Kammblässhuhn Kammblässhuhn (Fulica cristata)
engl.: Crested Coot

Gattung: Blässhühner (Fulica)
Familie: Rallen (Rallidae)
Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00265

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Allgemeines:
Das Kammblässhuhn gehört zur Familie der Rallen. Rallen sind meist relativ langbeinige und langhalsige Sumpfvögel mit oft hühnerähnlicher Gestalt. Die kurzen runden Flügel liegen dem Körper eng an.

Rallen sind weltweit verbreitet. Insgesamt gibt es rund 142 Arten in 34 Gattungen. Viele dieser Rallenarten sind Inselendemiten, die zum Teil flugunfähig sind. In Mitteleuropa häufig anzutreffen sind Teich- und Blässralle.  Wasserralle, Wachtelkönig, Tüpfelsumpfhuhn, Kleines Sumpfhuhn und Zwergsumpfhuhn sind weitere mitteleuropäische Rallenarten, die jedoch nur geringe oder sehr geringe Bestände haben.

Nur sehr lokal anzutreffen sind das Purpurhuhn und das Kammblässhuhn, zwei weitere in Europa vorkommende Rallenarten.

Kammbläss-Huhn

Aussehen und Beschreibung:
Mir 39-44 cm Größe ist das Kammblässhuhn nur ein wenig größer als seine Schwesterart Blässhuhn, auch Blässralle genannt. Wie Blässhühner sind Kammblässhühner bis auf den weißen Schnabel und das weiße Stirnschild schwarz. Kammblässhühner tragen im Unterschied zur Blässralle zudem noch rote kugelige Höcker auf dem Stirnschild. Diese bestehen aus verhorntem und pigmentiertem Hautgewebe.Diese Höcker sind aber nur in der Brutzeit zu sehen und bilden sich danach zurück. Nur bei genauem Hinsehen kann man die Arten dann unterscheiden: Das Kammblässhuhn hat eine steilere Stirn als das Blässhuhn und ein dreieckiges Kopfprofil. Der Rücken ist zudem noch flacher und steigt nach hinten etwas an. Aus der Nähe sieht man auch, dass der Schnabel des Kammblässhuhns bläulich überhaucht ist, während die Schnabelfarbe beim Blässhuhn rosafarben ist. Im Flug hat nur die Blässralle weiße Armschwingen-Hinterränder.

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Kammblässhühner sind die südlichen Vertreter der Gattung Fulica, Blässhühner die nördlichen. Teilweise überlappen sich ihre geographischen Verbreitungsgebiete. So kann man in Andalusien und Mallorca beide Arten nebeneinander beobachten.

Das Kammblässhuhn gehört zu den seltensten Wasservögeln in Europa. Nur in Teilen Spaniens  sind kleine Brutbestände zu finden. Da seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Spanien Auswilderungsprojekte und Schutzmaßnahmen stattfinden, ist ein langsames Wachsen der nach wie vor bedrohten Population festzustellen. Heute kann man Kammblässhühner außer in Andalusien vor allem in Mallorca im Naturschutzgebiet S'Albufera beobachten. So entstanden die Fotos auch im Nationalpark Doñana und in Albufera.

Kammblässhuhn

Das spanische Kammblässhuhn-Vorkommen bildet zusammen mit dem Vorkommen in Marokko eine isolierte mediterrane Population, die wohl nur rund 3000 bis 5000 Vögel umfasst. Gerade mal 50-80 Paare dieser Reliktpopulation sind in Europa zu finden und zwischen 1990 und 1999 brüteten jährlich nur fünf bis zehn Paare.

Auch im Afrika, dem Hauptverbreitungsgebiet dieser Art, ist das Kammblässhuhn eine seltene Erscheinung. Rund 32.000 Kammblässhühner sind vor allem in Süd- und Ostafrika zu finden.

Im Unterschied zum Blässhuhn, das in den unterschiedlichsten Lebensräumen vorkommt und selbst an Seen in Städten brütet, leben Kammblässhühner in Spanien nur in den Marismas, wie dort die flachen und offenen  Feuchtgebiete, die oftmals nur periodisch überschwemmt sind,  bezeichnet werden. Brüten können Kammblässhühner nur, wenn viel Licht auf das Gewässer fällt und so Wasserpflanzen wie Laichkräuter gedeihen können.  Zudem muss das Gewässer ohne große Strömungen sein. In solchen Gewässern sind sowohl in Andalusien als auch in Mallorca auch Purpurhühner zu finden.

Nahrung:
Wie das Blässhuhn ernährt sich das Kammblässhuhn überwiegend pflanzlich: Schilfsprossen, Teile von Wasserpflanzen, Algen, Samen, Gräser werden gefressen, daneben aber auch Schnecken, Muscheln und Insekten. Einen großen Teil der Nahrung nehmen die Vögel dabei im Tauchen unterhalb der Wasserfläche auf.
Im Vergleich zum Blässhuhn können Kammblässhühner ihre Nahrung schlechter verwerten, vor allem faserreiche pflanzliche Nahrung. Sie benötigen also auch mehr Zeit, um ihre Nahrung aufzunehmen. In Marokko finden Kammblässhühner eher höherwertige Nahrung als in Spanien und müssen nicht so häufig auf verholzte Pflanzenteile zurückgreifen. In Spanien scheinen die Lebensräume für Kammblässhühner qualitativ nicht so hochwertig zu sein wie in Marokko, was sich u.a. auch negativ auf die Sterblichkeit der Kammblässhuhn-Küken auswirkt. Worin genau die Ursachen hierfür zu finden sind, muss noch herausgefunden werden.

Jungenaufzucht und Sterblichkeit:
Bläss- und Kammblässhuhn ähneln sich in ihrer Brutbiologie sehr. Die Männchen beider Arten bringen die Pflanzenteile herbei, die die Weibchen ins Nest einarbeiten. Beide Partner bebrüten ihre Eier. Von den in den gemeinsamen Brutgebieten beider Arten geschlüpften Küken überleben bis zu 90% der Blässhuhnküken, aber nur 30-50% der Kammblässhuhn-Küken. Auch beim Kammblässhuhn helfen ältere Geschwister bei der Aufzucht der Jungen. So übergeben die Altvögel oft den älteren Küken Nahrung, die diese dann  ihren jüngeren Geschwistern weiterreichen.

Jungtier Kammblässhuhn

Kammblässhuhn und Blässhuhn stehen nicht in Konkurrenz zueinander und verdrängen sich nicht gegenseitig. Die Ursache für die größere Jungensterblichkeit der Kammblässhühner ist also wohl darin zu suchen, dass diese Art schlechter mit den Bedingungen im Lebensraum zurecht kommt als die verwandte Art..

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Wiebelsheim 2005.
Der Falke - Journal für Vogelbeobachter 5/2009, 56. Jahrgang, Mai 2009, S. 190-195
Peterson, Roger Tory: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Singer, Detlef: Welcher Vogel ist das? Stuttgart 2008.



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Kammblässhuhn

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