Giraffe

Langhals- oder Steppengiraffe
(Giraffa camelopardalis)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Giraffen (Giraffidae)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00035

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Foto: Stefan Meyers

Einleitung
Die Giraffe ist das wohl eines der auffälligsten Tiere überhaupt. Gemeinsam mit dem Okapi bildet es die Familie der Giraffen. Beide sind jeweils einer eigenen Unterfamilie zugeordnet; zu unterschiedlich ist einfach ihr Aussehen. Die Giraffen werden den Langhals- oder Steppengiraffen (Giraffinae) und die Okapis den Kurzhals- oder Waldgiraffen (Okapiinae) zugeordnet. Ähnlich wie Löwe und Tiger leben auch sie – wie bereits am Namen zu erkennen - in unterschiedlichen Biotopen.

Die Giraffen sind entfernt mit den Hirschen verwandt, wie man u.a. an den kleinen geweihartigen Hörnern erkennen kann.

Mit ihrem langen Hals ist die Giraffe das höchste Tier der Erde und hat durch diesen Größenvorteil so gut wie keine Nahrungskonkurrenten.

Verbreitung und Entwicklung
Bereits vor einigen Millionen Jahren lebten Giraffen in ganz Europa, Asien und Afrika. Sie hatten ihre Blütezeit im Tertiär. Die Vorfahren der Giraffe hatten kurze Hälse, wie das Okapi noch heute. Erst im Laufe der Evolution, wo lange Hälse in der Steppe bei der Nahrungsaufnahme immer mehr von Vorteil gerieten, bildete sich der extrem lange Hals der Langhalsgiraffe heraus.

Heute kommen Langhalsgiraffen ausschließlich in Afrika vor. Sie sind in vielen Gebieten südlich der Sahara bis nach Kapstadt zu finden, wo es ausreichend Büsche und Bäume gibt. Es sind 8 Unterarten der Langhalsgiraffe bekannt, welche sich u.a. in der Fellfärbung und der Ausprägung des Geweihes unterscheiden.

Giraffe an Tränke
Foto: Frank Stober

Körperbau und Ernährung
Giraffenbullen erreichen eine Körperhöhe von mehr als 5.50 Meter, bei max. 4 Meter Körperlänge und wiegen dabei mehr als 700 kg. Die Weibchen bleiben etwas kleiner.

Wie andere Säugetiere, hat die Giraffe 7 Halswirbel, diese weisen jedoch jeweils eine Länge von gut 40 cm auf und sind durch sehr starke Halsmuskeln gestützt. Durch die Beschränkung auf 7 verlängerte Halswirbel ist der Giraffenhals nicht so biegsam, wie es zunächst den Anschein hat.

Die Vorderbeine sind deutlich länger als die Hinterbeine und der Rücken fällt daher stark ab.

Das kleine Geweih der Giraffen wird nicht wie bei den Hirschen im Winter abgestoßen, sondern verbleibt ganzjährig. Auffällig ist, dass beide Geschlechter über zwei bis fünf „Stirnzapfen“ verfügen. Die Geweihe der Giraffen sind also hautüberzogene Knochenzapfen. Dies haben sie mit den Rentieren gemeinsam. Die Geweihe der Bullen sind mit 25 cm Länge deutlich größer, als die der Giraffenkühe. Je nach Unterart sind 2 bis 5 Geweihhöcker vorhanden.

Das Gebiss der Giraffe enthält 32 Zähne, also identisch wie die Hirsche. Allerdings sind die Eckzähne gekerbt, was der Giraffe bessere Möglichkeiten gibt, die Blätter von den Bäumen zu „kämmen“.

Die Ohren sind schmal und recht klein.

Giraffen sind mit ihrem langen Hals auf das Abweiden von Bäume spezialisiert. Sie verbringen einen großen Teil des Tages mit dem Fressen von Blättern und jungen Trieben. Pro Tag nehmen sie mehr als 80 kg pflanzliche Nahrung zu sich, sie wandern beim Fressen von Baum zu Baum und hinterlassen diese ab einer Höhe von 5 Metern fast kahl. Auch von dornenbewehrten Pflanzen wie z.b Akazien können die Giraffen fressen, da sie über eine dicke Schicht an steifen Hautzellen an den Wangen verfügen, welche nicht von Dornen durchdrungen werden kann. Mit ihren großen muffelartigen Lippen und der kräftigen, langen (>40 cm) Greifzunge lösen sie leicht alle Blätter von den Zweigen. Bullen und Kühe zeigen unterschiedliche Fressgewohnheiten. Bullen neigen ihren Kopf nach oben und Giraffenkühe fressen mit gesenktem Kopf. Dadurch konkurrieren sie nicht um dieselbe Nahrung.

Giraffen suchen täglich Wasserstellen auf, um zu trinken. Allerdings können sie wegen ihrer langen Beine mit dem Kopf nicht bis zum Boden reichen. Daher müssen sie zum trinken ihre Vorderbeine stark spreizen (Foto). Ist kein Wasser vorhanden, können sie ihren Wasserbedarf sehr lang über die Pflanzenaufnahme stillen.

Als Wiederkäuer verbringen Giraffen die heissen Stunden des Tages meist im Liegen wiederkäuend.

Auch Nachts wiederkäuen die Giraffen durchgehend. Sie schlafen im Liegen nur sehr wenig. Dazu legen sie ihren Kopf nach hinten. Die Schlafdauer beträgt nur wenige Minuten. Dies ist typisch für die großen Säugetiere, da sie im Schlaf ungeschützt vor Raubtieren sind.


Foto: Frank Stober

In der lateinischen Namengebung „Giraffa camelopardalis“ spiegelt sich die äußere Gestalt wider. Es ist eine Kombination aus Kamel und Leopard, in Bezug auf die Größe einerseits und die gefleckte Färbung andererseits. Diese Färbung dient im Buschland als optimale Tarnung unter Bäumen. Die Giraffen lösen sich im Baumschatten fast völlig auf. Ihre Zeichnung ist für jede Giraffe individuell, wie ein Fingerabdruck. Nur die Zeichnungstypen ähneln sich bei den jeweiligen Unterarten (z.B. Netzgiraffe). Anders ist es im freien Flachland, wo sie durch ihre Größe weithin sichtbar sind. Allerdings verfügen sie über sehr gute Seh-, Riech- und Hörorgane, so dass sie ihre Feinde frühzeitig wahrnehmen und durch den langen Hals auch sehen können. Vor allem ihr herausragendes Sehvermögen ermöglicht es ihnen Artgenossen in über einen Kilometer Entfernung zu erkennen.

Häufig wandern Giraffen auch in Gruppen von Zebras oder Gnus mit und sind daher besser geschützt.

Giraffen sind Paßgänger (Vorder- und Hinterbein werden gleichzeitig gesetzt), was ihrem Lauf die besondere Charakteristik verleiht. Auf der Flucht können sie aber dennoch bis zu 60 km/h schnell werden. Gewässer bereiten Giraffen Probleme, da sie sehr schlechte Schwimmer sind.

Giraffen im Lauf
Foto: Frank Stober

Verhalten
Giraffen sind Tag- und nachtaktiv. Sie schlafen nur sehr wenig (< 2 Stunden je Nacht).

Sie sind gesellig und wandern oft in kleinen bis mittleren Gruppen (< 30 Tiere). Wenn sie sich Herden anschließen, bleiben sie aber nur kurz, so dass die Zusammensetzung von Giraffenherden ständig wechselt.

Giraffen sind selten in engem Wald anzutreffen, sie lieben das weite Buschland und die Steppe, wo sie sich ungehindert bewegen können. Revierkämpfe finden selten statt; in aller Regel nur dann wenn fremde Bullen in das eigene Gebiet eindringen.

Kämpfe zwischen rivalisieren Bullen werden durch Kopfstöße mit den kleinen Geweihen ausgetragen.

Dazu werden die Köpfe von der Seite auf den Gegner geschlagen. Durch das massive Zusammenprallen der Köpfe werden Giraffen in solchen Kämpfen leicht ohnmächtig.

Giraffen leben sehr friedlich, so dass die vorhandene Rangordnung nur schwer zu erkennen ist. Auch nach Rangkämpfen leben die Bullen weiter friedlich zusammen.

Sie haben keine abgegrenzte Reviere sondern eher Streifgebiete von mehr als 100 Quadratkilometer.

Giraffe mit Nachwuchs
Foto: Frank Stober

Fortpflanzung und Wachstum
Nach einer Tragezeit von knapp 15 Monaten wird ein junges Kalb geboren. Giraffen gebären jeweils immer nur ein Kalb, welches nach der Geburt bereits eine Körperhöhe von fast 2 Metern aufweist und mehr als 75 kg wiegt. Die Geburt findet im Stehen statt und das Kalb fällt aus fast 2 Meter Höhe hinab. Giraffenkälber können gleich nach der Geburt sehen und selbst gehen. Sie werden ca. 12 Monate gesäugt, fressen aber schon nach einigen Wochen auch bereits Laub mit. Nach einem Jahr verlassen die jungen Giraffen ihre Mutter.

Mit 4 Jahren sind Giraffenkühe fortpflanzungsfähig und gebären in ihrem Leben ca. 6 bis 8 Kälber. Sie erreichen in der Regel ein Alter von ca. 20 Jahren; in Einzelfällen sogar auch bis zu 25 Jahren.

Giraffe nah
Foto: Frank Stober

Feinde
Giraffen werden vor allem durch Raubkatzen - meist von Löwen - angegriffen. Giraffen verteidigen sich bei Angriffen mit kräftigen Schlägen ihrer tellergroßen Hufe, so dass meist nur alte Tiere oder junge Kälber Opfer von Raubtieren werden. Diese Tritte sind für die Angreifer lebensgefährlich, ein gezielter Tritt reicht, um den Schädel einer Raubkatze zu zerschmettern. Häufiger sterben Giraffen an Hunger oder Stürzen.

Zoologische Gärten
Da Giraffen nicht winterhart sind, müssen ihre Stallungen beheizt werden. Aus diesem Grunde sind Giraffen im Winter nur sehr selten im Außengehege zu sehen. Da die Giraffen nicht den Boden zum Essen berühren, wird ihr Futter (meist Heu) hoch an Bäumen aufgehängt. Alle Bäume im Giraffengehege sind bis 6 Meter Höhe verkleidet, da sonst die Giraffen die Rinde ablösen würden.

In Gefangenschaft können Giraffen mehr als 30 Jahre alt werden.



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