Gotteanbeterin

Europäische Gottesanbeterin
(Mantis religiosa)

Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung: Fangschrecken (Mantodea)
Familie: Gottesanbeterinnen (Mantidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00060

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Einleitung und Verbreitung
Ihr Name rührt von der gebetsartigen Haltung Ihrer Fangarme her. Auch der wissenschaftliche Name „religiosa“ deutet in diese Richtung. Der Name „Mantis“ hat seinen Bezug im griechischen und bedeutet so viel wie „Seherin“. Schon Jahrhunderte lang spielte die Gottesanbeterin eine große, religiöse Rolle u.a. bei den Mittelmeervölkern.

Die Gottesanbeterin, als einzige heimische Fangschreckenart, ist heute in Deutschland sehr selten (Rote Liste Art, streng geschützt) und wird nur noch in den warmen Gebieten Südbadens und des Saarlandes angetroffen. Im Mittelmeerraum ist sie, neben vielen anderen Fangschreckenarten, recht häufig. Sie leben an sonnigen trockenen Orten mit halb hoher Vegetation z.B. an Weinbergen oder Trockenwiesen.
Sie ist eine der am weitesten verbreiteten Fangschreckenart überhaupt. Zwischen Frankreich und Japan kommt sie in den warmen und trockenen Gebieten vor.

Gottesanbeterin

Ernährung und Körperbau
Der Oberkörper ist auffällig verlängert und der Kopf völlig frei beweglich. Der eher kleine Kopf hat eine dreieckige Form, wobei zwei Ecken mit den Augen besetzt sind. Nach vorn ragt der kräftige Mund mit seinen Beiss- und Greifwerkzeugen.
Das erste Beinpaar ist zu kräftigen, dornenbesetzen Fangbeinen umgewandelt, welche im Ruhezustand eingeklappt sind. An der Innenseiteseite der Vorderbeine besitzt sie jeweils einen typischen weißen Fleck mit schwarzem Rand.
Die Flügelpaare sind unterschiedlich groß. Das kleine vordere Flügelpaar verdeckt in Ruhestellung die hinteren Flügel.


Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von ca. 8 cm die Männchen sind ca. 2 cm kleiner und deutlich schlanker. Sie bewegen sich langsam an den Halmen, wobei die Männchen auch Hüpfen oder kurze Strecken fliegen können. Die Weibchen sind fast flugunfähig. Aufgrund ihres Gewichtes findet man die Weibchen meist tiefer im Gas sitzen.Zur Jagd sitzt die Gottesanbeterin starr im Gras oder an einem Halm, dabei ist sie hervorragend getarnt und kaum zu entdecken. Schenkel und Schienen der Vorderbeine hängen frei und sich dicht angelegt. Nach innen sind diese stark dornenbewehrt. Sie wird von ihren Opfern meist nicht erkannt, da diese besonders gut Bewegungen wahrnehmen können und die Gottesanbeterin absolut still sitzt.

Oft steigen die Opfer sogar direkt über die Gottesanbeterin herüber. Nährt sich ein Opfer schnellen ihre Vorderbeine und die verlängerte Hüfte ruckartig nach vorn. Die Beute wird zwischen Schenkel und Schiene gepackt. Die Dornen verhindern jede Flucht. Nun legt die Gottesanbeterin die Beine wieder an. Die Beute befindet sich jetzt unmittelbar vor dem freibeweglichen Kopf und wird verspeist.

Fangschrecken sind tagaktiv und orientieren sich fast ausschließlich mit ihrem Gesichtssinn.
Während die europäische Gottesanbeterin vornehmlich räuberisch Insekten vor allem Zweiflügler und Hautflügler erbeutet, erlegen die großen Mittelmeerarten auch kleine Wirbeltiere oder Jungvögel.
Sie sind reine Fleischfresser und nehmen keinerlei Pflanzen zu sich.

In Gefangenschaft oder Nahrungsarmut werden zuweilen (ähnlich wie bei vielen Spinnenarten) auch die Männchen nach der Begattung gefressen, um den immensen Eiweissbedarf des Weibchens zu decken.

Fortpflanzung und Entwicklung
Zur Paarung nährt sich das Männchen vorsichtig dem Weibchen und springt auf ihren Rücken. Dabei hält er mit seinen Fangarmen ihre Fangarme fest umschlossen. Die Paarung zieht sich über mehrere Stunden. Gegen Ende der Paarung verliert das Weibchen ihre Lethargie und die Männchen flüchten.

Wenige Tage nach der Paarung legen die Weibchen mehrere ca. 4 cm lange, gelb-braune Eikokons (zusammengeklebte Eikammern) ab, die jeweils ca. 150 - 200 Eier enthält. Sie sind unterseits flach und nach oben gewölbt. Die Eier überwintern und sind auch frostbeständig. Im nächsten Frühjahr schlüpfen die Larven (Nymphen), die nach der ersten Häutung freie Fangarme besitzen und zunächst Kleininsekten (z.B. Blattläuse) jagen. Um sich nicht gegenseitig als Beute zu jagen verstreuen sich die jungen Gottesanbeterinnen sehr schnell im Umfeld.

Gottesanbeterin

Bei jeder der folgenden 6 bis 8 Häutungen kann die Gottesanbeterin ihre Farbe ändern, dabei passt sie sich dem Untergrund mit hellbraunen, grauen und grünen Farbtönen der jeweiligen Umgebung ideal an.
Reife Individuen sind ab August bis in den Oktober zu sehen.



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