Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Unterstamm: Tracheentiere (Tracheata)
Überklasse:  Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Flußjungfern (Gomphidae)

Autor: Jörg Kammel
Mail: jkammel@t-online.de

Dokument: JK 00006

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Die Gemeine Keiljungfer ist eine gedrungene, kräftig gebaute Libelle mit einer Flügelspannweite von 6 bis 7 cm und einer Körperlänge von etwa 5 cm. Der für die Gattung namensgebende Keil ist eine Verdickung der letzten Segmente des Hinterleibs und nur bei den Männchen ausgeprägt.  Als enzige der Gomphus - Arten besitzt sie vollkommen schwarze Beine. Als Carl von Linne 1758 die Libellenart beschrieb, war sie so häufig, dass er sie als "vulgatissimus" (="äußerst gemein") benannte. Durch die Verbauung und Verschmutzung der Flüsse in den letzten beiden Jahrhunderten ist die Gemeine Keiljungfer jedoch mittlerweile in ihrem Bestand gefährdet. Bundesweit wird sie in der Roten Liste als "Stark gefährdet" eingestuft. Vielerorts ist sie hochgradig gefährdet.

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der französischen Atlanikküste bis zum Ural. Die Verbreitungsgrenze verläuft im Norden durch England und das südliche Skandinavien, im Süden von Südfrankreich über Mittelitalien und Nordgriechenland bis zum Kaukasus. Die Höhenverbreitung beschränkt sich meist auf tiefere Lagen unter 600 m üNN, vereinzelt können Fortpflanzungsgewässer bis etwa 750 m gefunden werden.

Gomphus vulgatissimus besiedelt in erster Linie Fließgewässer des Tieflandes und der Ebene, von breiteren Bächen über Flüsse und Kanäle bis hin zu großen Strömen. Daneben werden aber auch die Uferbereiche von Seen und Abbaugewässern wie Baggerweiher als Habitate genutzt. Wichtigster Faktor für die Besiedlung aller Lebensräume stellt dabei relativ feines, meist sandiges oder schlammige Substrat als Lebensraum für die Larven dar. Dieses Exemplar habe ich an einem toten Flußarm - einem stillen Gewässer - entdeckt.

Die Flugzeit von G.v. beginnt in der Regel Anfang Mai und endet endet Anfang August, Einzelbeobachtungen von Imagines sind in Ausnahmefällen bis Anfang September möglich. Die Paarung dieser Art ist langwierig und kann bis über eine Stunde dauern, die das Paarungsrad bewegungslos in der Vegetation versteckt in Gewässernähe verbringt. Anschließend fliegen die Weibchen allein zum Gewässer, wo sie im Sitzen mit angehobenem Hinterleib einen erbsengroßen Eiklumpen auspressen, den sie anschließend im Flug mit Wippbewegungen auf der Wasseroberfläche nach und nach abstreifen.

Die nachtaktiven Larven leben in Feinsediment wie Sand oder Schlamm eingegraben, wo sie als Ansitzjäger ihrer Beute ruhig auflauern. Der Entwicklungszyklus der Larven umfasst mehr als zehn Stadien und beträgt zwei, drei oder vier Jahre. Die Dauer des Entwicklungszyklus ist dabei wahrscheinlich nicht von der geographischen Lage bzw. dem Klima abhängig, sondern vom Gewässertyp. Eine zweijährige Entwicklung ist wohl nur in großen Strömen mit warmen Flachwasserbereichen möglich.

Nach dem Schlupf verlassen die jungen Imagines das Gewässer und verteilen sich während einer maximal zweiwöchigen Reifungsperiode im Umland, oftmals mehrere Kilometer vom Entwicklungsgewässer entfernt. Erst als geschlechtsreife, adulte Tiere sind sie wieder am Gewässer zu finden. Meist kann man dort jedoch nur die Männchen beobachten, die an Fließgewässern gerne Reviere von 10 bis 20 m Uferlänge besetzen, die von Bäumen oder Steinen aus auf der Ausschau nach Weibchen überwacht werden. Die Weibchen kommen nur zur Paarung und zur Eiablage ans Gewässer und sind entsprechend selten zu beobachten.

Als Vertreter der Gomphiden (Familie der Flussjungfer) ist auch die Gemeine Keiljungfer in der Lage, in waagerechter Position zu Schlüpfen. Das können nicht viele Libellen, denn dazu ist ein sehr hoher Körperinnendruck notwendig. Dieser wird aufgebaut, indem die Larve vor dem Schlüpfen Wasser aufnimmt, das nach der Emergenz wieder abgegeben werden muss -sonst wäre die Libelle zu schwer, um Abfliegen zu können. Außer den Gomphiden kann z.B. noch das Kleine Granatauge waagerecht schlüpfen.



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Gemeine Keiljungfer

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