Berghänfling Berghänfling (Carduelis flavirostris)
eng. Twite

Familie: Finken (Fringillidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00262

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Beschreibung, Verhalten und Stimme
Mit 13 bis 14 cm Länge sind Berghänflinge etwa so groß wie Bluthänflinge. Sie haben einen kleinen Schnabel, überwiegend ockerbraunes Gefieder und sind deutlich gestreift. Im Prachtkleid haben Berghänflinge dunkelgraue Schnäbel, im Schlichtkleid sind die Schnäbel gelb mit schwarzer Spitze. Männchen im Prachtkleid haben einen rosafarbenen Bürzel, der aber wenig auffällt.
Bei der Nahrungssuche huschen Berghänflinge oft wie Mäuse über den Boden und sind nur schwer im Auge zu behalten. Daneben hängen sie auch in Stauden und selten in Bäumen. Außerhalb der Brutzeit bilden die Vögel Trupps oder sogar große Schwärme.
Der Flugruf ist entweder ein einsilbiges „tjub“, das etwas metallischer und schärfer klingt als der Flugruf des Bluthänflings oder ein nasales, quäkendes hochgezogenes „wäo“ „twäid“ oder „tsch-it“. Kontaktruf ist ist ein scharfes „kiit“. Der Gesang besteht aus zwitschernden und trillernden Strophen mit pfeifenden Tonfolgen und eingeflochtenen Rufen und hört sich angenehm an.

Berghänfling auf Felsen

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Berghänflinge kommen als Brutvögel in zwei von einander getrennten Arealen vor: In der Steppenzone und im Hochgebirge Vorder-, Mittel- und Zentralasiens sowie in der borealen und gemäßigten Zone der Nordwestpaläarktis. Der europäische Brutbestand liegt zwischen 170.000 – 760.000 Brutpaaren. Die größten Populationen weisen Norwegen ( 100.000 – 500.000 Brutpaare), die Türkei (40.000- 200.000 BP), Armenien (20 – 30 Tausend BP), das nördliche Großbritannien (7.600 – 16.700 Brutpaare), Aserbeidschan (1-10 Tausend BP) und Nordwest-Russland (2-5 Tausend BP) auf. Kleinere Bestände leben in Irland, Nordfinnland, Georgien und Schweden.
Je nach Herkunft sind Berghänflinge Standvögel, Teilzieher oder Zugvögel. Die Brutvögel Großbritanniens, Irlands und Skandinaviens überwintern hauptsächlich in den Küstengebieten von Nord- und Ostsee und in deren Hinterland. Die Wattenmeerküste ist das wichtigste Winterquartier.

Berghänflinge

Biotop und Nahrung:
Brutlebensraum sind Steppen, offene Tundragebiete, Heideflächen und karge Gebirgsgegenden und alpine Matten jenseits der Baumgrenze. In Großbritannien sind die Vögel vor allem auf Flächen mit Besenheide und Adlerfarn anzutreffen.
Außerhalb der Brutzeit und im Winterquartier in Mitteleuropa halten sich die Vögel in Salzmarschen, auf kurzrasigen Flächen, auf Ruderalplätzen, im Ödland, an Kiesbänken und Ufersäumen von Binnengewässern auf.
Die Nahrung des Berghänflings besteht aus den Samen der unterschiedlichsten Pflanzenarten, die auf den meist kargen Böden wachsen. An der Küste werden Queller und Strandaster bevorzugt. Auch im Spülsaum suchen Berghänflinge nach Nahrung. Insekten spielen nur eine sehr geringe Rolle in der Ernährung.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Berghänflinge werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Sie führen eine monogame Saisonehe. Im Brutgebiet kommen Berghänflinge in Norwegen ab April an, in Großbritannien schon im März. Dicht über dem Boden oder am Boden zwischen Besenheide und anderer Bodenvegetation, zwischen Steinen, am Fuße eines Felsen oder in Steinwällen und Steinhaufen, manchmal auch in Büschen und im Efeu wird das Nest errichtet, das aus Halmen, Gras und kleinen Zweigen besteht und mit Moos, Federn und Tierhaaren ausgepolstert wird. Der Durchmesser der Nestmulde beträgt 4-6 cm, die Muldentiefe 3-5 cm. Nur das Weibchen baut das Nest

Frühestens im April, hauptsächlich aber später beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Das Gelege besteht gewöhnlich aus 5-6 bläulichweißen, matten Eiern mit meistens wenigen, aber deutlichen dunkel rotbraunen Flecken und Strichen. Nach Ablage des dritten, vierten oder des letzten Eies beginnt das Weibchen zu brüten. Es brütet allein und wird in dieser Zeit vom Männchen gefüttert. Nach 12-13 Tagen schlüpfen die Jungen asynchron innerhalb von 3-4 Tagen aus. Männchen und Weibchen füttern beide ihre Jungen aus dem Kropf heraus. Diese fliegen nach 10-15 Tagen aus, werden aber noch bis zu zwei weitere Wochen von den Eltern gefüttert. Meistens finden zwei Jahresbruten statt. In Gefangenschaft können Berghänflinge mindestens 9 Jahre alt werden. Der älteste wiedergefundene Ringvogel war 7,5 Jahre alt.

Alle Fotos entstanden auf der Insel Runde (Norwegen).

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Singer, Detlef: Welcher Vogel ist das? Alle Vögel Europas, Stuttgart.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.



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