Nashorn

Spitzmaul-Nashorn (Diceros bicornis)
syn. Schwarzes Nashorn

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung:
Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie:
Nashörner (Rhinocerotidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00043

Alle Fotos: Uwe Walz

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Einleitung
Nach den Elefanten sind die Nashörner die größten und gewaltigsten Landsäugetiere. In prähistorischer Zeit gab es sehr viele Arten von Nashörnern, deren Blüte im Tertiär lag.

Das bekannteste prähistorische Nashorn war das Wollnashorn, welches während der Eiszeit in Europa verbreitet war. Seinen Namen verdankte es seinem dichtem, wolligen Fell.

Heute gibt es nur noch 5 verschiedene Nashornarten weltweit. In Afrika sind 2 Arten vorhanden, das Breitmaulnashorn und das Spitzmaulnashorn. Aus Asien sind noch das Panzernashorn, dass Javanashorn und das Sumatranashorn bekannt, allerdings fast ausgestorben. Das Panzernashorn und das Javanashorn verfügen nur über ein Horn, alle übrigen über 2 Hörner.

Das Spitzmaulnashorn ist heute das Nashorn mit den größten Beständen und zugleich das bekannteste, da es in vielen Zoologischen Garten ausgestellt wird.

Der Name schwarzes Nashorn ist irreführend. Er ist durch den meist dunkeln Schlamm entstanden in dem sich das Spitzmaulnashorn gern wälzt. Da der Schlamm im Lebensraum der Breitmaulnashörner sehr kalkhaltig ist, werden diese gern als weiße Nashörner bezeichnet. In sauberem Zustand besitzen beide jedoch dieselbe graue Farbe.

Nashorn Paar

Verbreitung
Wie viele andere große Landsäugetiere sind auch die Nashörner vom Aussterben bedroht, zum einen durch den Verlust von Lebensraum verursacht durch den Menschen und zum anderen durch die Jagd auf Nashörner. Zwischen 2.000 bis 5.000 Exemplare leben noch in freier Wildbahn, zumeist in Schutzgebieten.

Spitzmaul Nashorn

Das Spitzmaulnashorn lebt in der Übergangslandschaft zwischen der trockenen Savanne und dem Hochwald in Ost- und Südafrika, auch in Halbwüsten kann es sie überleben. Nur in den feuchten, heissen Regenwäldern sieht man Spitzmaulnashörner nie. Sie benötigen offene Wasserstellen, wo sie sich im Schlamm wälzen können, um sich vor Insekten zu schützen und kleine Wunden zu verschließen. Natürlich dienen die Schlammbäder auch der Abkühlung, da sie keine Schweißdrüsen besitzen und durch die hohe Masse bei geringer Oberfläche schnell zu Überhitzung führt. Nur in der Trockenzeit nehmen sie mit Staubbädern vorlieb. Ihre Reviere können dabei einige hundert Quadratkilometer umfassen. Sie sind sehr reviertreu, was aber auch bedeutet, dass sie nach einer örtlichen Ausrottung diese Reviere nicht wieder neu besetzten. Auch setzen bei schlechter werdenden Umweltbedingungen keine Abwanderungen in günstigere Lebensräume, zur Arterhaltung, ein.

Nashorn in Steppe

Körperbau
Spitzmaulnashörner können ausgewachsen mehr als 1,5 Tonnen wiegen. Sie erreichen eine Körperhöhe von ca. 1,5 Meter und eine Körperlänge von bis zu 4 Metern. Aufgrund ihres Körperbaus wirken sie schwerfällig und träge, was aber nicht der Fall ist. Sie sind in der Lage längere Strecken zu traben und fast jedes Gelände zu begehen, sie werden dabei zwischen 40 und 50 km/h schnell. Selbst in Höhen um 3.000 Meter sind sie schon gesehen worden.

Allein durch die doppelte Körpermasse unterscheidet sich das Breitmaulnashorn erheblich vom Spitzmaulnashorn. Auch die Oberlippe ist anders geformt, bei dem Spitzmaulnashorn ist sie zu einem schmalen fingerartigen Organ verändert, welches den Unterkiefer deutlich überlappt.

Alle Nashörner besitzen eine sehr dicke Haut, die gegen Dornen und Angriffe schützt. Die graue Haut ist unbehaart und nur am Schwanzende befindet sich ein kleines Haarbüschel.

Die zwei Nasenhörner bestehen aus klebriger Hornmasse, welche aus umliegenden Hautgewebe des Nasenbeins abgegeben wird. Anders als bei anderen Hornträgern enthält das Horn keinen festen Kern und ist ein reines Hautanhangsgebilde. Die Hörner stehen in Reihe hintereinander, wobei das zweite hintere Horn sichtbar kleiner ist. Durchschnittlich 60 bis 70 cm Länge weisen die vorderen Nasenhörner auf. Die Hörner werden in erster Linie im Kampf gegen Artgenossen und nur selten gegen artfremde Angreifer eingesetzt. Im Gegensatz zu den asiatischen Nashörnern mit ihren spitzen Zähnen, besitzen die afrikanischen Nashörner neben den Nasenhörnern keine weiteren Waffen.

Wird das Horn im Kampf abgerissen, bleibt eine blutige Stelle zurück aus der ein neues Horn wächst, bei jungen Nashörnern kann es sogar ganz nachwachsen

2 Nashörner

Nashörner besitzen erstaunlicherweise nur ein schwaches Sehvermögen. Dieser Mangel wird durch ein sehr gutes Gehör und einen hervorragenden Geruchssinn ausgeglichen.

Die Füße der Nashörner besitzen 3 Zehen, von denen der mittlere Zeh besonders kräftig ausgeprägt ist.
Wird ein Nashorn verletzt, z.B. im Kampf mit einem Artgenossen, so entstehen häufig schwere und langsam heilende Wunden. In diese offenen Wunden legen sehr schnell verschiedene Insekten ihre Eier ab. Auch durch das Wälzen im Schlamm und Staub können diese Parasiten nicht vollständig bekämpft werden. Es sind Vögel, die den Nashörnern nun helfen. Eine bestimmte Starenart (Madenhacker), setzten sich auf den Rücken der Nashörner und hacken die Maden aus den Haut des Nashorns. Die Nashörner lassen die Vögel gewähren, dafür warnen die Vögel zusätzlich Nashörner bei Gefahr durch lautes aufschreien und hochfliegen.
Die Lebensdauer der Spitzmaulnashörner beträgt ca. 40 Jahre.

Ernährung und Verhalten
Die beiden afrikanischen Arten unterscheiden sich stark im Ernährungsverhalten. Während das Breitmaulnashorn ein typischer Grasfresser ist, hat sich das Spitzmaulnashorn zu einem Laubfresser entwickelt. Dabei ergreift es die Zweige mit der beweglichen, verlängerten Oberlippe und zerkaut sie.

Nashörner benötigen viel Salz und besuchen häufig sogenannte Salzlecken, wo seit Generationen von den Nashörnern an Salzsteinen Salz geleckt wird.

Insgesamt sind Nashörner typische Einzelgänger. Ihre Reviere (ca. 100 – 200 Hektar) kennzeichnen sie mit Duftmarken aus Kot und Harn. Rangniedere Bullen versprühen oftmals keinen Harn und markieren auch keine Wechsel für sich. Bis zu 4 Meter weit sprühen die Bullen ihren Harn. Oftmals werden auch die Pflanzen am Weg markiert, um sich eine bessere Orientierung zu verschaffen.

Bei Begegnungen zweier Bullen hält der rangniedere immer den Kopf mit dem Horn zu Seite. Bei den Kämpfen der Bullen kommt es häufig nicht zum direkten Kontakt. Die Bullen rennen zwar aufeinander zu, stoppen aber kurz vor dem Zusammenstoß. Ein solches Verhalten findet man auch gegenüber fremden Angreifern, welche so schnell verscheucht werden können. Sicherlich hänge viele dieser Angriffe auch damit zusammen, das Nashörner ab 40 Meter nicht mehr scharf sehen können und erst einmal kraftvoll „heranrennen“, um zu sehen, was da ist.

Ihre Mimik ist nur sehr gering ausgeprägt, was mit ihren eingeschränkten Sehvermögen korrespondiert.

Nashörner haben sehr feste Verhaltensmuster und Tagesabläufe. So gehen sie z.B. einmal am Tag meist auf demselben Trampelpfad zum trinken. Sie nutzen immer dieselben Wege, welche sie dabei immer markieren.

Fortpflanzung und Entwicklung
Nach einem, einige Tage umfassenden Vorspiel, in deren Folge die Kuh rückwärts auf den Bullen zugeht, schließt sich eine Paarung von ca. einer halben Stunde an. Während der Brunftzeit paart sich eine Kuh nur einmal. Die Tragezeit beträgt 18 Monate; es wird in der Regel ein einzelnes Junge geboren. Es gibt keine festgelegte Paarungszeit, jedoch finden die meisten Paarungen in der Regenzeit (Oktober bis Dezember) statt.

Wie bei allen Huftieren steht das knapp 40 kg schwere Nashornjunge bald nach der Geburt selbständig auf und beginnt nach ungefähr einer Stunde bei der Mutter zu trinken.

Bereits nach 5 Wochen beginnt das Horn zu wachsen.
Das Kalb wächst bei der Mutter auf und wird erst vor der Geburt des nächsten Kalbs von der Mutter verstoßen. In einigen Fällen kehrt das verstoßene Kalb nach einigen Monaten zur Mutter zurück, so dass sich kleine lose Verbände bilden, die aber nie mehr als 3 bis 4 Tiere umfassen.

Nach 3 Jahren sind die jungen Kühe geschlechtsreif und bringen mit ca. 6 Jahren ihr erstes Junge zur Welt. Zwischen den Geburten liegt oft 3 Jahre Pause.

Die geringe Vermehrungsrate ist immer ausreichend für die Bestandserhaltung gewesen, da Nashörner sehr alt werden und kaum Feinde kennen. Erst durch den Menschen werden die Nashörner in ihrer Existenz bedroht. Und nun wird die geringe Vermehrungsrate zum großen Nachteil, da sich einmal dezimierte Bestände nur über Jahrzehnte langsam erholen.

Feinde
Außer dem Menschen haben die Nashörner keine echten Feinde in der Wildnis. Insbesondere der Glaube an die Heilkräfte des Horns in Asien, hat zu deutlichen Minimierungen der Bestände durch Bejagung geführt.



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