Große Heidelibelle

Grosse Heidelibelle (Sympetrum striolatum)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung:
Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Segellibellen (Libellulidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00057

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Einleitung und Verbreitung
Die große Heidelibelle ist eine ursprünglich mediterrane Art, welche sich bei uns in Süd- und Mitteldeutschland eingebürgert hat; sie ist meist entlang des Rheingrabens in warmen Gebieten zu finden. Ursprünglich ist sie im Mittelmeerraum und Südeuropa heimisch. Sie ist eine Tieflandart, die überwiegend die großen Flusstäler besiedelt. Nur selten ist sie über 600 Meter anzutreffen, in diese Gebiete dringt sie nur in warmen Jahren vor.

Im Norden Europas ist sie kaum zu finden. Insgesamt ist sie in Deutschland viel seltener als die Gemeine Heidelibelle zu finden. Trotzdem ist diese Art (noch ?) nicht gefährdet.

Die grosse Heidelibelle ist verbreitet an kleinen Stehgewässern zu finden, welche idealerweise kleine Sandbereiche aufweisen. Aber auch Flussarme, Pioniergewässer oder Kanäle werden besiedelt. Nur in sehr sauren Gewässern wie z.B. Mooren ist sie nicht zu finden. Die Gegenwart von Menschen stört sie nicht; ganz im Gegenteil sie fliegt im Herbst häufig Menschen (z.B. Angler) an, um sich ideal zur Sonne zu stellen.

So findet man sie auch an Park- oder Anglerteichen häufig.

Junges Weibchen

Körperbau und Ernährung
Ihre Körperlänge beträgt ca. 40 mm und ihre Flügelspannweite bis zu 70 mm..
Die Beine sind gelblich-schwarz längsgestreift.
Die Männchen besitzen einen roten Hinterleib, welcher bei den Weibchen gelb-braun gefärbt ist.
Der Thorax ist bräunlich-gelb mit einer z.T. ausgeprägten Seitenbinde.

Je nach Körpertemperatur und Jahreszeit können Veränderungen in der Körperfärbung einsetzen. Meist handelt es sich dabei um eine Verschiebung zum Braunen hin, dabei ist auch die helle Seitenbinde oft kaum mehr zu sehen. Auch mit zunehmenden Alter dunkeln die Heidelibellen nach.

Die grosse Heidelibelle kann leicht mit der gemeinen Heidelibelle verwechselt werden. Mit etwas Übung können die beiden Arten an der Querbinde auf der Stirn unterschieden werden. Nur bei der gemeinen Heidelibelle läuft diese Binde noch weiter an den Augen herab. Die große Heidelibelle ist ein wenig größer und der Hinterleib gerade, während er bei der gemeinen Heidelibelle keulenförmig verdickt ist.

Die große Heidelibelle ist eine sonnenliebende Art, welche bereits in den frühen Morgenstunden in der Sonne sitzt und bis in den Abend die letzten Strahlen nutzt. Die Paarung und Eiablage findet meist am Vormittag bis in den frühen Nachmittag statt. Erst im Herbst verschiebt sich dies in die Mittagsstunden.

Sie fliegt von Ende Juli bis in den November hinein. Einzelne Individuen können auch überwintern und werden entsprechend früh im folgenden Jahr gesichtet. Sie sind frostbeständig. Mit etwas Glück können sie im November oder Dezember noch gesehen werden, wobei dann auch Eiablagen über Eis stattfinden können. Die Luft hat dann nur wenig Grad über Null, aber auf den Steinen zum Wärmen in der Sonne werden bereits 15 Grad erreicht. Die großen Heidelibelle ist in der Lage durch intensive Flügelbewegungen die eigene Körpertemperatur soweit zu heben, dass sie auch bei geringen Außentemperaturen starten kann. Bei 10 Grad benötigt sie nur einen kleinen Bruchteil der Aufwärmzeit wie die Blutrote Heidelibelle.

Die Jagdhabitate liegen meist unmittelbar am Gewässer. Hier zeigen die Männchen typisches Revierverhalten gegenüber anderen Segellibellen . Allerdings wird die Heidelibelle leicht in ihren Revieren vom Blaupfeil oder der Feuerlibelle verdrängt. Die Heidelibellen verteidigen allerdings kein echtes Revier, sondern mehr ihren Ansitz.

Schattige Uferabschnitte werden von Heidelibellen gemieden und entsprechende Reviere nach Beschattung schnell aufgegeben.

Gern sitzt sie auf Steinen oder Ästen, um ihr Revier zu beobachten. An heissen Tagen nimmt auch sie die Obelisken-Haltung ein, wobei der Hinterleib in Richtung Sonne gereckt wird, um die Aufheizung zu minimieren.

Typische Beutetiere sind kleine Insekten, wie Mücken oder Bremsen.

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung beginnt im Flug und wird am Boden oder auf einem Ast sitzend verbracht. Sie zieht sich über einige Minuten hin. Die Eiablage erfolgt exophytisch zunächst im wippend Tandemflug, wobei das Männchen das Weibchen dirigiert. Hierbei taucht das Weibchen den Hinterleib rhythmisch in das Wasser ein und presst dabei einen Eiballen heraus. Die Eier werden dann geradezu abgeworfen. Die letzten Eier legt das Weibchen ohne das Männchen, selten sogar ohne Bewachung durch das Männchen ab.

Artfremde Paarungsversuche unterschiedlicher Heidelibellen kommen häufig vor, da die Geschlechtsorgane zu unspezifisch gebaut sind und die äußeren Erkennungsmerkmale nicht ausgeprägt genug sind.

Die Eier überwintern, nur in warmen Sommern erfolgt die Entwicklung zur Larve und Libelle noch im gleichen Jahr. Eine Überwinterung der Larven ist nicht bekannt.


Älteres Weibchen im Herbst

Die Larven leben in geringer Tiefe nicht eingegraben zwischen Wasserpflanzen in Gewässern mit keiner oder geringer Fließgeschwindigkeit. Ein längeres Austrocknen ihres Habitats überleben die Larven nicht. Die Entwicklung der Larven verläuft sehr schnell und kann in warmer Umgebung bereits nach 14 Wochen abgeschlossen sein, was im Einzelfall zu einer zweiten Generation führen kann.

Zum Schlüpfen verlassen die Larven das Wasser nur wenige Zentimeter. Der Schlupf findet meist am Bewuchs des Gewässerrandes statt. Die ideale Schlüpfzeit hängt mit dem Sonnenschein des Habitats zusammen und kann ganztägig stattfinden, die bevorzugte Schlüpfzeit sind die späte Morgenstunden. Der Jungfernflug reicht nur wenige Meter. Nach der Trocknung erfolgt die Reifezeit meist einige Kilometer vom Gewässer entfernt. Die Reifezeit beträgt in warmer Umgebung ca. 8 Wochen und in kühlem Umfeld nur 4 Wochen.

Die Schlupfzeit beginnt Mitte Juni und findet ihren Höhepunkt im August.
In warmen Jahren schlüpfen in einer zweiten Generation einzelne Tiere noch im Herbst.



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