Schlammfliege (Sialis lutaria)

Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Schlammfliegen (Megaloptera)
Familie Schlammfliegen (Sialidae)

Autor: Matthias Zimmermann
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Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00042

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Einleitung
In Mitteleuropa kommen nur 3 Arten der Schlammfliegen vor, die zu einer sehr alten Ordnung von Insekten gehören, welche schon in Funden aus dem Perm nachgewiesen werden konnte. Seither haben sie sich kaum verändert.. Äußerlich sind die 3 Arten nur schwer zu unterscheiden. Jedoch bewohnen sie unterschiedliche Lebensräume. Nur S. lutaria findet man an Tümpeln und anderen stehenden Gewässern. Dabei findet man die Schlammfliege stets in Wassernähe. Sie ist in ganz Europa häufig.
In den Tropen kommen sehr viele Arten von Schlammfliegen vor, welche im Einzelfall bis zu 15 cm Flügelspannweite besitzen.

Die Schlammfliegen gehören zu den amphibiotischen Insekten. D.h. die Larven leben vollständig im Wasser und die Imagines (fertige Insekten, Vollkerfe) leben in der Luft.
Eine Verwandtschaft mit den echten Fliegen besteht nicht. Augenfällig wird dies schon durch die Flügelanzahl. Während die Schlammfliegen 4 Flügel besitzen, verfügen die Fliegen nur über 2 Flügel.

Körperbau
Die dunkelbaun gefärbten Schlammfliegen besitzen eine Flügelspannweite von fast 4 cm bei etwas über 2 cm Körperlänge. Ihrem Namen werden sie als Netzflügler sehr gerecht, den sie besitzen ein grobmaschiges dunkles Adernetz. Die Flügel bilden im Ruhezustand ein Dach über dem Körper.
Sie ähneln dabei den Kamelhalsfliegen, unterscheiden sich aber durch den deutlich kürzeren Hals.
Ihre Flugeigenschaften sind stark eingeschränkt, meist sieht man sie nur träge flattern. Wobei sie fast nur an warmen Tagen im Sonnenschein fliegen.

Die Männchen besitzen keine Flügelpaare, ihre Aufgabe besteht lediglich darin, sich mit den ausschlüpfenden Weibchen zu paaren. Nachdem alle Weibchen geschlüpft und befruchtet sind, sterben sie.

Paarung einer Schlammfliegenart Foto: Bernd Bellmann

Ernährung und Verhalten
Die Schlammfliegen sind recht träge. Obwohl sie tagaktiv sind, findet man sie häufig passiv an Uferränder in der Vegetation sitzend. Sie nehmen nur sehr wenig Nahrung (meist Nektar) zu sich, obwohl sie noch über ausgeprägte Mundwerkzeuge verfügen.
Ihre Flugzeit liegt im Sommer zwischen Mai und Juli.

Schlammfliegen nach der Paarung Foto: Bernd Bellmann

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarung der Schlammfliegen kann man oft schon im Mai, meist am Boden, beobachten. Dabei läuft das Männchen, angelockt von Duftstoffen, hinter dem Weibchen her. Ist das Weibchen eingeholt, kriecht das Männchen unter ihre Flügel, was das Weibchen zum Stillstand veranlasst und dem Männchen die Chance zur Begattung gibt. Das Weibchen legt die dunklen, länglichen Eier auf der Ufervegetation in Reihen ab (Foto). Meist befinden sich in diesen Gelegen mehrere hundert Eier.

Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven (nur 1 –2 mm lang) und lassen sich in das Wasser fallen. Sie sind erreichen schnell ca. 2 cm Körperlänge und besitzen kräftige Mundorgane und Zähne. Die Larven leben auf dem Grund des Gewässers und ernähren sich räuberisch von Wassertieren und anderen Larven. Nach zwei Überwinterungen mit 9 Häutungen, verlässt die Larve das Gewässer im Frühjahr und gräbt sich ein kleines Erdloch, im welchem sie sich verpuppt. Das zweiwöchige Puppenstadium verbringt die Schlammfliegenpuppe meist liegend. Sie besitzt dabei schon lange Fühler und bewegliche Beine. Das schlüpfende Insekt lebt dann meist nur wenige Tage. D.h. der eigentliche Teil des Lebens spielt sich unter Wasser ab.
Schlammfliegen durchlaufen also eine vollständige Metamorphose (holometabol):
Ei-Larve-Puppe-Vollkerf (Imagino).



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Schlammfliege

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