Gepard

Gepard (Acinonyx jubatus)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie: Echte Katzen (Felidae)
Gattung: Acinonyx

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MW 000038

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Fotos: Fritz Pölking

Foto links: Matthias Zimmermann

Einleitung
Der Gepard hat eine Sonderstellung in der Familie der Katzen. Die Ähnlichkeiten (Körperbau und Sohlen etc.) des Geparden mit den Hunden beruht auf Konvergenz und nicht auf genetische Nähe. Schon im alten Ägypten wurden Geparden ähnlich wie Jagdhunde ausgebildet und mit auf die Jagd genommen

Häufige weitgehende Ausrottungen durch Seuchen oder Jagd, haben den Genpool der Geparden sehr eingeengt. Daher ist er heute nur sehr langsam in der Lage sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen oder auftretenden Krankheiten zu begegnen.

Einzelne Individuen mit abweichender Fellzeichnung, insbesondere großen Flecken und Streifen, werden Königsgeparde genannt. Sie stellen keine eigene Art da und unterscheiden sich nur in der Fellzeichnung.

Insgesamt sind 8 Unterarten des Geparden beschrieben. Die in Asien beheimatete Unterart ist jedoch schon ausgestorben. Die in Afrika verbleibenden Unterarten sind mit Ausnahme des Königsgeparden fast nicht zu unterscheiden.

Die ältesten Geparden sind aus dem Quartär nachgewiesen.

Gepard 01
Foto Matthias Zimmermann

Verbreitung und Entwicklung
Man findet ihn in Ost- und Nordafrika, sowie in Asien. Wobei er in Asien fast ausgerottet und in Afrika stark bedroht ist. Er ist der einzig lebende Vertreter seiner Gattung. In Afrika findet man ihn vor allem in den offenen Gras- und Buschsavannen.

Körperbau und Ernährung
Die Männchen werden bis zu 2,2 Meter lang, bei einer Schulterhöhe von 90 cm. Allein der Schwanz misst fast einen Meter. Das Körpergewicht beträgt lediglich 60 –70 kg (Weibchen max. 40 kg). Sein ganzer Körper wirkt geschmeidig und stromlinienförmig. Wie bei fast allen Säugetieren erreicht das Weibchen nur knapp 2/3 der Körpergröße des Männchens. Vom Habitus haben die Geparden Ähnlichkeit mit den Kleinkatzen, besitzen aber wesentlich längere Beine als diese.

kleine Geparden

Der Gepard besitzt sehr lange Läufe und kann sich dadurch wesentlich schneller als anderen Katzen fortbewegen, er ist das schnellste Landsäugetier der Welt. Ein Löwe erreicht mit Mühe die halbe Geschwindigkeit.

Er hat wie der Hund harte Fußsohlen mit nicht einziehbaren Krallen; die übrigen Katzen besitzen sehr weiche Sohlen. Dies ermöglicht dem Geparden seinen schnellen „Antritt“, bereits nach 2 Sekunden erreicht er 60 km/h. In seinen schnellen kurzen Läufen erreicht er Geschwindigkeiten bis 110 km/h und kann damit jedes Opfer einholen. Allerdings hält er dies selten länger als 600 bis 800 Meter durch. Hierbei werden die Krallen stark abgewetzt, so dass nur die „Daumenkralle“ eine scharfe Waffe darstellt. Seine Füße sind sehr zart gebaut, im Gegensatz zu den Pranken eines Tigers oder Löwen. Allerdings ist er wie alle Raubkatzen ein typischer Zehengänger.

Geparden sind extrem leicht und beisitzen nur eine geringe Muskelmasse. Dies ermöglicht ihnen die hohen Laufgeschwindigkeiten, der Mangel an Energiespeichern führt jedoch zu dem Zwang beständig neue Nahrung zuzuführen und so mit häufig zu jagen.

Die Jagderfolge der Raubkatzen beruhen im wesentlichen auf ihrem Körperbau. Er ermöglicht ihnen sehr schnell Geschwindigkeit aufzunehmen und sich kräftig abzustoßen. Ihre Opfer dagegen besitzen meist einen schweren Körperbau mit schmalen Hufen und können nur deutlich langsamer ihre Fluchtgeschwindigkeit erreichen. Die erste Angriffsminute stellt für die anschleichenden Raubkatzen ein ideales Zeitfenster mit sehr großen Geschwindigkeitsvorteilen dar. Überlebt das Opfer diese erste Minute gelingt häufig die Flucht.

Im Vergleich zum Körper besitzt der Gepard einen sehr kleinen Kopf. Die Augen sind hoch angesetzt und die Ohren sehr klein. Der Gesichtssinn ist ganz hervorragend entwickelt. Das Gehör und der Geruchsinn arbeiten auch sehr empfindlich, sind jedoch schwächer als der Gesichtsinn ausgeprägt.

Er besitzt nur ein kleines Herz, so dass große Ausdauerleistungen nicht möglich sind. Um so wichtiger ist daher ein extrem sauerstoffreiches Blut. Dementsprechend groß sind die Nasenlöcher, die Verbindungen zur Luftröhre und die extrem große Lunge, um der Muskulatur beim Spurt ausreichend Sauerstoff zuführen zu können.

Das Fell ist rötlich-gelb gefärbt, mit kräftigen schwarzen Tupfen. Im Gesicht finden sich die typischen schwarzen Streifen. Sein Schwanz ist dick und dicht behaart. Auch auf dem langen Schwanz findet sich die typischen Tupfen Färbung, ähnlich wie bei den Leoparden. Zwischen Augen und Mundwinkel verlaufen die schwarzen „Tränenstreifen“. Das Bauchfell des Geparden ist weiß gefärbt.

Seine Zähne sind im Vergleich zu anderen Raubkatzen viel kürzer und weniger kräftig, daher tötet er seine Beute nicht durch einen Genickbiss, sondern durch einen Biss in die weiche Kehle.

Er ist im Verhältnis zu anderen Raubkatzen kämpferisch schwächer und unterliegt bei einem Aufeinandertreffen selbst Leoparden.

Verhalten
Geparden jagen meist allein. Nur selten bilden sie bei Nahrungsmangel größere Verbände, um effizienter zu jagen. Wenn Junge geboren werden bilden sie manchmal eine Familie und unterstützen das Weibchen bei der Aufzucht der Jungen. Eine Aufteilung der Erziehung mit mehreren Weibchen, wie bei den Löwen, kommt nicht vor.

Ein typisches Revierverhalten kennen Geparden nicht. Aufgrund ihrer geringen Populationsdichte dulden sie auch Artgenossen in ihrem Revier, welches manchmal bis zu 600 Quadratkilometer umfassen kann. Sie markieren zwar einige Bereiche mit Harn und Kratzspuren an Bäumen, verteidigen diese aber nicht.

Der Gepard ist ein Sichtjäger und bevorzugt daher kleine Anhöhen, von welchen er die Landschaft überblicken kann. Entsprechend ist er ein typisches Tagraubtier. Nachts zieht er sich in kleine Verstecke zurück.

Er jagt meist Tiere, die nicht wesentlich schwerer sind, als er selbst, wie z.B. Gazellen, dabei erbeutet der Gepard meist junge oder schwache Exemplare.

Erblickt er eine Beute schleicht er soweit wie möglich heran und greift danach aus vollem Lauf an. Noch im Lauf schlägt der Gepard gegen die Beine des Opfers und bringt es zum Stolpern. Ohne zu zögern beisst er unmittelbar die Kehle des Opfers durch und erstickt durch langes Zudrücken der Atemwege sein Opfer. Wichtig dabei ist, dass sein Opfer zunächst geflüchtet ist, damit der Erstickungstod schnell eintritt.

Hat der Gepard sein Opfer gerissen, benötigt zunächst eine Erholungspause bevor er sein Opfer fressen kann.

In dieser Pause verliert er seine Beute häufig an andere Raubkatzen, vor allem den Löwen.

Der Gepard frisst zunächst Herz und Nieren. Das Muskelfleisch kommt erst am Ende der Mahlzeit. Das sich in der Bauchhöhle sammelnde Blut leckt er auf, da im Lebensraum des Geparden häufig Wassermangel herrscht. Aas frisst er nur in höchster Not. Fast nie sieht man Geparden, die zu einer zweiten Mahlzeit an ihr Beutetier zurückkehren.

Gepard 02
Foto Matthias Zimmermann

Fortpflanzung und Wachstum
Geparden sind in der Regel mongam. Weibchen sind ca. eine Woche läufig. Dabei bleibt ein Männchen ca. 4 Tage bei einem Weibchen und paart sich sehr häufig mit ihr.

Nach einer Tragezeit von etwas 90 Tagen werden 2 bis 4 Jungen geboren. Die Jungen sind mit ca. 300g recht klein und öffnen nach ca. einer Woche die Augen. 4 Wochen nach der Geburt erhalten die jungen Geparden erstmals feste Fleischnahrung. Während der ersten 3 Monate tragen die jungen Geparden eine ausgeprägte Nackenmähne (Juba ), welche sich in der Folgezeit wieder zurückbildet.

Nach 6 bis 8 Wochen begleiten die jungen Geparden ihre Mutter bereits bei der Jagd, können aber noch nicht selbständig jagen. Ab dem 7. Monaten nehmen die jungen Geparden aktiv an der Jagd teil und werden dabei von der Mutter angelernt. Hierzu treibt die Mutter das Opfertier auf ihre jungen „Schüler“ zu bzw. verstellt dessen Fluchtweg. Sie bleiben bei der Mutter bis sie fast erwachsen sind. Mit 2 Jahren werden die Weibchen geschlechtsreif.

Die Sterblichkeit junger Geparden ist sehr hoch (>60%). Dies liegt vor allem an den langen Jagdzeiten der Mutter und der mangelnden Fähigkeit die Jungen gegen andere Raubkatzen, wie Leoparden, Löwen und auch Hyänen, zu verteidigen. Aus diesem Grund wechseln die Familien sehr häufig die Verstecke der jungen Geparden.

Im Gegensatz zu einigen anderen Raubkatzen, verbleiben die Gepardenmännchen einige Zeit bei der Familie und unterstützen die Mutter.

In freier Wildbahn erreichen Geparden ein Alter ca. 8 Jahren. In zoologischen Gärten können 10 Jahre deutlich überschritten werden.

Gepardenfamilie

Feinde und Jagd
Natürliche Feinde kennt der Gepard kaum, da ihn seine Laufgeschwindigkeit schützt . Es ist vor allem der Mensch der diese Art gefährdet, insbesondere durch die Nachfrage nach Gepardenfell wurde er fast ausgerottet. Zudem wird der Gepard in Afrika als Viehjäger verfolgt, obwohl er unter Naturschutz steht. Es sind aber auch die schwindenden Lebensräume, welche dem Geparden das Überleben erschweren. In diesen beengten Lebensräumen machen ihm dann andere Katzen wie der Löwe Nahrungskonkurenz bzw. vertreiben Geparden von ihren gejagten Beutetieren. Sein Gesamtbestand wird auf nur noch wenige tausend Exemplare geschätzt.

Zoologische Gärten und Gefangenschaft
Nur sehr selten pflanzen sich Geparden in der Gefangenschaft fort. Daher werden meist Jungtiere gefangen und gezähmt. Zahme Geparden verhalten sich wie Hauskatzen. Sie wurden daher früher, ähnlich den Jagdfalken, zur Jagdunterstützung mit auf die Jagd genommen.

Großen Erfolg hatte man in zoologischen Gärten mit umgebauten Skiliften zur Fütterung. Die Geparden konnten so ihrem natürlichen Bedürfnis der Jagd und Bewegung nachkommen.



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