Warzenschwein

Warzenschwein (Phacochoerus aethiopicus)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Paarhufer (
Artiodactyla)
Familie:
Echte Schweine (Suidae)
Gattung:
Warzenschweine (Phacochoerus)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00064

► mehr Säugetiere

Foto: Uwe Walz

Einführung und Vorkommen
Da diese Schweine die ältesten und zugleich noch primitivsten Nichtwiederkäuer sind, können sie große Teile der Erde besiedeln. Primitiv heißt, dass sie nicht auf eine spezielle Nahrung angewiesen sind.
Damit sind sie systematisch den „altweltlichen“, also europäischen Schweinen zuzuordnen.

Das Warzenschwein ist aber das Wildschwein Afrikas. Es ist überall südlich der Sahara anzutreffen. Am Kilimandscharo dringt es bis auf 3000 m Höhe vor. Das Warzenschwein gilt als Wirt von zahlreicher Parasiten von Nutztieren wird daher außerhalb der Schutzzonen gejagt.

Warzenschweine bevorzugen übersichtliches Gelände: Man findet sie in den Savannen und offenen Steppen. Wälder und dicht bewachsenes Gelände meiden sie. Besonders häufig trifft man sie an Wasserlöchern, in denen sie sich gern suhlen.

Warzenschwein sucht
Foto: Uwe Walz

Körperbau
Ein ausgewachsenes Warzenschwein besitzt eine Körperlänge von ca. 130 cm (zzgl. 40 cm Schwanzlänge), bei einem Körpergewicht von etwa 85 kg und einer Schulterhöhe von etwa 75 cm. Die Weibchen sind etwas kleiner als Männchen. Der große Kopf macht fast ein Fünftel der Körperlänge aus.

Wie bei allen Schweinen ist die Schnauze so lang, dass sie durch einen zusätzlichen Knochen gestützt werden muss. Damit kann der kurze Rüssel zum Graben in der Erde genutzt werden. Ihr Geruchssinn stark ausgeprägt und hilft im Boden verborgene Pflanzen zu entdecken.

Die Zähne dienen in erster Linie dem Zermahlen der Nahrung. Die unteren Eckzähne sind besonders ausgeprägt. Sie sind nach oben gebogen und besitzen eine Länge von 40 bis 60 cm. Sie schleifen sich ab und entwickeln sich zu sehr scharfen „Stiletten“.

Somit können die unteren Eckzähne zur Verteidigung selbst gegen Löwen oder Geparden eingesetzt werden. Folge: Raubtiere scheuen sich Warzenschweine anzugreifen. In vielen zoologischen Gärten sind Pfleger schon schwer von diesen Zähnen verletzt worden.

Zwischen Augen und Schnauze finden sich die typischen drei Hautwarzenpaare, welche ihnen auch den Namen gegeben haben.


Foto: Uwe Walz

An Nacken und Rücken befindet sich im Unterschied zum sonstigen Fell eine deutlich ausgeprägte Mähne.
Warzenschweine laufen mit erhobenem Schwanz und können kurzzeitig bis zu 50 km/h schnell werden. Ihr Schwanz besitzt eine kleine Quaste. Die erhobene Quaste beim Laufen ist zugleich Warnsignal an die anderen Warzenschweine.

Sie sind von recht hochbeiniger Statur besitzen ein sehr großes Sehfeld durch ihre hoch und weit hinten liegenden Augen. Der Nachteil ihrer Hochbeinigkeit ist aber, dass sie sich auf die Gelenke der Vorderläufe fallen lassen müssen um den Boden zu erreichen.
Wie alle Schweine, besitzt auch das Warzenschwein an jedem Fuß 4 Zehen. Der Daumen ist bei allen Paarhufern zurück entwickelt.

Warzenschweine besitzen kaum Unterhautfettgewebe, weshalb sie sich in den kühlen Nächten immer in ihre Höhlen zurückziehen. Meist liegen sie dann dicht gedrängt, um sich zu wärmen.

Warzenschwein kniet
Foto: Uwe Walz

Ernährung
Warzenschweine sind typische Pflanzenfresser. Sie ernähren sich vor allem von Gras und Pflanzenwurzeln, welche sie zur Trockenzeit ausgraben. Zur Nahrungsaufnahme rutschen sie auf den Handwurzelknochen vorwärts (Foto), auf denen sich breite Schwielen befinden. Nur selten verzehren sie Früchte oder tote Tiere.


Foto: Uwe Walz

Verhalten
Warzenschweine sind im Gegensatz zu anderen Schweinen ausschließlich tagaktive Tiere, die gesellig in Rotten zusammenleben. Es bilden sich immer Familienrotten. Häufig schließen sich mehrere Familienrotten zu einer großen Gruppe zusammen.

Wenn sich Warzenschweine treffen, reiben sie zunächst ihre Köpfe aneinander und betreiben danach gegenseitige Hautpflege, da sie selber ihren eigenen Körper, außer bei Schlammbädern, nicht reinigen können. Sie sind also typische Kontakttiere. Nachts und in der Mittagshitze leben sie in kleinen Höhlen, in die sie sich meist rückwärts hinein begeben, so dass mögliche Feinde direkt bekämpft werden können; nur Jungtiere gehen normal hinein, ein Keiler besetzt danach den Ausgang.

Warzenschwein frontal
Warzenschwein mit Jungtier
Fotos: Frank Stober

Diese Höhlen bauen sie selten selber, sondern übernehmen leere Höhlen der fast gleichgroßen Erdferkel. Sie schützen sie auch gegen die Kälte in der Nacht und zu großer Hitze am Tag vor allem in den Mittagsstunden. Die Höhlen sind also eine natürliche Klimakammer für die Warzenschweine. Auch bei Gefahr flüchten die standorttreuen Warzenschweine in ihr Zuhause.

Warzenschweine kennen keine Reviere, nur die Wohnhöhle beansprucht immer eine Familie für sich allein.

Kämpfen Warzenschweine untereinander, kommt es selten zu blutigen Verletzungen. Es ist mehr ein Drücken und Schieben mit dem Ziel, den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Um sich bei ihren Ritualkämpfen nicht zu verletzen, kämpfen sie dabei Stirn gegen Stirn.

Durch die ausgedehnten Schlammbäder nehmen die Warzenschweine die Farbe der Umgebung an und sind bestens getarnt. Der Schlamm trocknet auf der Haut und wird an Steinen abgerieben. Hierdurch können Warzenschweine außerdem kleine Parasiten aus der Haut entfernen. Sie tolerieren aber auch kleine Vögel, die ihnen Maden und Parasiten aus der Haut picken.

Warzenschwein nah
Fotos Frank Stober

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung findet meist im frühen Sommer statt. Die Weibchen sind alle 6 Wochen paarungsbereit und zeigen dies durch häufige Harnabgabe an. Nach ca. 175 Tagen Tragezeit werfen die Warzenschweinbache 3 – 8 (meist 3 - 4) ungestreifte, knapp 700g schwere Frischlinge. Häufig haben Warzenschweine zweimal im Jahr Nachwuchs.

Da die Bache nur 4 Zitzen besitzt, werden oft nur 4 Frischlinge überleben können, die anderen gehen zugrunde. Die neue Schlafhöhle dient zugleich als Kinderstube, in der die kleinen Frischlinge groß werden. Anders als andere Säuger, werden die Frischlinge meist stehend gesäugt. Bereits nach einer Woche begleiten die jungen Frischlinge die Mutter bei der Nahrungssuche, werden aber noch die ersten Monate gesäugt. Erst nach 3 Monaten sind sie entwöhnt.

Warzenschwein Kampf
Foto: Frank Stober

Trächtige Warzenschweine suchen sich neue Gebiete und sondern sich für kurze Zeit von der Gruppe ab. Sie suchen Gebiete, in denen bislang keine Warzenschweine leben, und verlassen damit die Jungen aus dem letzten Wurf, welche spätestens jetzt für sich selbst sorgen müssen. Die Weibchen sind bereits nach einem Jahr geschlechtsreif, bleiben jedoch wie die Keiler bis zu 2 Jahren bei ihrer Familienrotte. Nach der Geburt der Jungen kehrt die Bache zu ihrer Rotte zurück. Warzenschweine sind monogam und bleiben dem Partner dauerhaft treu.

Die hohe Geburtenrate ist zur Bestandserhaltung notwendig, da viele Frischlinge an Krankheiten und Schmarotzern sterben. Die Hälfte der jungen Frischlinge wird kein halbes Jahr alt.

Warzenschweine erreichen ein Alter von 10 bis 12 Jahren; nur sehr selten mehr als 15 Jahre Hauptfeinde der Warzenschweine sind Raubtiere, vor allem die Löwen, Hyänen und Adler.

Warzenschwein im Schlamm
Foto: Frank Stober



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Warzenschwein

Natur-Lexikon.com