Löwe

Löwe (Panthera leo)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie: Echte Katzen (Felidae)
Gattung: Großkatzen (Panthera)

Autor: Matthias Zimmermann

Dokument: MZ 000031

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Foto: Stefan Meyers

Einführung
Seit Menschengedenken ist der Löwe ein Symbol für Macht und Herrschaft. Er dominiert unzählige Wappen und Fahnen, sowie Mythen und Sagen auf der ganzen Welt. Aufgrund seines mächtigen Kopfes mit eindrucksvoller Mähne und des lauten Gebrülls galt des Löwe lange als „König der Tiere“.
Den unter dem Sternzeichen „Löwe“ geborenen Menschen wird Machtbewusstsein und Durchsetzungsvermögen zugeschrieben.
Entwicklung
Die Löwen entstammen einer gemeinsamen Linie mit dem Tiger. Selbst heute noch sind Löwen und Tiger paarungsfähig und werfen z.T. sogar fortpflanzungsfähige Mischlinge. Ihre Heimat war in Europa, Afrika und Asien. Diese frühen Arten sind dann auseinander gedriftet. Der Löwe im Westen entwickelte sich mehr zum „Höhlenlöwentyp“ der Späteiszeit, im Osten zum Tiger. In Afrika kommen daher keine Tiger vor. Allerdings findet man in Asien noch Reste der Löwenpopulation (Gir Schutzgebiet). Löwen und Tiger leben zudem in unterschiedlichen Biotopen. Löwen findet man typischerweise in Steppengebieten und Tiger in bewaldeten Dschungelregionen.

Löwen
Foto: Frank Stober

Vorkommen
Der indische Löwe (Unterart Panthera leo goojratensis) ist nur noch im Gir Schutzgebiet, im indischen Staat Gujarat anzutreffen. Dort leben noch einige hundert Exemplare. In Afrika trifft man wilde Löwen im Gebiet südlich der Sahara an, dort leben noch 4 verschiedene Unterarten. Schon seit Jahrzehnten sind der Berberlöwe und der Kaplöwe ausgestorben, welche beide sehr große und beeindruckende Löwenunterarten waren. Sie leben in den Steppen Ost- und Westafrikas. Aufgrund des großen Bevölkerungsdrucks werden die Löwen immer weiter in kontrollierte Schutzgebiete zurückgedrängt und sind in ihrer Art stark bedroht. Im Gegensatz zu manchen Sagen kommen Löwen in Dschungelgebieten oder dichten Wäldern extrem selten vor. Sie lieben die offenen Weiten der Grassteppen. Hier finden sie auch ihre Hauptnahrungsquellen wie Büffel, Zebras, Gnus und Antilopen. Aber auch in den Bergen Afrikas findet man sie bis in Höhen von 4000m.

Körperbau
Männliche und weibliche Löwen unterscheiden sich erheblich in ihrem Aussehen (Geschlechtsdimorphismus). Die Männchen besitzen eine ausgeprägte Mähne an Kopf und z.T. auch am Bauch. Sie sind auch gut 30-50% größer und schwerer als die Weibchen, welche keine Mähne besitzen.
Ausgewachsene Löwen können bis 250kg wiegen. Ihre Körperlänge einschließlich des Schwanzes misst fast 3m und ihre Schulterhöhe beträgt bis zu 1m. Sie sind schwer und untersetzt gebaut. Ihre max. Laufgeschwindigkeit von ungefähr 60Km/h können sie daher nur wenige hundert Meter durchhalten. Junge Löwen besitzen eine leopardenartige Zeichnung (Fotos Mitte), die im Laufe des ersten Lebensjahres verschwindet. Das Fell der ausgewachsenen Löwen hat einen gelbbraunen Grundton (s.a. Fotos). Der lange Schwanz endet mit einer dicken, schwarz beharrten Quaste.
In Freiheit werden Löwen ca. 15 Jahre alt, in zoologischen Gärten habe einzelne Löwen ein Alter von 25 Jahre erreicht. Die Augen der Löwen haben runde Pupillen, im Gegensatz zu anderen Katzen die schlitzartige oder ovale Pupillen besitzen. Die Zunge hat kleine „Hornzähne“ auf der Oberseite, womit das Fleisch vom Knochen der Opfertiere geraspelt werden kann.
Die Vorderbeine des Löwen sind außergewöhnlich kräftig, sie besitzen die 10fache Kraft eines Menschen und können mit einem Schlag ihren Opfern (z.B. Zebras) das Genick brechen.
Wie alle Katzen läuft auch der Löwe auf den Zehen, welche daher stark gepolstert sind.
Die Sinnesorgane des Löwen sind sehr gut ausgeprägt, vor allem das 3D-Sehen und das Sehen bei Nacht; auch das richtungsorientierte Hören beherrscht der Löwe hervorragend.

Foto: Uwe Walz Foto: Uwe Walz

Ernährung
Löwen jagen meist in Gruppen. Dabei wird das Opfer früh ausgewählt und eingekreist. Während ein bis zwei Löwen das Opfer aufscheuchen und forttreiben, warten die anderen bis das Opfer auf sie zu getrieben wird. Entdeckt das Opfer die neuen Angreifer wendet es sich zur Flucht und muss sich nun eingekreist finden. Dabei offenbart es zwangsläufig seine verwundbare Flanke einem Löwen, der sofort zuschlägt und das Wild reisst. Dabei wird i.d.R. die Halsschlagader zerbissen, so dass das Opfer verblutet.

Diese Taktik ist erfolgreich und notwendig, da Löwen nur selten ein Wild allein länger verfolgen, es also allein nur eingeschränkt erlegen können.
Erlegtes Wild wird vom ganzen Rudel gemeinsam gefressen und dazu meist an einen ruhigen und schattigen Platz gezogen. Herrscht jedoch in der Trockenzeit Nahrungsknappheit, erzwingen sich die Männchen den Vortritt beim Fressen. Danach kommen die Weibchen. Die Löwenjungen werden erst zuletzt an das gerissene Wild gelassen. Bei extremen Nahrungsmangel verhungern zuerst die Löwenjungen.
Der Löwe ist ein typischer Aasverzehrer, d.h. er frisst auch Wild, welches er nicht selber gerissen hat.
Er frisst zudem Kleinwild wie Hasen, bei großer Hungersnot kommen auch Vögel und selbst Insekten dazu. Eine besondere Rolle spielen die Wiederkäuer, die der Löwe wegen des Vitamingehaltes der Eingeweide vorzieht. Hierbei werden die Eingeweide zuerst gefressen. Ausgewachsene Löwen können bis 20kg auf einmal fressen.

Foto: Stefan Meyers Foto: Uwe Walz

Verhalten
Löwen leben bis zu einem gewissen Grad gesellig und bilden große Gesellschaften, hiermit unterscheiden sie sich von anderen Großkatzen. Sie sind an ein Revier gebunden und ziehen nicht mit den großen Tierhorden dem Wasser nach. Die Weibchen (bis zu 10) bilden Rudel und besetzten ein Revier. Die Männchen (bis zu 4) bilden eine Kampfgruppe und verteidigen gemeinsam das Revier; vor allem gegen fremde Artgenossen. Damit sind sie den ganzen Tag vollauf beschäftigt, so dass sie nicht selber auf die Jagd gehen können. Die Jagd übernehmen daher die Weibchen, wobei die Männchen Ihren Anteil (Löwenanteil) erhalten. Zwischen den Männchen einer Gruppe gibt es nur wenig rivalisierende Kämpfe. Kämpfe innerhalb von Rudeln dienen mehr der Einordnung innerhalb der Hierarchie und werden nicht mit der letzten Härte ausgefochten. Kämpfe auf Leben und Tot treten mehr mit herumziehenden Löwen auf, welche sich dem Rudel anschließen wollen. Gewinnen die „Eindringlinge“ diesen Kampf, werden danach häufig die Jungen des „Vorgängers“ getötet; ein in der Natur häufig zu beobachtendes Verhalten.
Gestorbene Löwen werden aus dem Nachwuchs ersetzt. Alle anderen jungen Löwen müssen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr das Rudel verlassen und ein eigenes Rudel gründen bzw. zu einem fremden Rudel dazu stoßen, während die jungen Löwinnen im Rudel verbleiben. Ein Revier umfasst ca. 100 Quadratkilometer und muss auch genug Wasserstellen und Schattenplätze aufweisen.

Die Männchen sind erst mit fünf bis sechs Jahren paarungsfähig und werden auch erst dann in fremde Rudel aufgenommen. In den Jahren dazwischen ziehen die jungen Löwen meist als Einzelgänger (Nomaden) durch die Steppe. Diese Nomaden finden sich häufig zu kleinen Gruppen zusammen und erobern für sich später eine Gruppe Weibchen mit ihrem Revier. Diese Kampfgruppen der Männchen bilden die zweite soziale Säule in der Löwengesellschaft, neben den Familiengruppen der Weibchen. Diese starke soziale Ausprägung kann in extremen Trockengebieten auch auflockern und zu einer stärkeren Durchmischung der Gruppen untereinander führen, da die Reviere dort häufig bis 1.000 Quadratmeter umfassen und die Rudel entsprechend verstreut sind.
Das Brüllen der Löwen dient bei den Männchen der Revierverteidigung, meist zur Abschreckung fremder Löwen. Das Brüllen ist noch kilometerweit zu hören. Bei den Weibchen steht mehr die Kommunikation z.B. im Sinne der Richtungsfindung im Vordergrund.
Der ausgewachsene Löwe hat kaum natürliche Feinde die ihn angreifen. Die meisten Kämpfe müssen Löwen gegen Artgenossen führen. Nur die Verteidigung von gerissenem Wild führt zu größeren Kämpfen mit Hyänen und anderen Futterneidern.
Lange Zeit wurde erfolgreich versucht, Löwen als Haustiere zu halten. Entsprechend ihrem Verhaltensmuster sind Löwen dazu auch geeignet und es hat in der Vergangenheit viele Tempel gegeben, die von Löwen bewacht wurden. Allerdings ist ihr Fleischbedarf so hoch, dass die Domestizierung allein aus Kostengründen nie länger durchgehalten werden konnte.
Löwen sind tagaktiv, jagen aber gern in den Abendstunden und in der frühen Nacht.

Foto: Uwe Walz

Fortpflanzung
Die Weibchen werden mit 3 bis 4 Jahren fortpflanzungsfähig und sind das ganze Jahr über in Abständen paarungsbereit. Sie gebären 2 bis 5 Junge je Geburt, nach ca. 100 bis 120 Tagen Tragezeit. Die neugeborenen Löwenbabys wiegen 1.0 kg bis 1.4 kg und werden fast ein halbes Jahr gesäugt. Die Jungen sind nach der Geburt blind und öffnen erst nach 2 Wochen ihre Augen. Von diesen erleben nur 20% das zweite Lebensjahr, was meist durch Nahrungsmangel und Vernachlässigung bedingt ist. Die überlebenden Jungen reichen immer noch gut zur Bestandserhaltung. Mit 3 Monaten machen die Kleinen die ersten Ausflüge mit der Mutter. Nach einem Jahr hat der junge Löwe sein Dauergebiss und ist damit von der Mutter unabhängig, bleibt aber meist noch 1 bis 2 Jahre im Rudel.



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