Dickhaar-Spalthütchen

Dickhaar-Spalthütchen (Schistidium crassipilum)

Abteilung: Moose (Bryophyta)
Klasse: Laubmoose Musci (Bryopsida)
Familie: Grimmiaceae

Autor: Michael Lüth
Mail: Michael Lüth
Website: http://www.milueth.de
mit vielen weiteren Moosbildern

Dokument: LM 00004

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Zur Zeit der Sporenreife (Februar-März) bilden die Kapselzähne einen regelrechten Strahlenkranz um die Kapselöffnung.

Ökologie
Auf trockenen Mauern und Beton ist Schistidium crassipilum sehr häufig vertreten, oft wächst die Art zusammen mit Tortula muralis, Grimmia pulvinata und Orthotrichum anomalum. Genau wie diese Arten, besiedelt Schistidium crassipilum auch natürliche Felsstandorte, solange diese etwas basenreich sind.

Die eingesenkten Sporenkapseln und die dicken und etwas steifen Glashaare sind typisch für Schistidium crassipilum.

Verbreitung
Deutschland: Die Art ist in ganz Deutschland sehr häufig und neben natürlichen Vorkommen an basenreichen Felsen in allen besiedelten Gebieten reichlich vorhanden.
Allgemein: Europa, Kleinasien, Nordamerika.


Erkennungsmerkmale
Olivgüne, braune bis braunschwarze Pflanzen, die in Büscheln mit einer Höhe von 1-3 cm wachsen. Die einzelnen Stämmchen können bei großen Pflanzen über 5 cm lang werden, dann wachsen sie aber nicht mehr aufrecht, sondern niederliegend aufsteigend. Pflanzen dieser Größe können deckenartige Überzüge bilden. Die meist scharf gekielten, oval lanzettlichen Blätter, sind im trockenen Zustand aufrecht bis leicht gebogen und liegen dem Stämmchen an. Das Blatt endet in einem starren und dicklichen Glashaar, dieses ist oftmals sehr lang und auffällig, kann bei manchen Pflanzen aber auch so kurz sein, dass man es nur mit der Lupe sieht (wie z.B. im ersten Bild). Beim Anfeuchten biegen sich die Blätter sehr rasch und plötzlich zurück und richten sich gleich danach, etwas abstehend, wieder auf.

Die zylindrisch bis länglichovalen Sporenkapseln sind wie bei allen Arten der Gattung auf kaum vorhandenem Kapselstiel in die Blätter eingesenkt. Oft werden sie von den Hochblättern (die meist etwas größer sind als die untern Blätter) noch überragt. Auf dem Kapseldeckel befindet sich (in unreifem Zustand im Frühwinter) eine kappenförmige (schief aufsitzende) Haube, deren unterer Rand oft tief gespalten ist (Markierung mit rotem Sternchen in den zwei unteren Bilder). Diesem Merkmal verdankt die Gattung (Schistidium = Spalthütchen) ihren Namen.

Die Kapselhaube (Kalyptra) ist am unteren Rand mehr oder weniger tief eingerissen (gespalten), was der Gattung den Namen verleiht (Spalthütchen).

Verwechslungsmöglichkeit
Die Gattung Schistidium wurde 1996 von dem Norweger Hans Blom einer umfassenden Revision unterzogen. Dabei stellte sich heraus, dass sich hinter der häufigen und weit verbreiteten (vermeintlichen) Art Schistidium apocarpum mehrere andere Arten verbergen. Die Pflanze, nach der Schistidium apocarpum ursprünglich einmal benannt wurde, ist nur mäßig häufig und wächst vor allem an basenarmem Gestein. Die häufigste Art, die überall auf den Mauern zu finden ist, hat Hans Blom nach dem dicken und steifen Glashaar Schistidium crassipilum benannt. Dieser Name taucht also nur in neuren Büchern (nach 1996) auf. In älteren Büchern sind diese Pflanzen noch unter dem (falschen) Sammelbegriff Schistidium apocarpum benannt.

Auf trockenen Mauern und Beton innerhalb von Ortschaften ist Schistidium crassipilum in der Regel die einzige Art der Gattung. Andere Arten können vorkommen, sind aber eher selten und meist auf Spezialstandorte außerhalb der Ortschaften beschränkt (z.B. Sch. trichodon auf senkrechten Mauern an Bächen, Sch. robustum auf Mauern aus Kalksteinen, Sch. apocarpum auf Mauern aus kalkfreiem Gestein wie Granit). Eine sichere Unterscheidung der Arten, ist nur mit mikroskopischen Merkmalen möglich.

Auf Mauern und Beton innerhalb Ortschaften reicht normalerweise die Beschreibung "mit Glashaar und eingesenkten Kapseln" um Schistidium crassipilum zu erkennen. Es gibt allerdings eine Orthotrichum Art, O. diaphanum, die ebenfalls Glashaare trägt und eingesenkte Kapseln hat und die gelegentlich auch auf Mauern vorkommt (meist etwas schattige, senkrechte Flächen). Häufiger aber findet man diese Art an Baumstämmen wachsend. In unreifem Zustand sind die Pflanzen sofort an den für die Gattung Orthotrichum typischen, glockenförmigen Kapselhauben, die fast die ganze Kapsel bedecken, zu erkennen. In reifem Zustand (entdeckelt und ohne Haube) unterscheidet sich die Art durch sehr helle, gelblich-weiße und dünne Kapselzähne (siehe Bild unten) von Schistidium crassipilum mit rotbraunen und kräftigen Kapselzähnen.


Orthotrichum diaphanum (Glashaartragendes Goldhaarmoos).



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