Teichrohrsaenger Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus)

Familie: Rohrsängerverwandte (Acrocephalidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00263

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Allgemeines, Aussehen und Beschreibung:
Rohrsänger sind schlanke Singvögel, die wie ihr Name schon andeutet, in der Verlandungszone langsam fließender und stehender Gewässer leben. Geschickt schlüpfen sie dabei durch Seggendickichte, Gebüsch und Rohrwälder. Ihr Schnabel ist schmal und abgeflacht. An der Schnabelbasis stehen einige gut entwickelte Borsten. Das Gefieder ist recht unscheinbar. Rohrsänger tragen ihren wissenschaftlichen Namen Acrocephalus (bedeutet Spitzkopf) zu Recht, denn der feine spitze Schnabel geht allmählich in den Kopf über, ohne eine abgesetzte Stirn.
Die mitteleuropäischen Rohrsänger unterscheiden sich recht stark in der Wahl ihrer Vorzugshabitate. Seggenrohrsänger und Drosselrohrsänger besetzen die äußeren bzw. die inneren Habitate der Verlandungszonen von Gewässern mit der höchsten Vegetation im tiefen Wasser (Drosselrohrsänger) bzw. mit der niedrigsten Vegetation mit wenig Wasser (Seggenrohrsänger), während Teich-, Marisken-, Sumpf- und Schilfrohrsänger in dieser Reihenfolge in zunehmend abnehmender Vegetationshöhe und Feuchtigkeit vorkommen.
Der Teichrohrsänger ist mit durchschnittlich 13 cm Länge viel kleiner als der sonst sehr ähnliche Drosselrohrsänger, der aber aufgrund seiner Größe von 19 cm nicht mit diesem zu verwechseln ist. Teichrohrsänger haben eine einfarbig braune Oberseite und eine weißliche Unterseite mit gelbbräunlichen Flanken. Am Bürzel sind die Vögel rotbraun gefärbt. Um das Auge haben Teichrohrsänger einen weißlichen Ring, die Beinfarbe ist variabel. Vom Schilfrohrsänger ist der Teichrohrsänger leicht durch den ungestreiften Rücken und Kopf zu unterscheiden. Vom Sumpfrohrsänger dagegen kann man den Teichrohrsänger in der Natur nur sicher anhand des Gesanges unterscheiden. Allerdings sind Teichrohrsänger meist rostfarbiger.

Teichrohrsaenger

Verbreitung, Lebensraum und Bestand:
Der Teichrohrsänger ist Brutvogel ganz Mitteleuropas. Auch der Süden Europas einschließlich der Mittelmeerländer und der großen Inseln wird bewohnt. Darüber hinaus kommen Teichrohrsänger noch in zum Teil stark aufgesplitterten Teilarealen in Vorder-, Mittel- und Zentralasien vor. Am häufigsten sind Teichrohrsänger in Tieflagen von bis zu 200 m ü.M. anzutreffen. Sie sind eng gebunden an Schilf- und Röhrichtbestände und bevorzugen Bestände mit einer hohen Halmdichte in Altschilfbeständen. Diese müssen nicht unbedingt im Wasser stehen. Neben reinen Schilfbeständen besiedeln die Vögel auch Mischbestände mit Rohrkolben. Auf dem Zug halten sich Teichrohrsänger nicht nur im Schilf, sondern auch weitab vom Wasser im Gebüsch und in Hochstauden, selbst in Gärten auf.
Der europäische Gesamtbestand wird auf etwa 2,7- 5 Millionen Brutpaare geschätzt. Die größten Populationen leben in Rumänien (0,8- 1,3 Millionen Brutpaare), in Schweden (500.000 - 600.000 BP), in der Ukraine (280.000 - 400.000 BP) und in Russland (100.000 – 500.000). In Mitteleuropa beträgt der Bestand etwa bis zu 940.000 Brutpaare, wovon mehr als drei Viertel in Deutschland, in den Niederlanden und in Polen brüten. Das bedeutendste Brutvorkommen Mitteleuropas liegt am Neusiedlersee, an dem über 50.000 Brutpaare leben.

Nahrung:
Teichrohrsänger erbeuten ausschließlich kleine Gliederfüßler, darunter viele fliegende Insekten, die im Sprung gefangen werden und kleine Schnecken. Durchschnittlich ist die Größe der Beutetiere kleiner als 10 mm.

Stimme:
Der unermüdliche Gesang des Teichrohrsängers ähnelt dem des Drosselrohrsängers, allerdings wird er in gleichmäßigem Rhythmus und viel leiser vorgetragen. Charakteristisch an diesem Gesang ist, dass es kaum Tempoänderungen gibt und die Tonhöhenbewegungen nur gering sind. Einzelne Gesangselemente oder Kombinationen werden mehrmals wiederholt und durch gleichlange Pausen voneinander getrennt. Das kann klingen wie
„ zick zick zick – zerr zerr zerr
schripp schripp schripp – uit uit uit
tiri tiri tiri tiri – rick rick rick
kiet kiet kiet
karr karr karr – trett trett trett“
Der lautmalerische niederländische Name des Teichrohrsänger Kleine Karekiet (der Grote Karekiet ist der Drosselrohrsänger) gibt die vielleicht typischste Lautäußerung dieses Rohrsängers wieder.
Auch weibliche Teichrohrsänger singen bei Erregung; der Gesang ist allerdings kürzer als der der Männchen, sonst aber nicht von diesem unterscheidbar.

Fortpflanzung:
Schon im ersten Lebensjahr werden Teichrohrsänger geschlechtsreif. Die Partner leben in monogamer Saisonehe zusammen; bei hoher Siedlungsdichte kommt es auch immer wieder zu Umverpaarungen.
Meist treffen Teichrohrsänger ab Ende April aus ihren in West- und Zentralafrika liegenden Winterquartieren wieder im Brutgebiet ein. Das Weibchen wählt den Neststandort aus. Das Nest wird in der Regel in 60-80 cm Höhe über dem Wasserspiegel oder dem Boden an Schilfhalmen aufgehängt. Besonders häufig findet man die Nester in den Randbereichen des Schilfes. Zum Bau des Nestes werden vor allem vorjährige Schilfrispen verwendet. Nur das Weibchen baut bis zu einer Woche am Nest, das einen Muldendurchmesser von 40- 65 mm und eine Muldentiefe von 40-70 mm hat und stabiler zusammengefügt ist als das Nest des Sumpfrohrsängers. Wird das Weibchen gestört, erbaut es an anderer Stelle ein neues Nest, wozu es die Materialien des zuvor angefangenen Nestes verwendet. Durchschnittlich sieben Tage nach Fertigstellung des Nestes beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Dann ist es in Mitteleuropa meistens Ende Mai bis Mitte Juni. Das Gelege besteht fast immer aus 3-5 glänzenden, stumpf-elliptischen Eiern, die im Abstand von 24 Stunden gelegt werden. Späte Gelege (bis Ende August kann man Gelege finden)und Zweitgelege sind kleiner. Die Eier haben einen weißlichen bis grauen oder hell bräunlichen Grundton und sind dicht verwaschen gefleckt. Vor Ablage des letzten Eies beginnen Weibchen und Männchen mit der Brut. Nachts brütet allein das Weibchen, auch tagsüber sitzt es häufiger als das Männchen auf den Eiern. Nach 10-13 Tagen schlüpfen alle Jungen gemeinsam aus den Eiern. In den ersten sieben Lebenstagen hudert das Weibchen; beide Partner füttern, das Männchen übergibt aber dem hudernden Weibchen auch häufig das Futter. Wenn die jungen Rohrsänger nicht gestört werden, bleiben sie 9-13 Tage im Nest, bei Störungen verlassen sie das Nest schon vorher und klettern im Schilf umher. In den ersten Tagen sitzen die jungen Rohrsänger fast nur auf horizontalen Halmen. Zwei Wochen nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch weiter von den Eltern gefüttert. Darüber hinaus bleiben sie noch weitere 3-4 Wochen im Revier der Eltern oder der nächsten Umgebung.

Lebenserwartung und Sterbeursachen:
Etwas mehr als 75% aller Teichrohrsänger sterben im ersten Lebensjahr, doch können einzelne Vögel das hohe Alter von 12 und mehr Jahren erreichen (ein in Großbritannien beringter Vogel wurde nach 12 Jahren und 10 Monaten kontrolliert). Ungefähr 3% einzelner Populationen erreichen ein Alter von 5-12 Jahren.
Verluste von Bruten sind vor allem auf Witterungseinflüsse zurückzuführen, auch auf Hochwasser. Zudem ist der Teichrohrsänger häufig Wirt des Kuckucks. Prädatoren haben mehr Erfolg in gemähten als in ungemähten Schilfbeständen. Altvögel sterben häufig im oder während des beschwerlichen Langstreckenfluges ins afrikanische Winterquartier.

Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Delin, Hakan, Svensson, Lars: Der Kosmos-Vogelatlas, Stuttgart.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 12/I- Passeriformes (3.Teil), Sylviidae, Wiesbaden.



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