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Bergfink (Fringilla montifringilla) engl: Brambling Familie: Finken (Fringillidae) Autor:Hans-Wilhelm Grömping Dokument: HWG 00268 ► mehr Vögel |
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Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Der Bergfink ist ein häufiger Brutvogel im nordeuropäischen Nadelwaldgürtel und in den Birkenwäldern Fennoskandiens. Sein Verbreitungsgebiet reicht in Sibirien zum Teil bis an den Nordrand der Mongolei und im Osten bis zur Amur-Mündung.
In Mitteleuropa brüten Bergfinken nur sehr selten und unregelmäßig. Kleinvorkommen mit maximal 5 Brutpaaren gibt es in den Niederlanden. Der europäische Brutbestand beträgt zwischen 13- 22 Millionen Brutpaaren. Davon sind 10-15 Millionen Brutpaare in Russland heimisch. In Finnland gibt es 1- 2,5 Millionen Brutpaare, in Norwegen 1-2 Millionen und in Schweden 0,5 2 Millionen. Der Bestand ist ungefährdet und stabil.
Nur im Sommerhalbjahr, meist von Mitte April bis Oktober, hält der Bergfink sich in weiten Bereichen seines Brutgebietes auf. Allein im Süden des Verbreitungsgebietes überwintern auch einzelne Bergfinken und sind dort Teilzieher. Die meisten Bergfinken überwintern jedoch in Mittel- und in Südeuropa in zum Teil wechselnden Winterquartieren, wobei ein Großteil nördlich der Alpen bleibt. Entscheidend für das Vorkommen von Bergfinken im Winter ist das Angebot an Bucheckern; gibt es keine Bucheckern oder sind diese vom Schnee bedeckt, müssen die Bergfinkenschwärme weiterziehen. Aber allein das reichliche Vorhandensein von Bucheckern bedeutet noch längst nicht ein massenhaftes Auftreten von Bergfinken. Zu besonders großen Konzentrationen von Bergfinken kam es in den letzten Jahren in der Schweiz und in Süddeutschland. Nicht selten kommt es aber auch zu extremen Winterquartierwechseln unter den Bergfinken.

Beschreibung:
Mit 14 cm- 16 cm Länge entsprechen Bergfinken in der Größe und Gestalt etwa den Buchfinken. Vorderbrust und Schulter sind je nach Kleid stark oder weniger stark orangefarben; im Prachtkleid haben Bergfinkenmännchen einen auffällig blauschwarzen Kopf und Mantel. Im Schlichtkleid ist das Schwarz verdeckt durch bräunliche Federsäume. Die Weibchen ähneln den Buchfinken - Weibchen etwas, sind aber durch die orangebraune Brustfärbung, die dunkel gefleckten Flanken und den gelblichen Schnabel leicht zu unterscheiden. Charakteristisch für den Bergfinken sind der weiße Bürzel und Rücken, die besonders beim Auffliegen auffallen.

Lebensraum, Verhalten und Nahrung:
Bergfinken sind Brutvögel lichter Nadel-, Misch- und Laubwälder bis zur Baumgrenze. Vor allem den offeneren Nadelwald mit einzelnen eingestreuten Laubbäumen bevorzugen die Vögel sowie Birkenwälder; dichte, hohe Wälder meiden sie ganz. Im Winter sind Bergfinken in Buchenwäldern anzutreffen, daneben auch in halboffenen Landschaften, in Parks und in Gärtern, wo sie Futterstellen besuchen.
Bergfinken sind tagaktiv und ziehen auch am Tag. Wie Buchfinken suchen sie ihre Nahrung am Boden. Nach ihrer Ankunft im Brutgebiet fressen sie vor allem Sämereien, um dann immer mehr auf Insektennahrung überzugehen. Besonders größere und sich langsam bewegende Arten wie Käferlarven und Raupen des Spanners werden gern genommen. Die Nestlingsnahrung besteht aus meist recht großen Insekten. Im Winterhalbjahr fressen Bergfinken in Mitteleuropa zunächst meistens Bucheckern und später dann andere Samen wie Fichtensamen und Mais. Auch Gliederfüßer werden im Winter gefressen.

Fortpflanzung:
Im April oder Mai kommen Bergfinken am Brutplatz an. Das Männchen gründet ein Revier und nach Besitznahme des Reviers bilden sich die Paare. Der Nistplatz wird vom Weibchen ausgesucht. Das Nest wird in einer Astgabel oder auf einem Ast in Büschen oder Bäumen in einer Höhe von 1,5 bis 15 m erbaut. Es ähnelt einem Buchfinknest, ist aber größer und weniger sorgfältig gebaut. Die mit Flechten und Rindenstückchen besetzten Wände werden dicker aus Halmen und Gras errichtet und die Nestmulde wird mit mehr Federn als die Nestmulde vom Buchfinken ausgekleidet. Die Muldentiefe beträgt durchschnittlich 50 mm, der Durchmesser der Mulde ist 55-60 mm. Das Weibchen baut das Nest ohne Hilfe durch das Männchen.

Im Süden des Verbreitungsgebietes beginnen die Weibchen ab Mai mit der Eiablage, im Norden und Osten erst ab Juni. Das Gelege besteht gewöhnlich aus 5-7 Eiern, täglich wird ein Ei gelegt. Die meist ovalen Eier sind in Farbe und Form sehr variabel und spärlich und verschwommen gezeichnet. Mit Ablage des letzten, manchmal des vorletzten Eies beginnt das Weibchen zu brüten. Nur das Weibchen brütet. Nach 11-14 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie werden von beiden Elternvögeln gefüttert. Nach 12- 14 weiteren Tagen verlassen die Jungvögel das Nest. Es findet in der Regel nur eine Jahresbrut statt; im Süden gibt es gelegentlich auch zwei Jahresbruten, die ineinander verschachtelt sind.

Bruterfolg, Sterblichkeit, Alter:
Hohe Verluste entstehen durch Predatoren und durch Witterungseinflüsse. Bei Nahrungsknappheit werden Bruten oft völlig aufgegeben. Der Bruterfolg ist dann am höchsten, wenn Bergfinken in der Nachbarschaft zu den aufmerksamen und recht wehrhaften Wacholderdrosseln brüten.
Eine Generationslänge beträgt rund 3 Jahre, Einzelvögel können aber viel älter werden. Der älteste Ringvogel aus Schweden war 14 Jahre und 8 Monate alt.

Besonderheiten:
Bergfinken sind anders als Buchfinken kaum brutorts- oder geburtsortstreu. So wird der Brutort in der Regel von Jahr zu Jahr entsprechend dem Nahrungsangebot gewechselt. Entfernungen von 600 km zwischen den Brutorten sind dabei nachgewiesen worden. Es gibt aber auch Einzelnachweise, die Brutorttreue belegen.

Stimme:
Ein nasal- quäkendes „dschäe“ oder ein mehr oder weniger deutlich nach oben gezogenes „djäi“ sind der charakteristische Ruf des Bergfinken. Der Alarmruf klingt hart und nach oben gezogen. Der Flugruf ist kurz und hart „jäg“ oder „tjäk“und klingt immer kürzer und härter als der Flugruf des Buchfinken. Der Gesang ist eine Folge aus monotonen Einzelelementen, etwa „dsää“ oder „dijäei“ und beginnt leise und wird am Ende lauter. Ab März singen die Männchen auch auf dem Durchzug.

Literatur:
Bauer, Bezzel, Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes - Sperlingsvögel, Wiebelsheim.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Singer, Detlev: Welcher Vogel ist das? Stuttgart 2008.
Svensson, Grant, Mullarney, Zetterström: Der neue Kosmos Vogelführer, Stuttgart.
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