Kreuzkröte

Kreuzkröte (Bufo calamita)

Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Echte Kröten (Bufo)

Autor: Jörg Kammel
Mail: jkammel@t-online.de

Dokument: JK 00007

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Die Kreuzkröte unterscheidet sich von der ansonsten recht häufigen Erdkröte durch orange oder rötlichbraune Warzen und einen schmalen, gelblichen, über den Rücken (“Kreuz“) verlaufenden Strich, der ihr den Namen gibt. Sie ist etwas kleiner als ihre populäre Verwandte. Die Größe der Männchen reicht von vier bis sieben Zentimetern, die der Weibchen von fünf bis acht Zentimetern.  Die Kreuzkröte hat von allen heimischen Amphibien die lauteste Stimme. Bis zu 2 km weit ist in ruhiger Umgebung das rollende ”ärr – ärr – ärr” der Krötenmänner zu hören. Aus gleicher Entfernung zieht es die Weibchen zu den Laichplätzen. Da Kreuzkröten immer auf der Suche nach neuen Lebensräumen und Fortpflanzungsstätten sind, hat sich auch ihre Art der Fortbewegung daran angepasst. Nur selten springen oder hüpfen die Tiere wie Frösche. Extrem kurze Hinterbeine lassen diese Art der Fortbewegung kaum zu. Vielmehr laufen oder rennen die Tiere beeindruckend schnell in kurzen Etappen, wobei der Bauch den Boden nicht berührt.

Ebenso wie die Wechselkröte ist die Kreuzkröte eine Pionierart trockenwarmer Lebensräume in Gebieten mit lockeren und sandigen Böden. Vorhandensein offener, vegetationsarmer bis freier Flächen mit ausreichenden Versteckmöglichkeiten als Landlebensraum sowie weitgehend vegetationsfreie Gewässer (Temporärgewässer) als Laichplätze sind Voraussetzung für die Existenz der Kreuzkröte. Besiedelt werden Abgrabungsflächen, Bergbaufolgelandschaften, Brachen, Baugelände, Truppenübungsplätze sowie Ruderalflächen im menschlichen Siedlungsbereich. Selbst in strukturarmen Agrarlandschaften wird die Art angetroffen. Mit ihren kurzen Hinterbeinen hüpft die Kreuzkröte nicht, sondern läuft mausähnlich. Die Kreuzkröte kommt mit Ausnahme Süd- und Ostbayerns sowie einiger weißer Flecken in ganz Deutschland vor. Auf den Ostfriesischen Inseln ist sie der häufigste Froschlurch.

Als wandelnde Wasserspeicher können Kreuzkröten bis zu 37% des Körpergewichtes in Form von Wasser in der Blase speichern. Mit diesem Wasservorrat können Kreuzkröten ähnlich wie Kamele in der Wüste auch größerer Strecken wandern, ohne Gewässer aufsuchen zu müssen.
Doch eines haben die Amphibien Kamelen voraus: Kreuzkröten können über die Haut Wasser aus dem Sand aufnehmen. Möglich macht dies die Fähigkeit der Tiere, Harnstoff im Blut zu speichern. Erst wenn der Feuchtgehalt im Boden 6% unterschreitet, sind die Tiere gezwungen, zur Rehydration feuchte Stellen oder Wasser aufzusuchen. Eine weitere Anpassung an heiße Lebensräume ist die Verlagerung der Aktivitäten in die Nacht. Heiße sonnige Tage verbringen die Tiere in selbst gegrabenen 20 cm tiefen Gängen. Wo das Graben nicht möglich ist, werden auch Kaninchenbaue oder Mäusegänge oft von mehreren Tieren auf einmal genutzt. Auch im Winter werden solche Verstecke genutzt. Allerdings werden dann Gänge gegraben, die bis zu 1,80 m lang sein können.

Kreuzkröte frontal

Die unmittelbaren Fortpflanzungsaktivitäten sind sehr oft mit Regenfällen (starke Sommergewitter) gekoppelt. Die Rufe (gkrah, gkraahh, gkraah, gkrah, ...) der Kreuzkrötenmännchen sind sehr laut und gehören mit den Rufen des Laubfrosches zu den lautesten unserer heimischen Froschlurche. Unter günstigen Bedingungen können die Rufe kilometerweit gehört werden. Die Kreuzkröten legen die typischen Doppelschnüre der Echten Kröten zumeist in Flachgewässer und Überschwemmungsflächen ab. Die schwarzen Kaulquappen entwickeln sich sehr schnell und können sich bereits nach nur drei bis vier Wochen zur Jungkröte verwandeln. Diese sehr schnelle Entwicklung ist eine Anpassung an die temporären, schnell austrocknenden Laichgewässer und dynamischen Lebensräume, z.B. der Überflutungsauen.

Kreuzkröte Jungtier
Jungtier

Bundesweit wird die Kreuzkröte in der „Roten Liste“ als „gefährdet“ eingestuft. Ihr Bestand hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert. Da die natürlichen Lebensräume die sich durch viel Dynamik auszeichnen, weitgehend verschwunden sind, ist auch die Kreuzkröte stark in Bedrängnis geraten. Sie konnte sich fast nur noch in künstlichen Lebensräumen halten, die eine ähnliche Dynamik aufweisen. Solche Ersatzlebensräume gehören erhalten und müssen auch regelmäßig gepflegt werden, wenn sie nicht mehr der ursprünglichen Nutzung unterliegen. Ansonsten droht die Verbuschung und Bewachsung der Tümpel und die Kröte wandert ab. Leider werden solche Lebensräume aber immer wieder rekultiviert um sie wieder wirtschaftlich nutzen zu können. Darunter leidet nicht nur die Kreuzkröte sondern viele andere Tier- und Pflanzenarten die auf Pionierlandschaften angewiesen sind.



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