Samtkopfgrasmuecke Samtkopf-Grasmücke (Sylvia melanocephala)
engl:: Sardinian Warbler

Familie: Grasmücken (Sylviidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00266

► mehr Vögel


Beschreibung und Stimme
Durchschnittlich wiegen Samtkopf-Grasmücken etwa 13 g und werden 13,5 cm lang und sind damit nur wenig kleiner und leichter als Dorngrasmücken. Kennzeichnend für das Männchen ist der samtschwarze Kopf mit dem roten Lidring. Das Auge selbst ist ebenfalls rot. Im starken Kontrast zum schwarzen Kopf steht die weiße Kehlfärbung. Ansonsten ist die das Männchen grau gefärbt, die Oberseite dunkler und die Unterseite heller. Weibliche Samtkopfgrasmücken und Jungvögel sind wesentlich unscheinbarer und nicht so kontrastreich. Sie erinnern an Dorngrasmücken, sind aber dunkler grau und braun gefärbt. Samtkopfgrasmücken haben rötlich-gelbe Beine.
Der Gesang besteht aus meist kurzen Strophen, die in raschem Tempo vorgetragen werden. Die Strophen enthalten knarrende und knirschende Tonfolgen und ratternde Rufe und Laute. Dieser rau-schwätzende Gesang ist typisch für südeuropäische Grasmücken.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Samtkopf-Grasmücken kommen rund um das Mittelmeer vor. Von den Kanaren, den Kapverdischen Inseln und von der Atlantikküste Nordafrikas erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über fast den gesamten Mittelmeerraum einschließlich der dortigen Inseln. Nur in Teilen der Küste Libyens und in fast ganz Ägyptens sowie in Zentral- und Ostanatolien fehlen Samtkopf-Grasmücken. Der Gesamtbestand in Europa beträgt 3,1 – 8,5 Millionen Brutpaare. In Griechenland und Italien gibt es je 0,5- 1,0 Millionen Brutpaare; Noch mehr Vögel leben in Spanien (1,0-1,9 Millionen Paare) und in der Türkei (0,8- 2,4 Millionen Paare). Auch in Portugal und an der Mittelmeerküste Frankreichs sind samtkopfgrasmücken häufig.. Die Bestände sind zur Zeit nicht bedroht, insgesamt stabil oder sogar zunehmend. Vor allem im Westen des Verbreitungsgebietes sind Samtkopf-Grasmücken Standvögel. Im östlichen Teil des Verbreitungsgebietes verlassen aber viele Vögel ihr Brutgebiet.

Samtkopf-Grasmuecke Seitenansicht

Biotop und Nahrung:
Samtkopf-Grasmücken kommen in dichter Strauchvegetation in warmen Gebieten vor. Man kann sie ebenso in niedriger Macchie wie in lichten Kork- und Steineichenbeständen finden. Auch Bestände aus Tamarisken, aus Zypressen und Wacholder werden besiedelt. Selbst das Kulturland meiden sie nicht und kommen dann in Büschen und Olivenhainen vor.
Samtkopf-Grasmücken ernähren sich von den unterschiedlichsten Insekten wie Hautflüglern und Käfern. Wie die meisten Grasmücken nehmen sie im Herbst zahlreiche Beeren und Früchte zu sich. Im Frühjahr naschen sie auch gern an nektarreichen Blüten wie z.B. an denen der Mandelbäume.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Samtkopfgrasmücken brüten im zweiten Kalenderjahr und führen wohl eine monogame Saisonehe. Das Nest ist ein recht fester Bau aus feinen Zweigen von Stauden und Sträuchern, die am Mittelmeer wachsen und aus Grashalmen. Meistens finden sich die Nester in niedrigen Büschen und dornigen Sträuchern sowie in hohem Gras. Nur sehr selten wird das Nest in mehr als zwei Metern Höhe in Bäumen errichtet. Männchen und Weibchen bauen am Nest, oft stellt das Männchen dem Weibchen aber nur unvollständige Wahlnester zur Verfügung. Die Muldentiefe des fertigen Nestes beträgt 4 -5 cm, der Muldendurchmesser ist 5 – 6,5 cm.

Ab Ende März beginnen Samtkopfgrasmücken in Südfrankreich mit der Eiablage; Bruten finden sich aber noch bis Mitte Juli. Die Weibchen legen 3-5 stumpfelliptische Eier, die oft dunklere kleine Flecken auf weißlichen Grund aufweisen, aber recht variabel sind. Sie glänzen aber immer. Beide Partner bebrüten die Eier 12-14 Tage lang. Das Weibchen ist dabei aber fleißiger und sitzt auch die ganze Nacht auf den Eiern. Wenn die Jungen geschlüpft sind, werden sie ebenfalls von beiden Elternteilen betreut. Allerdings hudert das Weibchen wieder mehr als das Männchen. Nach12-13 Tagen verlassen die Jungen das Nest. Sie werden aber noch weiterhin von den Altvögeln betreut und noch mindestens zwei bis drei Wochen geführt. Die Jungen können dann noch 3-4 weitere Wochen beieinander bleiben. Meist finden zwei Jahresbruten statt, bei sehr frühem Legebeginn auch drei. Etwa 1,7 Junge werden durchschnittlich pro Nest flügge. Verluste entstehen hauptsächlich durch menschliche Störungen sowie durch Witterung und Prädatoren wie Schlangen. Eine Generationslänge beträgt weniger als 3,3 Jahre; der älteste Ringvogel war 7,5 Jahre alt.

Literatur:
Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard und Fiedler, Wolfgang: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes - Sperlingsvögel, Wiebelsheim.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Singer, Detlef: Welcher Vogel ist das? Stuttgart.
Sterry, Paul: Die Vögel am Mittelmeer, Stuttgart.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com, ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Samtkopf-Grasmücke

Natur-Lexikon.com