Flusspferd

Flusspferd syn. Nilpferd
(Hippopotamus amphibius
syn. Diceros bicornis)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Paarhufer (
Artiodactyla)
Familie:
Flusspferde (Hippopotamidae)
Gattung:
Großflusspferde (Hippopotamus)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00046
Alle Fotos: Uwe Walz

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Einleitung
Die Familie der Flusspferde ist sehr artenarm und besteht nur aus 2 Arten, die jeweils eine eigene Gattung füllen; das Flusspferd (Großflusspferd) und das Zwergflusspferd. Beide Arten unterscheiden sich deutlich in der äußeren Erscheinung und Größe.

Die Bezeichnung Nilpferd lässt sich auf die ersten entdeckten Exemplare am Nil zurückführen, leitet aber fehlt, da sie einen viel größeren Verbreitungsraum besitzen und heute am Nil vollständig ausgerottet sind. Aber auch der Name Flusspferd (Hippo = Pferd; potamus=Fluss) ist nicht viel besser, da das Flusspferd eher mit den Schweinen als den Pferden verwandt ist.

Nilpferd

Verbreitung
Vor wenigen tausend Jahren waren Flusspferde noch über ganz Afrika verteilt und überall, wo es Wasser gab in riesigen Herden häufig anzutreffen. Heute ist es in weiten Teilen Afrikas durch den Menschen ausgerottet und nur noch südlich der Sahara vornehmlich in Schutzgebieten gegenwärtig. Flusspferdzahn wurde häufig als „Elfenbeinersatz“ gehandelt, aber auch wegen des Fleisches wurden die Flusspferde verfolgt.

In fast allen zoologischen Gärten werden heute Flusspferde gehalten, da sie leicht zu pflegen und wenig anfällig gegen Krankheiten sind.

Flusspferde leben amphibisch und verbringen den größten Teil ihres Lebens im Wasser. Zum einen um nicht zu überhitzen (ungünstiges Masse/Oberfläche Verhältnis) und um nicht den ganzen Tag ihre schwere Last tragen zu müssen. Erst in der Nacht verlassen sie das Wasser und äsen auf naheliegenden Weiden; sind diese abgegrast wandern sie jede Nacht einige Kilometer um frische Weiden zu erreichen.

Körperbau
Die Körperlänge kann bis zu 4,50 Meter und die Schulterhöhe ca. 1,70 Meter betragen, wobei es ein Gewicht von über 3 Tonnen erreichen kann. Der kleine Schwanz wirkt mit ca. 30 cm sehr kurz. Trotz des Gewichtes sind Flusspferde sehr wendig und schnell, ein laufender Mensch wird von ihnen leicht überholt.

Der Hirnschädel ist im Vergleich zum Kopf sehr klein, vor allem der Kiefer dominiert den Kopf. Der Magen ist an die Verdauung größerer Pflanzenmengen angepasst und hat (wie bei Wiederkäuern) mehrere Teilmägen und einen Hauptmagen.

Auffällig ist eine Konvergenz zwischen Flusspferd, Krokodil und Frosch. Ihnen gemeinsam ist die Achse Augen, Ohren und Nase auf fast einer Höhe. Dadurch können sie unter Wasser treiben und nur wenig mit dem Kopf herausschauen, dabei aber alle wichtigen Sinne einsetzen. Als Anpassung an die Wasserumgebung können Nase und Ohren natürlich verschlossen werden, um ein Eindringen des Wassers beim Untertauchen zu vermeiden..

Die Zähne wachsen zeitlebens nach und werden beständig durch die Gegenzähne geschliffen; insbesondere die bis zu 50 cm langen dolchartigen Eckzähne sind auffällig. Die unteren Schneidezähne haben sich in kleine spitze Stangen verwandelt die nach vorn aus dem Mund schauen. Bei der Nahrungsaufnahme dienen die Zähne als „Harke“ um Nahrung vom Boden zu grasen.

Die kurzen und kräftigen Beine münden in breiten Füßen mit 4 Zehen (Paarhufer), welche durch kleine Schwimmhäute verbunden sind. Allerdings sind die Zehen kaum noch spreizbar. Auffällig ist, dass die hinteren Zehen, die gleiche Größe wie die vorderen Zehen aufweisen, was mit dem „Gang“ unter Wasser zu tun hat.

Flusspferde besitzen eine mehrere Zentimeter dicke Haut, die zum Temperaturausgleich im Wasser bzw. an der Sonne dient. Erstaunlicherweise befindet sich unter der Haut keine ausgedehnte Fettschicht, wie man sie eigentlich bei dem Körperbau vermuten sollte. Die Haut ist unbehaart, nur am Kopf und am Schwanz finden sich kleine Borsten. Flusspferde schwitzen nicht, sondern aber einen rötlichen Schleim auf der Haut ab, welcher dafür sorgt, dass ihre Haut auch außerhalb des Wassers immer feucht bleibt. Zugleich scheint dieser Schleim eine desinfizierende Wirkung zu besitzen.

Sie sind in der Lage sehr laute Töne, vor allem Schnaufgeräusche, von sich zu geben und sind über Kilometer weit zu hören. 100 Dezibel werden von einem Bullen leicht übertroffen.

Flusspferd mit Jungtier

Ernährung und Verhalten
Großflusspferde sind tagaktiv und sehr gesellig. Häufig kommen große Gruppen mit mehr als hundert Tiere vor. Dabei sind Bullen und Kühe gemischt. Die Bullen sichern sich ein Territorium, welches für Flusspferdkühe eine große Rolle bei der Partnerwahl spielt. Gute Territorien haben einen sandigen niedrigen Untergrund und einen kurzen Weg zur abendlichen Weidefläche. Diese Territorien sind z.T. einige hundert Quadratmeter groß und werden ein Leben lang verteidigt. Der Territorieninhaber duldet auch andere Bullen in seinem Territorium, jedoch darf nur er sich mit auftauchenden Kühen paaren. Treffen zwei Revier inhabende Bullen auf der Grenze aufeinander, führen sie ein Markierungsritual auf, wobei über viele Meter Kot und Urin durch schnelle Schwanzschläge in die Luft gespritzt wird.

An Land setzen die Bullen Ihren Kot immer wieder an denselben Stellen ab, so das im Laufe der Zeit riesige Kothaufen entstehen, die wahrscheinlich mehr der Orientierung auf dem Weg zum Weiden, als der Reviermarkierung dienen.

Flusspferde sind sehr schlechte Schwimmer, meist wandern sie auf dem niedrigen Grund. Dabei können sie mehr als 5 Minuten unter Wasser bleiben. Da sie schwerer als Wasser sind, sinken sie immer bis auf den Gewässergrund, bzw. verlassen ihn nie. Ein Treiben auf der Wasseroberfläche bleibt ihnen daher verwehrt. In tieferem Gewässer bleiben die Flusspferde auf dem Grund und stoßen sich alle paar Minuten zur Oberfläche , um zu atmen und dann wieder abzusinken. Auf diese Weise können sicher auch kleine Flüsse durchquert werden.

Sie ernähren sich vor allem von Gras, Wasserpflanzen werden verschmäht. Ca. 150 kg verspeisen sie jeden Tag; durch ihren mehrteiligen Magen können sie auch schwerverdauliche Gräser erschließen.

Kämpfe zwischen Flusspferden verlaufen meist harmlos und bestehen mehr aus Drohungen. Sicher ist das aufgerissene Flusspferdmaul eine sehr wirkungsvolle Drohgebärde. Eine Ausnahme bilden die Revierkämpfe, welche zuweilen bis zum Tod ausgetragen werden.

Jungbullen zeigen gegenüber den Revierbullen ein ausgesprochenes Demutsverhalten.

An Land gibt es keine Reviere, hier kann jedes Flusspferd weiden, wie es mag.

Aufgrund der großen pflanzlichen Nahrungsmenge scheiden die Flusspferde riesige Mengen an Kot den Tag über aus. Allerdings ist dieser sehr gut verwertet, Flusspferde besitzen einen fast doppelt so langen Darm wie Elefanten. Durch die großen Kotmassen der Flusspferde im Wasser, werden die Seen und Flüsse stark gedüngt, was zu einem großen Entwicklungsschub der Flora und Fauna führt. Allerdings ist das Wasser in der Nähe von Flusspferd Ansammlungen stets durch Kot völlig trübe. Auch das Weiden an den Gewässerrändern vermeidet nicht nur Brände, sondern führt auch zu Ansiedlungen von Büschen und Bäumen und in Folge dessen zu einer reichhaltigen Vogel-, Reptilien und Insektenwelt. Allerdings nur bis einem gewissen Grad, ist die Überweidung zu stark versteppen die umliegenden Landstriche.

Flusspferdgruppen bilden keine große Sozialgemeinschaft. Sie sind mehr zufällig zusammen. Die einzigen festen Eckpunkte sind die Reviere mit ihren Besitzern und die Mutter-Kind Gruppen.

Ähnlich wie Nashörner dulden auch Flusspferde Vögel, Schildkröten und Fische an oder auf sich, um sich von Insekten oder Schädlingen befreien zu lassen.

Flusspferd Gruppe

Fortpflanzung und Entwicklung
Flusspferde paaren sich im Wasser, wobei die Kuh fast vollständig unter Wasser gedrückt wird und nur zum Luftholen an die Oberfläche kommt. Die Tragezeit beträgt etwa 8 Monate und es wird nur ein Junges geboren. Die Geburt findet im flachen Wasser statt. Die jungen Flusspferde wiegen bei der Geburt schon fast 50 kg. Sie können unmittelbar nach der Geburt bereits laufen und sich vom Wassergrund zur Oberfläche abstoßen. Mit etwas Glück können sie bei der Mutter auf dem Rücken sitzen und so die ersten Lebensstunden erholsamer verbringen. Um das Junge auf sich zu prägen, verscheucht die Mutter in den ersten Tagen alle anderen Flusspferde aus der Nähe. Danach schließt sie sich der Gruppe wieder an. Die ersten Wochen ernährt es sich ausschließlich von der Muttermilch, danach kommen zunehmend Pflanzen dazu. Gesäugt wird unter Wasser, d.h. das junge Klab muss erst einmal abtauchen, um zu trinken. Nach ungefähr einem Jahr ernährt es sich ausschließlich von Pflanzen.

Die Kühe pflanzen sich fast alle zwei Jahre fort.

Nach ca. 6 Jahren werden junge Flusspferde geschlechtsreif. Je nach Bestandsdichte gibt es große Unterscheide, was zu einer automatischen Bestandsregulation führt. Bullen sind zwar auch mit 6 bis 8 Jahren geschlechtsreif, besitzen aber kein eigenes Revier. Daher paaren sich Bullen i.d.R. meist erst mit 20 Jahren oder älter.

In freier Wildbahn können Flusspferde ca. 40 Jahre alt werden.

Flusspferd Gruppe  ruhend

Feinde
Flusspferde kennen außer dem Menschen kaum Feinde. Nur die Jungtiere werden häufiger Opfer von Hyänen oder Löwen, insbesondere wenn die Mutter zur Nahrungsaufnahme auf die Weide gezogen ist.

Zwergflusspferde (Hippopotamus choeropsis)
Eine verwandte Art sind die Zwergflusspferde. Sie sind wesentlich kleiner und leichter, da sie nur auf dem Land, zumeist im Regenwald leben. Anders als die großen Flusspferde, sind sie typische Einzelgänger. Sie verzehren auch kein Gras, sondern Laub und Großpflanzen. Sie mögen zwar das Wasser, sind aber echte Landtiere. An Land findet auch die Paarung und Geburt statt.

Da Sie im Regenwald leben sind sie erst viel später vom Menschen entdeckt worden.



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