Haubenlerche Haubenlerche (Galerida cristata)
engl.: Crested Lark

Familie: Lerchen (Alaudidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00259

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Allgemeines:
Bei den Lerchen handelt es sich um finken- bis starengroße, recht großflügelige und meist tarnfarbene Bodenvögel. Meistens sind die Männchen deutlich größer als die Weibchen. Insgesamt umfasst die Familie der Lerchen 85 Mitglieder; ein Großteil der Arten ist in den Trockengebieten Afrikas zu finden. Hauben-, Heide- und Feldlerche sind die drei in Mitteleuropa heimischen Lerchenarten.
Die Theklalerche (Galerida theklae), die in Nordafrika und in Iberien vorkommt, ist sehr nahe mit der Haubenlerche verwandt.

Beschreibung, Kennzeichen und Stimme:
Haubenlerchen werden gut 17 cm groß und erreichen ein Gewicht von 40 bis 52 (durchschnittlich 45,1) g. Haubenlerchen sind gedrungener gebaut als Feldlerchen und insgesamt heller. Ein gutes Kennzeichen ist der ziemlich lange Schopf auf dem Kopf. Der Schnabel ist verhältnismäßig lang und schwach gebogen. Der Schwanz ist kurz und in der Mitte dunkler. Die Schwanzseiten sind gelbbraun. Die Oberseite ist sandbraun oder auch graubraun und nicht so streifig wie bei der Feldlerche. Die Unterseite ist rahmweiß, die Brust ist dunkel gestrichelt.
Im Flug fällt auf, dass die Flügelunterseite rötlich gefärbt ist.
Außer durch die Haube unterscheidet sich die Haubenlerche auch durch das Fehlen von Weiß an den breiten abgerundeten Flügel und an den Schwanzseiten von der Feldlerche.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Haubenlerchen sind südlich der borealen Zone von West- und Südwesteuropa bis nach Korea verbreitet. Auch Nordafrika erreicht die Haubenlerche; die Südgrenze ihrer Verbreitung in Afrika erstreckt sich durch Gambia und den Senegal, durch Nigeria, den Sudan und Arabien; von dort zieht sich das Verbreitungsgebiet über Nordindien bis ins Tiefland von Nepal. Im zentralasiatischen Hochland fehlt die Haubenlerche
In Mitteleuropa ist die Haubenlerche ein nur noch lückig verbreiteter und wenig häufiger Brutvogel mit stark rückläufigen Beständen. Nur noch 207.000 – 372.000 Brutpaare sind in Mitteleuropa anzutreffen, davon 90% in Ungarn. Der Brutbestand in Deutschland dürfte mittlerweile deutlich unter 10.000 Paaren liegen. Europaweit gesehen ist die Haubenlerche aber dennoch kein seltener Vogel. Nur im Norden des Verbreitungsgebietes nimmt die Art ab, im Südosten nimmt sie sogar zu und insgesamt sind die Bestände recht stabil. Europaweit gibt es zwischen 3,6 und 7,6 Millionen Brutpaare. Die größten Populationen gibt es in der Türkei (2-4 Millionen), in Spanien (0,4 –1 Millionen), in Italien (200.000-400.000), in Ungarn (190.000-340.000) und in Rumänien (220.000-312.000).
Haubenlerchen sind in ihrem Verbreitungsgebiet überwiegend Standvögel. Zugvögel sind sie vor allem in ihrem nordöstlichsten Verbreitungsgebiet in Russland. Mitunter gibt es im übrigen Europa im Winter Kälteflucht und Wanderungen von mehreren hundert km.

Haubenlerche

Biotop und Nahrung:
Ursprünglich sind Haubenlerchen Bewohner von warmen, nur spärlich bewachsenen Steppenlandschaften und Halbwüsten. Heute kommen sie vor allem im extensiven Kulturland auf offenen und trockenwarmen Flächen vor. Die Vegetationsdecke sollte lückenhaft und niedrig sein. Lehmige Sandböden werden bevorzugt. In höheren Lagen werden auch felsige Bereiche bewohnt. In der Kulturlandschaft Mitteleuropas werden trockene Rasenflächen und spärliche bewachsene Ruderalflächen besiedelt. Bahn- und andere Verkehrsanlagen, Industriegelände, Schulhöfe, Sportplätze und sandige Äcker waren in Deutschland noch vor wenigen Jahrzehnten bevorzugte Aufenthaltsorte für die Haubenlerche.
Im Winter ernähren sich Haubenlerche rein vegetarisch von Gras- und Getreidesamen, von Wildkräutersamen (Wegerich, Knöterich, Taubnessel, Ziest...) und von den Spitzen von Gräsern. Im Sommer ist der Anteil an tierischer Nahrung unterschiedlich groß. Neben Fliegen und kleinen Schmetterlingen, Spinnen und Regenwürmern werden auch kleine und mittelgroße Käfer sowie selten auch kleine Schnecken gefressen. Die Jungen werden vor allem mit Gliederfüßlern (Weberknechten, Tausend- und Hundertfüßler) sowie grünen Pflanzenteilen gefüttert.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Mit knapp einem Jahr werden Haubenlerchen geschlechtsreif. Die Partner leben in monogamer Saisonehe zusammen, bleiben aber darüber hinaus auch manchmal zusammen. Im zeitigen Frühjahr beginnen die Vögel zu balzen und Paare zu bilden. Das Weibchen wählt den Nistplatz aus. Es gräbt auf ebenem Boden häufig unter dem Schutz von Erdklumpen oder Pflanzen eine Nestmulde mit einem Innendurchmesser von 7-9 cm und einer Tiefe von 3-5 cm aus. Als Nestmaterial werden tote Pflanzenteile herbei getragen. Von innen wird die Nestmulde mit weicherem Material gepolstert. Manchmal findet sich das Nest auch an Böschungen, auf Flachdächern, in Gesteinshaufen oder dicht an Straßenrändern. Immer wird es nur vom Weibchen gebaut, das aber vom Männchen begleitet wird. Das Nistmaterial wird dabei aus einem Umkreis von 30-40 m herangeschafft. In Mitteleuropa beginnen Haubenlerchen bei günstiger Witterung frühestens Ende März mit der Eiablage. Doch die meisten Gelege werden von April bis Anfang Mai getätigt. Das Gelege besteht aus durchschnittlich 4 Eiern. Im Mai und Juni gibt es häufiger 5er Gelege als im März oder April. Die elliptischen Eier werden im Abstand von einem Tag gelegt. Sie sind glänzend und weisen auf weißlichem Grund feine graue Flecken auf. Nach Ablegen des vorletzten oder des letzten Eies beginnt das Weibchen mit der Bebrütung des Geleges. Das Männchen bewacht die Eier aber bei Brutpausen des Weibchens.
Nach durchschnittlich 12-13 Tagen schlüpfen die jungen Haubenlerchen. Sie werden in den ersten Tagen nur vom Weibchen gefüttert. Danach beteiligt sich das Männchen auch an der Fütterung. Im Alter von 9-12 Tagen verlassen die Jungen das Nest. Mit 12-16 Tagen können sie fliegen; sie werden aber noch weitere 4-6 Tage von den Altvögeln gefüttert. Bei einer weiteren Brut füttert das Männchen die heranwachsenden Jungen alleine. Frühestens nach 6 Wochen trennen sich die Familien, die Jungen bleiben aber meistens in der Nähe des Brutreviers. In Mitteleuropa brüten Haubenlerchen meist zweimal hintereinander, in Frankreich sogar dreimal.
In Deutschland sind hohe Gelegeverluste durch menschliche Pflegemaßnahmen in Grünanlagen sowie durch Hunde und Katzen zu beklagen. Der älteste kontrollierte Ringvogel war 6 Jahre alt. In Gefangenschaft lebten Haubenlerchen mehr als 17 Jahre.

Haubenlerche frontal

Besonderheit:
Noch bis etwa 1970 war die Haubenlerche in vielen Orten Deutschlands ein häufiger Vogel, der besonders in Kleinstädten und Dörfern auf Bürgersteigen, Schulhöfen und Brachflächen ein vertrauter Anblick war. Zuvor war es zu mehreren klimabedingten Arealerweiterungen und zwischenzeitlich schon zu klimabedingten Arealverlusten gekommen. Erst im 19. Jahrhundert hatte sich die Art in Mitteleuropa allgemein ausgebreitet.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes -Sperlingsvögel, Wibelsheim.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 10/I- Passeriformes (1.Teil), Wiesbaden.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Singer, Detlef: Welcher Vogel ist das? Stuttgart 2008.



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