Isabellwürger Isabellwürger (Lanius isabellinus)
engl: Isabelline Shrike / Turkestan Shrike

Familie: Würger(Laniidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00267

► mehr Vögel


Allgemeines:
Die Familie Würger (Lanidae) wird von recht kräftigen lerchen- bis dohlengroßen Singvögeln mit einem Hakenschnabel gebildet. Würger sind Ansitzjäger mit kräftigen Beinen und Füßen und scharfen Klauen zum Festhalten ihrer Beute. Weltweit gibt es 31 Würgerarten, die in drei Gattungen zusammengefasst werden. Verbreitet sind Würger hauptsächlich in Eurasien und in Afrika. Zwei Lanius Arten gibt es in Nordamerika.
Männchen und Weibchen sehen meistens gleich aus; bei einigen Arten wie dem Neuntöter unterscheiden sich aber die Geschlechter auch deutlich. Das Aufspießen von Beutetieren auf Dornen ist eine Besonderheit dieser Vogelfamilie; dieses Verhalten dient der Bevorratung.
Der Isabellwürger kommt in drei Unterarten vor: Lanius isabellinus arenarius., L. isabellinus phoenicuroides und L. isabellinus isabellinus.

Isabellwürger

Beschreibung, Kennzeichen und Stimme:
Mit 16 -18 cm Körpergröße sind Isabellwürger etwa gleich groß wie Neuntöter; das durchschnittliche Gewicht liegt bei rund 30 g. Adulte Isabellwürger sind auf der Oberseite sandgraubraun und unterseits beigeweiß. Der Oberschwanz und der Bürzel sind rostrot gefärbt. Im Gesicht fällt üblicherweise die schwarze Maske auf, die beim Männchen noch dunkler als beim Weibchen ist. Ein kleiner weißer Handbasisfleck am Flügel ist ein weiteres Artkennzeichen.
Die Weibchen sind an den Körperseiten und an der Brust oft leicht quer gebändert.
Die Unterart Rotschwanzwürger, L. isabellinus phoenicuroides (sämtliche Fotos: Paphos, Zypern) hat meistens einen rostbraunen Scheitel und Nacken.
Während adulte Isabellwürger kaum mit anderen Würgern zu verwechseln sind, können einzelne junge Neuntöter, die einen intensiv rotbraunen Schwanz haben, mit jungen Isabellwürgern verwechselt werden, die oberseits wie junge Neuntöter manchmal dunkel gebändert sind.
Der Gesang des Isabellwürgers ähnelt dem des Neuntöters und erhält viele gute Imitationen. Der Partnerlockruf klingt weicher als der des Neuntöters und ist leiser.

Lebensraum und Verbreitung:
Isabellwürger brüten in Steppen-, Wüsten- und in Hochlandbiotopen. Sie bevorzugen Bestände aus Tamarisken und Weiden an Flussufern und Gruppen von Gebüschen der Trockensteppe. An Oasen besiedeln sie die Ränder von Baumgruppen. Im Hochgebirge leben Isabellwürger oberhalb der Waldgrenze in Gebüschen. Auch auf dem Zug und im Winterquartier sind Isabellwürger in offenen Lebensräumen wie in der Grassavanne und in der Dornbuschsteppe, auch am Rande von Siedlungen zu finden. Die Unterart Lanius Isabellinus Isabellinus ist Brutvogel in den Hochebenen Chinas und der Mongolei, die Unterart L. I. Phoenicuroides kommt von Iran nach Norden und Osten bis Nordwest-China durch Turkmenistan, Afghanistan, West-Pakistan und Usbekistan vor. Das Verbreitungsgebiet von L. I. Arenarius liegt zwischen dem Verbreitungsgebiet der beiden anderen Unterarten.

Vorkommen in Europa:
Die Unterart Phoenicuroides ist in Europa nur selten nachgewiesen worden. In Großbritannien gab es bisher höchstens 10 Nachweise, in Norwegen und Finnland wurden bis 1989 je 4 Nachweise erbracht, 5 Nachweise gab es bis 1990 in Schweden. Außerdem wurden Rotschwanzwürger in Lettland, Griechenland, in der Türkei, in Zypern und auf den Kanaren festgestellt.
Die Unterart Isabellinus ist in Europa ebenso ein seltener Gastvogel; sie wurde aber häufiger nachgewiesen als Phoenicuroides (Rotschwanzwürger). Von ca. 65 Nachweisen des Isabellwürgers in Großbritannien ist die Mehrzahl Isabellinus zuzuordnen.
In Mitteleuropa gibt es nur wenig Isabellwürger-Nachweise, die sich hauptsächlich auf Phoenicuroides beziehen, so 2000 und 2002 je auf ein Männchen in den Niederlanden. In Polen wurde 1981 ein diesjähriger Isabellwürger festgestellt sowie ein adultes Männchen im September 1984 und im Herbst 1997 und ein Weibchen im Mai 1999. Drei Nachweise gibt es auch aus Belgien (September 1989, November 1999 und September 2000), die einen diesjährigen Vogel betreffen. In Helgoland wurde ein Individuum 1854 festgestellt, dann erst wieder im September 1980 (ein Männchen) und im Oktober 1993 (ein weitere Männchen). 4 weitere Nachweise gibt es aus Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern aus den Jahren 1993-1996.

Ernährung:
Wie die anderen Würger sind Isabellwürger Ansitzjäger, die von ihrer Warte aus große Insekten wie Heuschrecken und Käfer sowie kleine Vögel und Eidechsen erbeuten. Größere Beute wird auf Dornen aufgespießt und nach und nach gefressen.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Svensson, Grant, Mullarney, Zetterström: Der neue Kosmos Vogelführer, Stuttgart.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com, ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Isabellwürger

Natur-Lexikon.com