Kaiserpinguin

Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
Familie: Pinguine (Spheniscidae)
Gattung: Großpinguine (Aptenodytes)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00040

Alle Fotos von Fritz Pölking

► mehr Vögel


.

Einleitung
Pinguine sind Vögel, welche im Laufe der Evolution ihre Flugfähigkeit vollständig verloren haben. Im Gegenzug haben sie sich zu herausragenden Schwimmern entwickelt. Sie gehören damit zu den extrem spezialisierten Tierarten. Pinguine kommen grundsätzlich nur auf der Südhalbkugel vor; Kaiserpinguin ausschließlich in der Antarktis.

Durch ihre typische Färbung und Körperhaltung gehören sie zu den bekanntesten und beliebtesten Tieren. Es gibt 17 unterschiedliche Pinguinarten, wobei der Kaiserpinguin die größte Art darstellt und den extremsten Lebensraum besiedelt.

Die Gattung der Großpinguine (Aptenodytes) besteht nur aus 2 Arten, dem Kaiser- und dem Königspinguin. Obwohl der Kaiserpinguin nur wenig größer als der Königspinguin ist, wiegt er erheblich mehr, da er in sehr kalten Umgebungen lebt. Diese großen Fettpolster benötigt der Königspinguin in seinem Lebensraum, der Subantarktis, nicht.

Kaiserpinguin Gruppe

Körperbau und Ernährung
Pinguine sind dem Leben im und am Wasser perfekt angepasst. Sie besitzen kurze wasserundurchlässige Federn mit einem sehr geringen Widerstand im Wasser. Allerdings ist mit diesen Feder das Luftpolster als Kälteschutz verloren gegangen. Dies muss durch eine üppige Fettschicht wieder ausgeglichen werden. Kaiserpinguine sind von hinten schwarz und von vorn weiß. So können sie im Wasser von unten nicht gegen den hellen Himmel erkannt werden. Am Hals besitzen sie eine orange Färbung, durch welche sie gut er identifizieren sind.

Die Flügel haben sich zu kleinen Flossen umgewandelt. Die Füße und der Schwanz dienen als „Ruder“ zur Steuerung im Wasser. Die Füße sitzen sehr weit am Hinterleib, und die Zehen sind durch Schwimmhäute verbunden.

Da ihre Füße am Ende des Körpers sitzen, stehen sie an Land waagerecht und bewegen sich watschelnd vorwärts, worin sie eine große Geschicklichkeit beweisen. Wenn die Möglichkeit besteht rutschen sie an Land häufig auf dem Bauch über Schnee und Eisflächen.

Der Kaiserpinguin erreicht eine Körpergröße von knapp über einem Meter bei einem Gewicht von gut 40 kg. Er ist damit der größte Pinguin überhaupt. Nur der Königspinguin hat eine vergleichbare Körpergröße.

Der Kaiserpinguin erreicht erstaunliche Leistungen unter Wasser. Er kann mehr als 200 Meter tief tauchen und ca. 20 Minuten unter Wasser bleiben. Im Wasser bewegt er sich mit ca. 25 km/h, teilweise noch schneller. Ähnlich wie Delphine kann er auch knapp unter der Oberfläche schwimmen und zum Luftholen kurz über die Wasseroberfläche schießen.

Um schneller zu tauchen, schlucken Pinguine häufig Steine als Ballast in ihren Kropf. Diese Steinen dienen zudem auch zum Zermahlen der Nahrung.


Unterhalb des Federkleides besitzen die Pinguine eine ausgeprägte Fettschicht, welche bis 50% vom Gesamtkörpergewicht betragen kann. Die Schnäbel sind lang nach unten gebogen.

Der gesamte Körper und Kopf sind extrem eng befiedert. Es gibt kaum eine unbefiederte Stelle, durch die Wärme verloren gehen könnte.

Kaiserpinguin mit Nachwuchs
Kaiserpinguin Eltern

Pinguine leben vom Meer. Sie verzehren vor allem kleine Fische und Krebstiere (Krill). Bei guten Nahrungsverhältnisse nehmen sie einige Kilo Nahrung pro Tag zu sich.

Zur Mauser und zum Brüten verlassen die Pinguine das Wasser. In der Mauser wechselt in wenigen Wochen das gesamte Federkleid. Allerdings wird der Pinguin nicht kahl, sondern die neuen Federn drücken die alten heraus. Während dieser Phase können die Kaiserpinguine nicht zum Jagen in das Wasser, sondern müssen hungern.

Verhalten
Pinguine sind sehr gesellige Vögel und leben in riesigen Brutkolonien. Sie verständigen sich durch unterschiedliche Laute. Häufig stehen sie dicht beieinander um sich gegenseitig zu wärmen. Meist steht eine ganze Kolonie mit dem Rücken zum Wind dicht aneinander gedrängt.

Einzelne Pinguine außerhalb der windgeschützten Gruppe verbrauchen mehr als doppelt so viel Energie um sich warmzuhalten.

Fortpflanzung und Wachstum
Pinguine sind meist monogam und paaren sich mit dem Partner des Vorjahres. Im arktischen Herbst (April / Mai) verlassen beide das Wasser und wandern bis zu 100 km zu den Nistplätzen auf dem, nun geschlossenen Eis. Sie besitzen zu dieser Zeit ein ausgeprägtes Fettpolster. Nachdem ein Nistplatz reserviert wurde, paaren sie sich und das Weibchen legt genau ein ca. 500g schweres Ei. Nun verlässt das Weibchen das Männchen und kehrt zum Meer zurück, während das Männchen bis zum Juli das Ei auf den Füßen ausbrütet. Die Brutzeit beträgt ca. 65 Tage. Gewärmt wird es durch eine Hauttasche am Unterbauch. In dieser Zeit nimmt das Männchen nur Schnee zu sich und magert stark ab. Dabei steht das Männchen unbeweglich allein bei minus 30 bis 60 Grad und wärmt das Ei. Selbst härteste Schneestürme lassen ihn unberührt. Das Küken schlüpft Mitte Juli und dann ist auch das Weibchen zurückgekehrt und hat vorverdaute Nahrung für das Küken im Kropf mitgebracht. Durch Rufe findet das Weibchen ihren Partner in der Kolonie wieder. Die Küken besitzen einen grauen Flaum und ein kleinen schwarzen Kopf.

Verspätet sich das Weibchen und kommt erst nach dem Schlüpfen des Jungen zurück, füttert das Männchen den Nachwuchs mit einem sehr fetthaltigen Sekret welches er selbst aus der Speiseröhre bildet.

Nun ist das Männchen nach 3 Monaten Fasten und fast 50% Verlust an Körpergewicht unterwegs zum Meer, um sich zu erholen und eine neue Fettschicht anzulegen. Mit dem aufbrechenden Eis können bald beide Elternteile ihr Junges gemeinsam ernähren und es wächst schnell heran.

Die erst 5 Wochen alten Jungpinguine bilden häufig kleine „Kindergärten“, wo sie dicht gedrängt zusammenstehen um sich vor dem eisigen Wind zu schützen. Erst mit 5 Monaten können sie selber zur Jagd ins Meer gehen. Nach 4 bis 5 Jahren sind die jungen Pinguine fortpflanzungsfähig.

Im kommenden Winter sind die Jungvögel schon nicht mehr von den Eltern abhängig. Bei den Eltern setzt dann die ca. 4 wöchige Mauser ein. Nachdem sie sich von der Mauser und den Entbehrungen erholt haben, wandern sie zu den Nistplätzen und ziehen den nächsten Nachwuchs auf. In diesem Rhythmus schaffen es die Kaiserpinguine sich jedes Jahr fortzupflanzen.

In Freiheit können Kaiserpinguine ein Alter von 20 Jahren erreichen.

Feinde und Jagd
Kaiserpinguine haben kaum natürliche Feinde. Einzig die Eier und Jungvögel sind von Seevögeln bedroht. Im Meer ist der Seeleopard für die ausgewachsenen Tiere gefährlich. Der größte Feind ist jedoch der Mensch. Nicht nur durch den Diebstahl der Eier, sondern vor allem durch die Vergiftung der Umwelt. Schwermetalle und Gifte schwächen das Immunsystem der Pinguine, führen zu Unfruchtbarkeit, Verhaltensstörungen etc. Dies wird durch den hohen Anteil von Fettgewebe am Gesamtkörpergewicht noch begünstigt, da sich dort schwerpunktmäßig Gifte einlagern.

Ihre fehlende Furcht vor Feinden ermöglichte erst die Ausrottung ganzer Kolonien durch den Menschen.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Kaiserpinguin

Natur-Lexikon.com