Tiger

Tiger (Panthera tigris)
syn. Neofelis tigris

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Echte Katzen (Felidae)
Gattung: Großkatzen (Panthera)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00032

► mehr Säugetiere

Foto: Uwe Walz


Einleitung
Großkatzen sind die am höchsten entwickelten Fleischfresser. Schon auf den ersten Blick kann man ihre Kraft und Wendigkeit erkennen. Der Tiger ist dabei die größte der Raubkatzen.

Entwicklung und Verbreitung
Der Tiger ist mit dem Löwen aus einer Entwicklungslinie im asiatischen Raum entstanden. Während der Löwe später auch andere Kontinente eroberte, ist der Tiger immer in diesem Raum geblieben. Man findet ihn in einem Gebiet zwischen Indien und China, begrenzt durch Sibirien und Sumatra. Anders als der Löwe bewohnt der Tiger den Wald und Dschungel, welcher in Asien reichlich vorhanden ist. Heute ist Indien die Heimat der meisten wildlebenden Tiger. Durch diverse Schutzprogramme haben sich die Bestände in Indien wieder erholt, so dass inzwischen etliche tausend Tiger in Indien leben.

An seine Umwelt stellt der Tiger nur geringe Anforderungen. Solange genug Wild, Wasser und Wald vorhanden ist, kommt der Tiger sehr gut zurecht. Die herrschenden Temperaturen kann er gut ausgleichen. Ob + 40 Grad bis –40 Grad Celsius, der Tiger kann sich anpassen, wobei ihm aber die niedrigeren Temperaturen mehr entgegen kommen. Sein Lebensraum reicht von der russischen Taiga bis in die Bergwäldern mit bis zu 3.000 Meter Höhe.

Tiger gähnt

Aus dem Tiger haben sich einige Unterarten (derzeit 8 bekannte Unterarten) entwickelt; die bekanntesten Unterarten sind:

Königstiger oder Bengaltiger (N. tigris tigris)
Ähnlich groß wie der Sibirische Tiger ist der Königstiger und vor allem in Indien heimisch.

Sumatratiger (N. tigris sumatrae)
Der Sumatratiger lebt, wie der Name schon sagt auf Sumatra. Einige hundert Exemplare konnten dort in Schutzgebieten in freier Wildbahn überleben.

Sibirischer Tiger (N. tigris altaica)
Die größte Unterart (und damit die größte Wildkatze überhaupt) ist der sibirische Tiger. Diese Art zeichnet sich durch ihr langes Fell auszeichnet aus, das sie im Winter auch vor Temperaturen bis –40 Grad ohne Probleme schützt. Auf russischen Gebiet leben noch mehr als 200 Sibirische Tiger.
Mit zunehmender Erholung der Bestände treten neue Problem auf. Da es nicht genug Wild als Futter für die Tiger gibt, werden diese zu Viehräubern bzw. im Einzelfall zu Menschenfressern. Die Forderungen der betroffenen Bevölkerung nach Beseitigung der Tiger bereiten den Naturschützern vor Ort zunehmend Probleme.
Alle Unterarten des Tigers stehen dicht vor der Ausrottung und unter strengem Schutz. Derzeit leben in zoologischen Gärten mehr Tiger als in Freiheit.

Tiger auf Baumstamm

Körperbau
Der ausgewachsene Tiger, als größte Raubkatze, ist mit fast 300 Kilogramm nahezu 50 Kilogramm schwerer als ein Löwe. Auch mit einer Schulterhöhe von knapp einem Meter und einer Länge von fast 3 Metern übertrifft er ihn. Er verfügt dabei über einen kräftigen Körperbau mit sehr starken Pranken, die 5 sichelartige Krallen besitzen. Wie bei allen Katzen können die Krallen durch Zusammenziehen von Bindegewebe freigelegt werden Obwohl er deutlich schwerer als ein Löwe ist, ist der Tiger doch schlanker und wendiger.

Er verfügt über ein typisches Raubtiergebiss, mit kurzen Schneidezähnen und extrem langen und kräftigen Eckzähnen. Der Tiger hat einen typischen schwarzen Backenbart.

Als Raubkatze sind alle Sinne des Tigers gut ausgebildet. Insbesondere natürlich der Gehör- und Geruchssinn, da die Sicht häufig im hohen Gras eingeschränkt ist. Im Vergleich zum Menschen sind seine Sehfähigkeiten um ein Vielfaches besser, insbesondere weil der Tiger auch Nachts jagt.

Sein Fell ist kontrastreich gestreift, dadurch ist der Tiger in der Vegetation mit den vielen Licht- und Schattenstellen optimal getarnt. Über seinen rötlich-gelben Körper ziehen sich schwarze Querstreifen. Die jungen Tiger sind bereits wie ihre Eltern gefärbt.

Tiger sind sehr kräftig, sie springen höher als 2 Meter und weiter als 8 Meter.
Sie sind wasserliebend und sehr gute Schwimmer. Selbst kleine Flussarme können sie so problemlos durchqueren. Auch weiter entfernte Inseln wurden schon durch schwimmende Tiger besiedelt.

Tiger liegt

Ernährung und Jagd
Anders als Löwen jagen Tiger allein. Sie schleichen sich möglichst nah an die Opfer heran, um sie dann nach einem Sprung oder kurzen schnellen Lauf zu überwältigen. Nur über wenige hundert Meter kann ein Tiger seine Opfer verfolgen, daher benötigen Tiger immer genügend Deckung, um sich an ihre Opfer nah heranzuschleichen. Kleine Tiere werden durch einen Nackenbiß und die großen Tiere durch einen Kehlbiß getötet. Die größeren Tiere werden häufig erst durch einen Biss in die Kniesehne zu Fall gebracht oder mit einen Sprung umgeworfen. Da Tiger allein jagen, ist die Windrichtung für das Anschleichen sehr wichtig, ganz im Gegensatz zum Löwen, welche seine Opfer im Rudel einkreist.

Tiger ernähren sich von frischem Fleisch. Ein ausgewachsener Tiger benötigt ca. 8 Kilogramm Fleisch pro Tag, kann aber bis zu 50 Kilogramm Fleisch in einer Mahlzeit vertilgen. Dabei bevorzugt er große Säugetiere wie Rinder, Hirsche oder Wildschweine. Die Reste der Beute deckt er ab und ruht in der Nähe, um mögliche Beuteräuber vertreiben zu können. Nach dem Essen trinken Tiger viel. Um nicht ihre Beute dazu verlassen zu müssen, schleppen sie diese zuvor in die Nähe eines Wasserloches. Meist ist dies aber nicht notwendig, da sie oft an Wasserstellen jagen. Die dort gut ausgeprägte Vegetation gibt ihnen optimale Deckung zum anschleichen.

Bei Nahrungsmangel wird Aas nicht verschmäht und auch kleinere Tiere wie Echsen angegriffen.

Verhalten
Wie alle Katzen leben Tiger in Revieren und bleibt diesen über Jahre treu. Ein solches Revier umfasst meist eine Größe von ca. 50 Quadratkilometer. Tiger sind typische Einzelgänger, durch Harn und Kot markieren sie ihre Reviere. Nur fremde Weibchen dürfen in das Revier eines Männchens eindringen.

Tiger bauen sich in Spalten, umgestürzten Bäumen oder kleinen Felsenhöhlen ihre Schlupfwinkel, welche sie meist mit Laub o.ä. auspolstern. Ein Tiger besitzt oft mehrere Tigerhöhlen, die er wechselnd nutzt.

Außer den Menschen hat der Tiger keine natürlichen Feinde. Selbst Bären greifen Tiger nicht an und geben bei Streitigkeiten (z.B. um Futter bzw. erlegtes Wild) nach. Den Menschen gehen Tiger aus dem Weg. Nur bei extremen Futtermangel greift er Menschen an. Natürlich verteidigt je doch eine Tigerin ihre Jungen gegen Menschen, wenn sie sich bedroht fühlt. Dies kommt immer wieder vor, da die Tiger häufig in der vermeintlichen Deckung von Anpflanzungen ihre Höhlen bauen.

Tiger sind vor allem Abends und Nachts aktiv, wenn es kühler ist. Tagsüber sitzen sie oft im Schatten und kühlen sich im Wasser ab.

Tiger

Fortpflanzung und Aufwuchs
Die Brunftzeit kann das ganze Jahr über auftreten und dauert ca. 3 bis 5 Wochen an. In dieser Zeit finden auch die meisten Kämpfe zwischen Tigern statt, die ansonsten ihre gegenseitigen Reviere achten. Nach einer Tragezeit von ca. 100 Tagen bringt die Tigerin 2 bis 6 Junge zur Welt, die zwischen 900 und 1400 Gramm wiegen und knapp 40 cm lang sind. Nach 2 Wochen können Tiger sehen und bekommen ihre Milchzähne. Die ersten zwei Wochen ernähren sich die Kleinen ausschließlich mit Muttermilch. Sie werden die ersten 6 Monate gesäugt, wobei die Milch nach dem zweiten Monat nur noch ergänzende Nahrung ist. Nach einem Jahr verfügen die jungen Tiger über ihr adultes Gebiß. Zwischen dem 6 und 12 Lebensmonat gehen die Jungen zunehmend mit der Mutter auf die Jagd. Bis zum vierten Lebensjahr leben die Jungen bei ihrer Mutter, um danach eigene Wege zu gehen. Ab dem vierten Lebensjahr sind Tiger geschlechtsreif, die Weibchen etwas früher als die Männchen. Tigerweibchen paaren sich alle 3 bis 5 Jahre. Die Zeit dazwischen ist notwendig, um den Nachwuchs großzuziehen und z.B. in der Jagd auszubilden. Ähnlich wie bei den Löwen erreichen nur ein bis zwei Junge das Alter von 2 Jahren; die meisten von ihnen verhungern, einige werden Opfer von ausgewachsenen Tigern, welche die Kinder ihrer Vorgänger töten wollen. Daher meiden Tigerinnen den Kontakt zu anderen Tigern, solange sie noch Junge aufziehen. Tiger werden in freier Wildbahn selten älter als 25 Jahre. Die Tiger paaren sich mit vielen Tigerinnen und spielen bei der Aufzucht der Jungen kaum eine Rolle, da sie nach der Geburt der Jungen nicht bei der Mutter bleiben.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Tiger

Natur-Lexikon.com