Eichhörnchen

Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)

Autor: Matthias Zimmermann

Dokument: MW 00003

Foto: Uwe Walz

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Foto links: Matthias Zimmermann

Einführung und Verbreitung
Die Gattung der Eichhörnchen ist mit 190 Arten eine der größten Gattungen in der Hörnchen-Familie. In Europa ist nur das Europäische Eichhörnchen heimisch. Es ist bis 2000 m Höhe weit verbreitet.

In Wäldern und Parks sind sie häufig anzutreffen, wobei sie sehr schnell zutraulich werden und sich füttern lassen. Bereits im Altertum war das Eichhörnchen als „Spieltier“ besonders bei Kindern sehr beliebt. Auch heute ist das Eichhörnchen eines der bekanntesten Charaktertiere unserer Heimat.
Eichhörnchen 01
Foto: Matthias Zimmermann
Körperbau
Sein Körper ist ca. 25 – 30 cm lang, hinzu kommt der kräftige, buschig gescheitelte Schwanz von fast 20 cm Länge. Es ist sehr leicht und wiegt zwischen 300 und 500 g. Dem Schwanz kommen sehr vielfältige Funktionen zu. Nicht nur zum Halten des Gleichgewichtes beim Klettern, sondern auch zum Wärmen im Winter und bei der Paarung ist er wichtig. Natürlich wird auch beim Flug von der Baumspitze der Schwanz eingesetzt.

Alle Finger haben sich zu „Greifzehen“ entwickelt.

Das Eichhörnchen ist aufgrund seines Körperbaues nicht zu verwechseln. Das verwandte Grauhörnchen kann sicher durch seine graue Fellfarbe unterschieden werden. Im Gegensatz zu dem Grauhörnchen besitzt das Eichhörnchen ein herrliches rotbraunes bis schwarzbraunes dichtes Fell. Die Bauchseite ist immer hell gefärbt. Im Frühjahr und Herbst macht das Eichhörnchen einen Fellwechsel durch, um sich dem jeweiligen Klima besser anzupassen. Hände und Füße sind im Winter behaart; im Sommer dagegen von unten unbehaart. Das Sommerfell ist heller und stärker rot gefärbt, als das Winterfell.

In offenen Biotopen und Laubwäldern mit warmen, trockenem Klima sind die rotbraunen Eichhörnchen bestimmend, während in dunkeln, feucht kühlen Nadelwäldern meist die schwarzbraunen Eichhörnchen überwiegen. Diese Verteilung ist durch die Anpassung an die unterschiedlichen Lebensräume entstanden.

Im Winter wachsen an den Ohren kleine Haare als Pinsel aus. Ähnlich wie die Murmeltiere sitzen die Eichhörnchen in Ruhe oder beim Fressen in „Männchenstellung“, wobei der Schwanz hinten an den Rücken angelegt wird. Sie können auch an ihrem Ruf („Tschuk Tschuk Tschuk“) erkannt werden.

Ihre kräftigen Nagezähne wachsen zeitlebens nach und wetzen sich an harter Nahrung ab. Probleme treten daher im Zusammenhang mit zu weicher Nahrung (Futter) auf.

Seitlich am Körper besitzen die Eichhörnchen kleine Sinneshaare, welche eine bessere Orientierung zwischen den Ästen ermöglichen. Ihre Sehleistungen (außer dem Farbsehen) sind hervorragend und spielen bei der Orientierung eine wesentliche Rolle. Besonders der Klammerreflex bewahrt sie vor dem Abstürzen. Ihr Gehör ist sehr gut, bestimmte Geräusche (Knistern oder Knacken) sind Schlüsselreize für eine sofortige Flucht.

Ernährung
Eichhörnchen ernähren sich von Haselnüssen, Bucheckern, Fichtenzapfen, Obst und frischen Trieben. Auch Kleintiere, Jungvögel, Vogeleier und Pilze werden verspeist. Sie sind also nicht wählerisch und schon fast echte „Allesesser“. Daher werden sie oft als Schädlinge verschmäht. Dies ist natürlich nicht so, da sie durch ihre geringe Verbreitung nur wenig Schäden anrichten. Ganz anders in den Stadtparks, wo durch die Fütterung große Bestände auf engem Raum entstehen und so die Vögel dort stark dezimiert werden.

Tannenzapfen werden von Eichhörnchen vorsichtig, aber schnell zerlegt; dabei hebt es die einzelnen Schuppen an, um an die nahrhaften Samen zu gelangen. Auch für den Menschen giftige Samen (z.B. Eibensamen) stehen auf dem Speiseplan. Besonders energiereich sind die Fichtenzapfen; bis zu 100 Fichtenzapfen kann ein Eichhörnchen pro Tag verspeisen; durchschnittlich sind es 80 – 100g am Tag.

Am liebsten hat es jedoch Nüsse, die mit den kräftigen Nagezähnen aufgespalten werden.

In Jahren mit wenig Baumfrüchten sinken die Eichhörnchenbestände stark ab. Dann setzen im Herbst meist größere Wanderungsbewegungen der Eichhörnchen zu ergiebigeren Nahrungsgebieten ein. Sie bevorzugen dabei ältere Baumbestände mit großer Samenproduktionen und dichten Kronen, sowie engem Unterholz.

Finden Eichhörnchen reichlich haltbare Nahrung (Nüsse, Bucheckern etc.), wird diese Nahrung vergraben oder in Spalten gelagert. Es handelt sich um eine typische Instinkthandlung, wobei immer wieder derselbe Handlungsablauf ( freischarren, ablegen, stupsen, Erde raufscharren, Erde festdrücken) durchgeführt wird. Im Winter dienen diese kleinen Lager als Nahrungsquelle, wenn die Natur keine Nahrung mehr hergibt. Werden diese Vorräte „vergessen“, beginnen die eingegrabenen Samen im Frühjahr zu keimen. D.h. die Eichhörnchen besitzen auch eine wichtige Rolle beim Waldaufbau. Für das Wiederfinden der Lager spielt der sehr gute Geruchssinn die Hauptrolle. Anders als oft vermutet, merkt sich das Eichhörnchen nicht, wo es Nahrung vergräbt.

Anders als andere Hörnchen benötigt das Eichhörnchen Wasser zur Flüssigkeitszufuhr. Daher hält es sich im Sommer in der Nähe von Gewässern auf. Andere Hörnchen sind in der Lage ihren Flüssigkeitsbedarf aus fester Nahrung zu decken.

Verhalten
Eichhörnchen sind sehr gute Kletterer, ihr Leben spielt sich fast vollständig auf den Bäumen ab. Sie können sehr flink an den Bäumen hoch und herunter klettern. Um das Gleichgewicht zu halten, wird der Schwanz als eine Art Balancierstange genutzt. Durch ihr niedriges Gewicht können sie sich bis an äußerste Zweigspitzen heranwagen. Sie bewegen sich immer mit kleinen Sprüngen voran. Auch auf dem Boden laufen sie meist nicht, sondern springen vorwärts. Ihre Spuren (z.B. im Schnee) zeigen den typischen Sprungabdruck, wobei die Hinterläufe vor den Vorderbeinen aufkommen. Mit jedem Sprung legen sie am Boden ca. 50 cm zurück. Werden wilde Eichhörnchen vom Menschen beobachtet, bewegen sie sich nur auf der abgewandten Baumseite und verstecken sich über Stunden in Astgabeln oder ihrem Nest. Neben dem Baummarder ist das Eichhörnchen der geschickteste Kletterer unter den Säugetieren Europas.

Eichhörnchen sind Einzelgänger. Nur zur Paarungszeit kann man sie beobachten, wie die Männchen die Weibchen durch die Bäume jagen.

Das Eichhörnchen ist tagaktiv, vor allem in den Morgenstunden und vor der Dämmerung kann es gut beobachtet werden. Sie sind sehr reinlich und putzen sich sehr häufig. Sie halten keinen echten Winterschlaf. Im Winter legen sie nur längere Schlaf- bzw. Ruhephasen ein. Dazwischen suchen sie immer wieder Nahrung und essen.

In den Baumkronen bauen die Eichhörnchen aus Ästen und Zweigen rundliche Nester. Dort schlafen sie und bringen auch ihre Jungen zur Welt. Die Nester, auch „Kobel“ genannt, besitzen die Öffnungen unten an der Seite, im Gegensatz zu Vogelnestern, die nach oben offen sind. Dies liegt natürlich daran, dass die Eichhörnchen von unten in ihre Nester klettern. Die Nester besitzen einen Durchmesser von ca. 50 cm und innen ca. 20 cm. Sie sind mit Moos und Gras von innen gepolstert. Alternativ zu den Nestern nutzen Eichhörnchen gern Baumhöhlen, Erdlöcher oder auch leere Dachböden. Zur Nahrungsaufnahme und zum Schutz werden oft Zweitnester („Schattenkobel“) angelegt.

Fortpflanzung und Entwicklung
Eichhörnchen paaren sich meist im Frühjahr bzw. ausgehenden Winter und im Frühsommer, so dass zwei Würfe von einem Weibchen pro Jahr geboren werden. Jeder Wurf umfasst ca. 5 Junge, welche nach 4 Wochen Tragezeit nackt und blind auf die Welt kommen. Sie wiegen ca. 10 g und bekommen erst mit 15 Tagen ihren ersten Haarflaum. Nach einem Monat öffnen sie ihre Augen, und es wachsen die ersten Nagezähne. 8 Wochen werden sie gesäugt und im Nest versorgt. Aus dem Nest gefallene Jungtiere geben laute Pfeifgeräusche von sich, um die Eltern auf sich aufmerksam zu machen. Schon gegen Ende der Säugezeit kann das Weibchen wieder befruchtet werden. Bereits vor der Geburt werden noch alle Männchen vom Nest vertrieben.

Als verspielte Jungtiere bleiben die Jungen noch einige Monate in der Nähe des mütterliches Nestes.
Nach einem Jahr sind sie geschlechtsreif. Nur 20 % der Jungtiere überleben das erste Jahr. Sie können aber bis zu 12 Jahre alt werden.

Natürliche Feinde der Eichhörnchen sind Greifvögel wie der Habicht, welcher blitzartig aus der Luft zustößt oder kleine Räuber wie z.B. der Baummarder. Die Baummarder verfolgen die Eichhörnchen durch die Bäume und sind ihnen durch ihre höhere Sprungkraft überlegen. Oftmals hilft den Eichhörnchen nur der Sprung von der Baumspitze zum Erdboden; eine Fähigkeit, die Marder nicht beherrschen.



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