Zypressen-Schlafmoos

Zypressen-Schlafmoos (Hypnum cupressiforme)

Abteilung: Moose (Bryophyta)
Klasse: Laubmoose Musci (Bryopsida)
Familie: Hypnaceae

Autor: Michael Lüth
Mail: Michael Lüth
Website: http://www.milueth.de
mit vielen weiteren Moosbildern

Dokument: LM 00007

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Ökologie
Das Zypressen-Schlafmoos ist ökologisch wenig anspruchsvoll und besiedelt verschiedene Unterlagen wie Mauern, Beton, Felsen, Bäume, morsches Holz und Rohhumus. Es bevorzugt dabei etwas gemäßigte Standorte und meidet wind- bzw. sonnenexponierte Standorte die stark austrocknen, wie auch die ganz nassen Standorte. In trockenen Wäldern bildet das Schlafmoos oft eine Art Gamaschen am Fuß der Stämme (Stammt hiervon der Name Schlafmoos, da man sich hier gern zum Schlafen anlehnt?), hier ist die Luftfeuchtigkeit etwas höher als in der Umgebung. In luftfeuchten Gebieten dagegen, überzieht das Moos ganze Baumstämme und Äste, während am Stammfuß feuchtigkeitsliebendere Arten wachsen. Auf Felsen und Mauern bevorzugt Hypnum cupressiforme meist solche Bereiche, die im Schutz von Bäumen stehen.


Stammfuß einer Eiche an trockenem Südhang.

Verbreitung
Deutschland: Hypnum cupressiforme findet sich in allen Gebieten häufig, ob naturnahe Wälder, landwirtschaftlicher Raum oder Städte. Die Art gehört mit zu den häufigsten Moosarten bei uns.

Allgemein: Weltweit verbreitet und häufig.


Bergahorn in feuchter Bachschlucht.

Erkennungsmerkmale
Das Moos bildet ausgedehnte, mehr oder weniger gold glänzende Decken aus, die von Dezimeter- bis Quadratmeter Größe reichen. Die einzelnen, oft verzweigten Stämmchen erreichen eine Länge von 10 cm und tragen 1-2 cm lange, unregelmäßig bis regelmäßig, 1-2 fach gefiederte Seitenäste. Typisch für die Art (wie zumeist auch für die anderen Arten dieser Gattung) sind die krallenartig nach unten gebogenen Blättchen und eine Blattstellung, die den Ästen von oben betrachtet das Aussehen von geflochtenen Zöpfen verleiht.


Die länglich-zylindrischen und schwach geneigten und gekrümmten Sporenkapseln sitzen auf einem langen, rötlich-braunen Kapselstiel, der Kapseldeckel ist geschnäbelt. Kapseln sind bei dieser zweihäusigen Art zwar nicht selten, aber nicht immer ausgebildet.


Betonpfosten im Schutz eines Baumes.

Variabilität
Je nach Standort erscheint die Art in sehr unterschiedlichen Wuchsformen. Auf waagerechten, etwas feuchten Flächen, bilden sich dicke Polster aus kräftigen Pflanzen, mit regelmäßig gefiederten und dick geschwollenen Ästen. An senkrechten Baumstämmen dagegen findet sich eine Wuchsform, aus sehr dünnen, kaum beasteten Stämmchen, die einen fädigen Überzug bilden. Die Blättchen solcher Pflanzen sind fast gerade und auch die "Zopfform" ist kaum zu erkennen. Dass es sich um die gleiche Art handelt, erkennt man dann leicht, wenn diese hängende Form, etwa an einem abzweigenden Ast, in die waagrechte kommt und hier wieder die typische Wuchsform zeigt.

Es kommen außerdem einige Varietäten dieser Art vor. Diese sind allerdings selten und nur die var. lacunosum ist etwas häufiger anzutreffen. Sie besitzt rundum geschwollen beblätterte, aufsteigende Stämmchen und man findet sie an sonnigen und trockenen Standorten (sonnige Felsen, Halbtrockenrasen).


Deckenartiger Überzug mit Schlafmoos an einer schattigen Mauer.

Verwechslungsmöglichkeit
Das Zypressen-Schlafmoos kann ohne mikroskopische Untersuchung leicht mit anderen Arten der Gattung Hypnum verwechselt werden. Diese sind aber zumeist selten und/oder wachsen an anderen Standorten (zum Beispiel in Sümpfen oder an windumtosten Felsen der Alpen). Lediglich zwei Arten sind häufiger und wachsen an ähnlichen Stellen:

Die eine ist Hypnum andoi (Warziges Schlafmoos), welche in älterer Literatur unter dem Namen Hypnum cupressiforme var. mammilatum als Varietät geführt wurde. Man findet diese Art vor allem in Bergwäldern an Bäumen, die genaue Verbreitung ist aber noch nicht bekannt, da man früher zu wenig auf diese Art geachtet hat. Der hauptsächliche Unterschied zu Hypnum cupressiforme besteht in einem Kapseldeckel, der nicht geschnäbelt ist. Dieses Merkmal kann man aber nur relativ kurz im Jahr beobachten, nämlich direkt vor der Kapselreife im Herbst oder Winter, da danach der Kapseldeckel abfällt.

Die andere Art ist Hypnum jutlandicum (Heide-Schlafmoos), eine Art die sehr nah verwandt mit H. cupressiforme ist. Man findet diese Art als Bodenmoos in Nadel- und Mischwäldern und Heidelandschaften, vor allem auf Rohhumus zwischen Zwergsträuchern. Das Heide-Schlafmoos ist blass- bis silbriggrün (H. cupressiforme gelb- bis goldgrün) und sehr regelmäßig bis fast kammartig gefidert.

Eine auf den ersten Blick leicht zu verwechselnde Art, Sanionia uncinata (Hakenmoos), wächst in höheren Berglagen. Bei genauer Betrachtung hat diese Art aber stark längsfaltige Blätter und eine Blattrippe (H. cupressiforme hat glatte Blätter, daher auch der Glanz, und keine, bzw. nur eine sehr kurze Doppelrippe). Wenn die zwei Arten im gleichen Gebiet wachsen, nimmt Sanionia uncinata eher die feuchten und Hypnum cupressiforme eher die trockenen Standorte ein.

Typisch für das Schlafmoos sind die krallenartig nach unten gebogenen Blättchen. Von oben gesehen erinnern die Äste an einen geflochtener Zopf.



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