bau können bis zu 10 Speisekammern enthalten sein. Insgesamt wird dort oft mehr als 2 KG Nahrung gelagert.

Verhalten
Maulwürfe sind tag- und nachtaktive Tiere. Die unterirdischen Gänge können bis zu 200 m Länge aufweisen, bewegen sich im Mittel jedoch meist bei 50 m. Das Aushubmaterial wird in den typischen Haufen an die Oberfläche befördert, dabei liegen die Haufen ca. 15 cm versetzt zum Tunnel. Die Nester liegen meist zwischen 50 cm und 80 cm unter der Erdoberfläche, während die Nahrungsgänge sich nur knapp unter der Oberfläche angelegt werden. Die Gänge entstehen sehr schnell. Ist die Erde nicht zu fest, erreicht der Maulwurf bis zu 30 cm je Minute. Jüngere Maulwürfe legen ihre Gänge deutlich näher zur Erdoberfläche an, als ältere Maulwürfe.

Ein besonders großer Maulwurfshaufen (Burg) gibt einen Hinweis auf das darunter liegende Winternest, welches einen Durchmesser von fast einem Meter messen kann. Die Burg ist von einem ringförmigen Belüftungssystem umgeben. In und an der Burg finden sich Hunderte Regenwürmer, welche im Winter einen Nahrungsvorrat bilden. Die Nestkammer selber wird mit Gras, Blättern und feinen Wurzeln weich gepolstert. An das Hauptnest angeschlossen befinden sich einige Ausweichnester, die mit Gängen verbunden sind. Ihre Gänge werden mit Drüsensekreten markiert, um Eindringlinge abzuschrecken.

Die Belüftung der Gänge durch die Maulwurfshaufen ist sehr wichtig, da Maulwürfe eine sehr intensive Verdauung besitzen und dadurch eine große Menge Kohlendioxid produzieren. Sie sind sehr seßhafte Tiere die ihre Gänge viele Jahre nutzen. Maulwürfe können gut schwimmen, meiden aber trotzdem jeden Kontakt zum Wasser, welches in ihren Gängen sehr gefährlich ist.

Sie sind einzeln lebende Tiere, die nur in Ausnahmefällen ihre Gänge teilen. Die Nester bewohnen sie allein. Ihre Reviere verteidigen sie gegen Rivalen. Um Kämpfe zu vermeiden, gehen sie sich meist aus dem Weg. Bei Kämpfen zwischen Rivalen wird der unterlegene Maulwurf häufig vom Sieger verspeisst.

Maulwürfe sind recht schreckhaft und laufen dann laut schreiend davon, in aller Regel werden aber zunächst alle Tiere im Gang angegriffen. Seine fast 44 scharfen Zähne machen ihn zu einem gefährlichen Gegner.

Fortpflanzung und Entwicklung
Maulwürfe werfen ein- bis (selten) zweimal jährlich. Die typische Paarungszeit ist das Frühjahr. Dann kommt es auch zu rivalisieren Kämpfen zwischen den Männchen. Die Tragezeit beträgt ca. 4 Wochen. Jeder Wurf umfasst bis zu 5 junge, nackte Maulwürfe, welche noch im selben Jahr ihre Geschlechtsreife erlangen. Junge Maulwürfe sind als Nesthocker zunächst vollständig von der Mutter abhängig. Nach 3 Wochen öffnen sie die Augen und werden die ersten 2 Lebensmonate gesäugt. Die jungen Maulwürfen leben in unterirdischen Nestkammern („Kessel“), welche vom Weibchen in geringer Entfernung zum Bau angelegt hat.

Die Lebensdauer von Maulwürfen liegt bei 3 bis 5 Jahren. Sie haben nur wenig natürliche Feinde unter der Erde; über der Erde sind es vor allem Greifvögel, Fuchs, Marder, Dachse etc. die ihm nachstellen. Hochwässer können großflächig die Maulwurfbestände vernichten. In Gefangenschaft überleben Maulwürfe nicht, da durch ihren schnellen Stoffwechsel, der Käfigboden binnen 24 Stunden verseucht ist.

Blindmaulwurf (Talpa Caeca)
Der Blindmaulwurf ähnelt dem europäischen Maulwurf, ist jedoch etwas kleiner mit länglichem Rüssel. Die Augen sind meist im Fell verborgen. Er ist meist in südlichen Europa (z.B. Portugal, Spanien) vertreten, wo der europäische Maulwurf fehlt.



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