Wüstengimpel Wüstengimpel (Bucanetes githagineus)
eng. Trumpeter bullfinch

Familie: Finken (Fringillidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00261

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Allgemeines:
Die vier Unterarten Bucanetes g. amantum, Bucanetes g. zedlitzi, Bucanetes g. githagineus und Bucanetes g. crassirostris unterscheiden sich in der Gefiederfärbung. Die die Kanaren bewohnende Unterart Bucanetes githagineus amantum ist intensiver gefärbt als die anderen Unterarten. Die Unterart B.g. zedlitzi ist von der Sahara über Mauretanien bis nach Tunesien verbreitet, die Unterart B. g. githgineus ist im Sudan und in Ägypten heimisch und B. g. crassirostris findet sich vom Nahem Osten bis Mittelasien. Alle hier gezeigten Vögel gehören der Unterart Bucanetes githagineus amantum an und wurden auf Fuerteventura fotografiert.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Wüstengimpel sind Brutvögel in Nordafrika und darüber hinaus nach Osten bis Pakistan verbreitet. In Europa kommen sie regelmäßig nur in Südspanien, vor allem in Andalusien vor. Auch auf den Kanarischen Inseln, die geografisch zu Afrika, politisch aber zu Europa gehören, kann man die Vögel antreffen. Äußerst selten wurden Wüstengimpel in Großbritannien als Irrgäste festgestellt.
Wüstengimpel sind Bewohner von Halbwüsten und Wüsten. Der europäische Brutbestand beträgt elf- bis zwanzigtausend Brutpaare; ein Großteil davon ist auf den Kanaren zu finden. Nur 300 - 500 Brutpaare sind in Südspanien heimisch und ungefähr gleich viele in der Türkei. Wüstengimpel sind Kurzstreckenzieher, die hauptsächlich bei fehlenden Niederschlägen und mangelndem Nahrungsangebot wandern.

Wuestengimpel

Beschreibung:
Mit 11,5 cm- 13 cm Länge sind Wüstengimpel deutlich kleiner als die allgemein bekannten Gimpel und gehören damit zu den kleineren Finkenarten. Sie sind recht großköpfig, haben einen rot leuchtenden, kräftigen, dicken, aber kurzen Schnabel, einen schmalen, hellen Augenring und ein überwiegend erdbraunes oder hellgraues Gefieder. Während beim Weibchen kaum Rottöne angedeutet sind, ist beim Männchen die ganze Unterseite rosa überhaucht. Auch der Bürzel und die hinteren Flanken sind rosarot gefärbt. Die großen Flügeldecken und Schwungfedern haben rosafarbene Ränder. Im Prachtkleid ist der Kopf des Männchens blaugrau gefärbt. Jungvögel sind insgesamt farbloser graubraun.

Zwei Wüstengimpel

Lebensraum, Verhalten und Nahrung:
Als typische Halbwüsten- und Wüstenbewohner sind Wüstengimpel Bodenvögel, die sich hüpfend fortbewegen. In den trockenen, niederschlagsarmen Lebensräumen, die sie besiedeln, ist die Vegetation nur spärlich und karg. Dort ernähren sich die Vögel von harten Sämereien.
In der Nähe müssen deshalb Wasserstellen sein. Diese suchen die geselligen Wüstengimpel täglich zum Trinken auf.
Auf den Kanaren kann man Wüstengimpel auch am Strand und in den Dünengebieten beobachten, wo sie sich über die trockenen Schoten des Meersenfs ( siehe Fotos) hermachen. Es dauert oft lange, bevor die Vögel die Schoten geöffnet haben und die Samen fressen können. Gegenüber Menschen zeigen Wüstengimpel wenig Scheu.

Wüstengimpel mit Zweig

Fortpflanzung:
Außerhalb der Brutzeit halten sich Wüstengimpel in Trupps auf. In den Trupps beginnen die Männchen die Weibchen zu umwerben und ab etwa Mitte Februar beginnen die Paare mit dem Brutgeschäft. Das napfförmige Nest wird zwischen Steinen am Boden versteckt oder in Mauer- und Felsnischen errichtet. Es besteht aus Halmen und Stängeln und wird innen mit feinen Pflanzenmaterialien und Tierhaaren ausgepolstert. Das Weibchen legt täglich ein Ei, bis das Gelege mit 4-6 Eiern komplett ist. Nach Ablage des letzten Eies beginnt das Weibchen mit der Brut. Es sitzt alleine auf den Eiern, bis nach 13- 14 Tagen die Jungen schlüpfen. Beide Elternteile füttern ihre Jungen, die nach weiteren zwei Wochen das Nest verlassen. Wie andere Gimpel auch bilden Wüstengimpel während der Brutzeit seitliche Kehltaschen aus. In diesen Kehltaschen können sie größere Mengen Futter für ihre Jungen transportieren. Die Jungen werden nach Verlassen des Nestes noch solange betreut, bis sie selbständig sind. In der Regel scheinen Wüstengimpel nur einmal im Jahr zu brüten.

Stimme:
Seinen englischen Namen Trompetergimpel hat der Wüstengimpel nach seinen nasalen Rufen und seinem Gesang erhalten, der an den Klang einer Spielzeugtrompete erinnert. Auch der wissenschaftliche Name Bucanetes bezieht sich auf einen Trompetenbläser. Die typischen Trompetentöne werden nicht selten von reiner klingenden kurzen Elementen umrahmt.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Svensson, Grant, Mullarney, Zetterström: Der neue Kosmos Vogelführer, Stuttgart.
Der Falke- Das Journal für Vogelbeobachter, Heft 8/2003, Wiebelsheim.



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Wüstengimpel

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