Mauer-Drehzahn

Mauer-Drehzahn ( Tortula muralis)

Abteilung: Moose (Bryophyta)
Klasse: Laubmoose Musci (Bryopsida)
Familie: Pottiaceae

Autor: Michael Lüth
Mail: Michael Lüth
Website: http://www.milueth.de
mit vielen weiteren Moosbildern

Dokument: LM 00002

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In trockenem Zustand verleihen die Glashaare der Blätter den Pflanzen einen grauen Schimmer. Pflanzen im Frühjahr, mit Sporenkapseln kurz vor der Reife.

Ökologie
Tortula muralis, ursprünglich ein Moos sonniger Kalkfelsen, fand in der Umgebung menschlicher Besiedlungen so viele Lebensräume, dass es heute weltweit mit zu den häufigsten Moosarten zählt. Man findet es meist schon direkt vor der Haustür, an fast jeder Gartenmauer, auf Beton, an Denkmälern und Grabsteinen. Es werden dabei waagrechte bis senkrechte (zum Teil sogar überhängende) Flächen besiedelt. Während viele Moose nur an etwas feuchteren Stellen (z. B. im Schatten) wachsen können, dringt Tortula muralis auch auf die ganz trockenen und sonnigen Flächen vor. Die Blätter der Pflanzen besitzen lange Glashaare, die in trockenem Zustand durch Lichtreflektion, vor zu hoher Einstrahlung schützen. Zudem helfen die Glashaare, Feuchtigkeit und Tau aus der Luft "herauszukämmen".

Pflanzen im Winter, mit den alten Sporenkapseln (rotbraun) vom Vorjahr und gerade neu treibenden jungen Kapseln (gelblich).
Pflanzen im Winter, mit den alten Sporenkapseln (rotbraun) vom Vorjahr und gerade neu treibenden jungen Kapseln (gelblich).

Verbreitung
Deutschland: Die natürlichen Vorkommen beschränken sich auf die Kalkgebiete. Synanthrope Vorkommen sind in den Siedlungsgebieten regelmäßig und in großer Zahl vorhanden.

Allgemein: Nahezu auf allen Kontinenten der Erde verbreitet. Europa, Asien, Afrika, Nordamerika, Mittelamerika, Südamerika, Australien, Neuseeland.

Im feuchten Zustand erkennt man die zungenförmig-abgerundeten Blätter mit dem aufgesetzten Glashaar.

Erkennungsmerkmale
Pflanzen in niedrigen Rasen von bis zu 0,5 cm Höhe, bis zu kleinen, 1-2 cm hohen Polstern. In trockenem Zustand etwas bläulichgrün, durch die Glashaare oft grau schimmernd, in nassem Zustand grasgrün. Die Blätter sitzen gedrängt an sehr kurzem Stämmchen, trocken sind sie einwärtsgebogen und leicht gedreht, feucht aufrecht abstehend. Die unteren Blätter sind kleiner als die oberen und etwas zugespitzt, die oberen sind meist zungenförmig abgerundet. Der Blattrand ist leicht nach hinten umgerollt. Die Blattrippe tritt als mehr oder weniger langes Glashaar aus (an sonnigen Standorten länger als an schattigen).

Sporenkapseln zylindrisch, aufrecht, oft etwas gekrümmt, mit 2-3 mal links gewundenen, fadenförmigen Peristomzähnen. Die Kapseln sitzen auf geradem, bis zu 2 cm langem Kapselstiel (Seta) und sind daher weit aus dem Moospolster herausgehoben.


Kapsel mit links gewundenen Peristomzähnen.

Verwechslungsmöglichkeit
Tortula muralis ist in der Regel die einzige Moosart auf Mauern mit Glashaaren und zylindrische Kapsel auf langer Seta. Auf etwas geschützen, waagrechten Flächen, auf denen sich durch Staubanflug etwas Feinmaterial sammeln kann, kommt eine Verwandte Art vor, Tortula ruralis. Diese Art ist aber viel größer, mit bis zu 5 cm hohen Stämmchen und die Blätter sind in feuchtem Zustand meist deutlich nach unten zurückgekrümmt. Mit einer starken Lupe erkennt man, dass bei Tortula ruralis das Glashaar gezähnt ist. Das Glashhar bei Tortula muralis dagegen ist glatt. Da Tortula muralis einhäusig ist (männliche und weibliche Organe auf der selben Pflanze), sind immer sehr viele Sporenkapseln ausgebildet. Die zweihäusige Tortula ruralis bildet dagegen nur vereinzelt Kapseln aus.

Auf Felsen können weitere Arten der Gattung Tortula zu Verwechslung führen. Eine Unterscheidung ist hier oft nur über mikroskopische Mermale möglich.


Tortula ruralis bildet stattliche Pflanzen mit feucht zurückgekrümmten Blättern.



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