Westliche Keiljungfer

Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung:
Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Flußjungfern (Gomphidae)

Autor: Matthias Zimmermann
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Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00056

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Einleitung und Verbreitung
Die westliche Keiljungfer ist als einzige Flußjungfer nicht gefährdet. Sie kommt vor allem im wärmeren Süd-Westeuropa vor. Größere Teiche und Seen, sowie seltener Flüsse oder breite Bäche werden von ihr besiedelt. Inzwischen ist sie in Westeuropa an den meisten Baggerseen heimisch und breitet sich Richtung Norden aus. Typische Biotopmerkmale sind sonnenbeschienene Gewässer mit breiten Sand oder Kieszonen im Uferbereich. Damit ist sie die einzige Flussjungfer, welche gut an nicht schnell fließenden Gewässern angepasst ist. Vor gut 100 Jahren war sie in Deutschland noch nicht heimisch. In den von ihr besiedelten Gebieten gehört binnen weniger Jahre meist zu den häufigeren Libellenarten. Dies sollte jedoch nicht verschleiern, das sie in ihren eigentlich heimischen Biotopen, den Flüssen, kaum noch vorkommt.

Aufgrund der Bindung an breite Fließgewässer dringt die westliche Keiljungfer nur selten in höhere Lagen vor. Zwischen Mai und August kann man sie fliegen sehen. Sie gehört damit zu den früh fliegenden Großlibellen. Ihre Hauptschlüpf- und Hauptflugzeit liegt im Juni.

Körperbau und Ernährung
Gemeinsames Merkmal aller Flussjungfern sind die getrennten Augen, hieran lassen sie sich sicher erkennen. Sie besitzt eine ausgedehnte gelbe Zeichnung und gelb-schwarz gestreifte Beine. Direkt nach dem Schlupf ist die westliche Keiljungfer noch hellgrün und so mit im Gas fast unsichtbar; erst nach einigen Stunden wandelt sich der Grünton in ein Gelb um. Im Laufe der Flugzeit verfärbt sich das Gelb in ein Grau-Oliv. Über den gesamten Hinterleib zieht sich ein heller Streifen, eingebettet in eine schwarze Grundfärbung.

Sie besitzt eine Körperlänge von ca. 5 cm bei einer Flügelspannweite von 6 – 7 cm. Im Unterschied zu allen anderen Keiljungfern ist ihr Hinterleib nicht verdickt, sondern läuft spitz aus.

Die blauen Augen wirken blasser als bei anderen Flußjungfer-Arten.

Die westliche Keiljungfer ist kein Ansitzjäger, sie erbeutet ihre Opfer aus dem Flug. Allerdings sitzt sie häufig im Gras oder auf engen Wegen und sonnt sich. Da sie auf dem Boden gut getarnt sind, entdeckt man sie meist erst, wenn sie direkt vor einem auffliegen. Oftmals trifft man sie auch weiter vom Gewässer entfernt an, sie bevorzugt dabei sonnige Wiesen und Sandwege. Im hohen Gras ist sie ideal gefärbt und kaum zu entdecken.

Sie besitzen keine Reviere die sie verteidigen; häufig sieht man auch einige Männchen gemeinsam in der Sonne sitzen. Ihre Beute sind sitzende oder niedrig fliegende Kleininsekten, welche sie mit ihrem kleinen Fangkorb greifen können. Wegen ihres eher unbeholfenen Fluges, werden sie häufig Opfer von Vögeln. Aufgrund ihrer geringen Fluchtdistanz fallen sie selbst Bachstelzen „zu Fuß“ zum Opfer.

An Badeteichen landen sie nicht selten auf den Rücken oder Beinen der Badegäste.

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung findet meist in sonnigen Wiesen statt und die Paarungsräder hängen im hohen Gras (Foto) oder Bäumen. Das Weibchen legt die Eier allein ab. Die Eier werden in großem Abstand auf der offenen Wasseroberfläche abgelegt; vergleichbar mit dem großen Blaupfeil. Die Eier besitzen eine gallertartige Haftschicht, mit der sie sich an das vorhandene Substrat binden.

Die Larven sind meist nachtaktiv und vergraben sich tagsüber im Schlamm, hierdurch sind sie vor ihren stärksten Fressfeinden, den Fischen, geschützt. In Südeuropa überleben die Larven auch die Austrocknung von Gewässern. Die Larven benötigen ca. 2-4 Jahre zu ihrer vollständigen Entwicklung, dabei halten sie sich meist im flachen Bereich der Gewässer auf, nur selten leben sie in mehr als 1 Meter Tiefe. Ihre Hauptwuchszeit liegt zwischen Mai und Oktober. Der Schlüpfvorgang läuft sehr schnell ab, nach meist weniger als 30 Minuten startet die westliche Keiljunger aus dem ungeschützten Uferbereich ihren Jungfernflug in benachbarte Wiesen oder Bäume, um dort innerhalb weniger Stunden auszuhärten.



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