Brillengrasmücke Brillengrasmücke (Sylvia conspicillata)
eng. Spectacled Warbler

Familie: Grasmücken (Sylviidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00260

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Beschreibung und Stimme
Mit einem Gewicht von durchschnittlich nur 9,4 g Gramm und einer Körperlänge von etwa 12,5 cm sind Brillengrasmücken deutlich kleiner und vor allem leichter als die in Mitteleuropa weit verbreiteten Mönchs-, Garten-, Dorn- und Klappergrasmücken.
Äußerlich ähnelt die Brillengrasmücke der Dorngrasmücke. Wie diese hat sie einen grauen Kopf, eine weiße Kehle, braune Flügel und weiße Schwanzkanten. Vor allem die ziemlich schlicht gefärbten Weibchen gleichen der Dorngrasmücke. Bei Männchen im Prachtkleid sind die Unterschiede dagegen deutlicher zu erkennen: Zwar ist der Kopf auch grau, doch um das Auge herum ist ein dunkles, fast schwarzes Feld zu erkennen, das beinahe maskenhaft wirkt. Ein gutes Merkmal ist die namensgebende „Brille“, ein weißer zweigeteilter Augenring, dessen obere Hälfte oftmals stärker ausgebildet ist als die untere. Dieser häutige Augenring ist mit feinsten Federchen besetzt. Er ist wesentlich kontrastreicher als der helle Augenring der Dorngrasmücke. Insgesamt sind Brillengrasmücken auch intensiver gefärbt als Dorngrasmücken; während die Dorngrasmücke eine rosa überhauchte Brust hat, ist die ganze Unterseite der Brillengrasmücke braunrosa gefärbt. Bei der Balz spreizt das Männchen seinen Kehllatz nach vorne, wodurch der Schwarzweiß-Kontrast umso stärker zur Geltung kommt. Die Flügel sind deutlich kürzer als bei der Dorngrasmücke, die im Unterschied zur Brillengrasmücke ja ein Langstreckenzieher ist.

Brillen-Grasmücke

Die zeternden Rufe der Brillengrasmücke erinnern an einen Zaunkönig, sind aber etwas weniger tief und klingen metallischer.
Der Reviergesang hört sich rasch und rhythmisch an, hoch und plaudernd. Eingeleitet wird er durch 2-4 hohe reine Pfeiftöne. Im Singflug wird er länger vorgetragen als von einer Warte. Standvögel singen vom späten Herbst an, sonst beginnen Brillengrasmücken mit ihren Gesangsaktivitäten von der Ankunft im Brutgebiet und beenden sie im Mai/Juni.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Brillengrasmücken kommen rund um das Mittelmeer vor. Große Teile Spaniens, der Süden Frankreichs, das mittlere und südliche Italien, Korsika, Sardinien, die Balearen, die Kapverdischen Inseln, Madeira, die Kanaren und davon isoliert Zypern werden besiedelt. Außerhalb Europas findet man Brillengrasmücken in Nordafrika von Marokko nach Osten bis Libyen sowie in einem kleinen Areal im Nahen Osten (von Syrien über den Libanon nach Israel und Jordanien) vor. Der europäische Gesamtbestand liegt bei etwa 180.000 bis 440.000 Brutpaaren mit bedeutenden Vorkommen in Spanien (140.000- 300.000 Brutpaare), auf den Kanaren (20.000-100.000 Paare), in Italien (10- 20 Tausend Paare), in Frankreich (2.000 – 10.000 Paare) und auf Zypern (4-8 Tausend Paare).
Die Inselpopulationen der Kanaren, Kapverdens, Madeiras und Zyperns sind Standvögel. Die südeuropäischen Brillengrasmücken sind Kurzstreckenzieher, die in der Sahara bis Mauretanien, Mali, im nördlichen Niger, in Nordwest-Libyen und in Ägypten überwintern. Sie ziehen im September bis Oktober fort. Der Heimzug findet im Februar/März statt. Mitte März kommen die meisten Brillengrasmücken in ihren Revieren am westlichen Mittelmeer an.

Brillengasmücke auf Ast

Biotop und Nahrung:
Brillengrasmücken kommen in lückenhafter und niedriger Strauchvegetation vor. So findet man die Grasmücken in der spärlichen Vegetation von Halbwüsten und Salzsteppen. Die Quellerbestände in Küstenniederungen werden gern besiedelt. In den ausgedehnten Salzwiesen der Camargue, in denen der Queller kniehoch steht, ist der Vogel typisch. Auf den Kanaren dringt die Brillengrasmücke weiter ins Binnenland vor und bewohnt Dornbuschsteppen und den Sukkulenten - Trockenbusch. In den Hochlagen sind Brillengrasmücken darüber hinaus auch in Ginsterbeständen anzutreffen. Häufig sind Brillengrasmücke auch in der Carrigue in den Beständen von Zistrose und Rosmarin. Nie sollte aber mehr als 30 % des Bodens bedeckt sein und die größte Dichte erreichen die Bestände der Brillengrasmücke auf mediterranen Salzwiesen.
Überwiegend ernähren sich Brillengrasmücken von kleinen Insekten wie Mücken und Fliegen und deren Larven. Daneben werden auch viele Spinnen gefressen. Beeren (z.B. des Bockdorns), das Fruchtfleisch von Opuntien und Blütennektar stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Den Jungen bringen Altvögel auch mancherlei überraschend große Raupen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Schlank und rank macht sich das farbenfrohe Männchen beim Werben um das Weibchen. Mit dem gespreizten Kehllatz singt es leise, aber beständig. In äußerster Erregung umtanzt das Männchen sein Weibchen mit aufgestellten und ausgebreiteten Flügeln und hüpft um es herum und über es hinweg. Das Nest wird in niedriger Vegetation, selten höher als einen halben Meter über dem Boden, in Grasbulten, in Disteln oder kleinen Büschen, errichtet. Es ist ein dickwandiger Bau aus trockenem Pflanzenmaterial, aus Halmen, Rispen oder Pflanzenwolle mit einer tiefen Mulde. Männchen und Weibchen beteiligen sich gemeinsam am Bau. Schon im Winter (Januar) beginnen kanarische Brillengrasmücken mit der Eiablage, in Südwesteuropa von April bis Juni. Das Gelege besteht aus 3-5 stumpfelliptischen, glänzenden Eiern, die auf hellem graugrünlichen Grund dicht mit grauen oder olivbraunen Punkten übersät sind. Nach Ablage des letzten Eies bebrütet überwiegend das Weibchen die Eier, aus denen die Jungen nach durchschnittlich 12-13 Tagen schlüpfen. In den ersten Lebenstagen hudert ausschließlich das Weibchen die Jungen, während Weibchen und Männchen sie füttern. Nach 10-12 Tagen verlassen die Jungen das Nest, sie werden aber noch weiterhin von den Altvögeln in Nestnähe gefüttert. Spätestens nach drei Wochen Führungszeit sind die Jungvögel aber völlig selbstständig.
In der Regel finden zwei Jahresbruten statt. Eine Generationslänge beträgt etwa 3 Jahre.

Literatur:
Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard und Fiedler, Wolfgang: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes - Sperlingsvögel, Wiebelsheim.
Der Falke- Das Journal für Vogelbeobachter, Heft 5/2004, Wiebelsheim.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.



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