Feldlerche Feldlerche (Alauda arvensis)
engl.: Sky Lark

Familie: Lerchen (Alaudidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00258

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Allgemeines:
Bei den Lerchen handelt es sich um finken- bis starengroße, recht großflügelige und meist tarnfarbene Bodenvögel. Meistens sind die Männchen deutlich größer als die Weibchen. Insgesamt umfasst die Familie der Lerchen 85 Mitglieder; ein Großteil der Arten ist in den Trockengebieten Afrikas zu finden. Hauben-, Heide- und Feldlerche sind die drei in Mitteleuropa heimischen Lerchenarten.

Beschreibung, Kennzeichen und Stimme:
Feldlerchen werden knapp 18 cm groß. Ihre Körperoberseite ist braun und meistens schwärzlich gestreift. Die rahmweiße Körperunterseite weist eine deutliche Strichelung an der Brust auf. Am Schwanz fallen die weißen äußeren Steuerfedern auf. Im Fluge ist der weiße Rand der langen, spitzen Flügel zu sehen. Der weiße Flügelrand ist mit den weißen Schwanzkanten zusammen ein gutes Kennzeichen der Lerche im Feld. Feldlerchen sträuben ihre Scheitelfedern häufig zu einer kleinen Haube auf, die aber nie so lang und spitz erscheint wie die der Haubenlerche.
Am Boden laufen Feldlerchen geduckt. Der Flug ist leicht wellenförmig; Flügelschlagen und Vorwärtsstoßen mit angelegten Schwingen wechseln sich ab. Typisch für die Feldlerche ist der lang anhaltende, meist in der Luft vorgetragene zwitschernd-trillernde Gesang. Beim Singen hängt das Männchen mit flachen Flügelschlägen und gespreiztem Schwanz oft minutenlang in der Luft. Der Gesang ist eine wohlklingende Folge trillernder und wirbelnder Töne, der pausenlos vorgetragen wird und auch Imitationen von Bachstelze, Turmfalke oder Rauchschwalbe enthalten kann. Gelegentlich singen Feldlerchen auch vom Boden aus oder von einer niedrigen Sitzwarte.

Feld-Lerche

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Feldlerchen sind fast in ganz Europa verbreitet. Nur im äußersten Norden brüten sie nicht. Außer in Europa kommen Feldlerchen auch in Teilen Nordafrikas und in Asien bis Nordsibirien und Japan vor.
Als Teilzieher verlässt die Feldlerche ihre Brutgebiete im Osten und Norden Europas, um den Herbst und Winter in wärmeren Gebieten zu verbringen. Die meisten Lerchen ziehen in den Mittelmeerraum. Die Feldlerchen Nordsibiriens überwintern im Nahen Osten. In wintermilden Gegenden streifen die Vögel in der kalten Jahreszeit in Trupps von wenigen dutzend, aber auch von mehreren hundert Vögeln auf der Suche nach Nahrung umher.
Feldlerchen sind auch heute noch recht häufige Vogel unserer Feldflur. So beträgt der Brutbestand in Österreich 120.000 – 240.000 Brutpaare. Etwa 40.000 – 50.000 Paare brüten in der Schweiz, in Deutschland betrug der Bestand um 1999 zwischen 1,6 und 2,7 Millionen Paaren. Der Bestand Polens beträgt ca. 4-7 Millionen Paare, Belgien und die Niederlanden beheimaten etwa 80.000 – 122.000 Paare.
Allerdings ist in fast allen europäischen Ländern (außer in Polen und der Slowakei) ein dramatischer Bestandsrückgang festzustellen. Die Feldlerche gerät immer mehr in Bedrängnis und wird mancherorts wie die meisten Vögel der Agrarlandschaft schon selten. Als Ursachen hierfür gelten die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer zu schnellen Fruchtfolge auf den Äckern, die Aufgabe der extensiven Beweidung und das Verschwinden von insektenreichen Ackerrandstreifen.

Lerche

Biotop und Nahrung:
Die Feldlerche brütet im offenen Gelände mit weitgehend freiem Horizont. Sie kommt auf trockenen bis wechselfeuchten Böden vor und in niedriger Gras- und Krautschicht. Am meisten behagt der Feldlerche eine karge Vegetation mit offenen Stellen. Besonders gern brüten Feldlerchen im Ackerland, auf extensiv genutzten Weiden, auf Bergwiesen und Hangwiesen mit nicht zu starker Neigung. In reich strukturierter Feldflur erreichen die Bestände ihrer größte Dichte. Dabei sind die Vögel sehr stark abhängig von der Bearbeitung der Feldkulturen.
Außerhalb der Brutzeit halten sich die Lerchen auf abgeernteten Feldern, in Ruderalflächen, auf Ödland und auf gemähten Grünflächen auf.
Im Winter ernähren sich Feldlerchen vegetarisch und nehmen Getreidekörner, Samen von Wildkräutern, zarte Blätter und Keimlinge auf; ab Mitte April fressen sie zunehmend Insekten, Spinnen, Regenwürmer und kleine Schnecken. Die Jungen werden hauptsächlich mit Insekten gefüttert.

Feldlerche

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Schon im ersten Lebensjahr werden Feldlerchen geschlechtsreif. Die Paare halten in monogamer Saisonehe zusammen. Da beide Partner aber recht reviertreu sind, kommt es auch zu Wiederverpaarungen. Schon im Februar treffen Feldlerchen in milden Wintern wieder im Brutgebiet ein, spätestens im März. Die Männchen erscheinen bis zu einer Woche vor den Weibchen. Die Vögel beginnen gleich mit der Balz und bilden Paare. Das Weibchen wählt dann den Standort für sein Bodennest aus. Es scharrt selbst eine Bodenmulde mit 7 cm Tiefe in die Vegetation, die optimalerweise eine Höhe von 15 – 25 cm hat. Das Nest selbst wird ausschließlich vom Weibchen mit feinem Pflanzenmaterial ausgekleidet. Die ersten Eier legen Feldlerchenweibchen meist relativ spät ab Mitte April. Die Eierzahl schwankt zwischen 2 und 5 (6) und liegt bei durchschnittlich 3,8 je Gelege. Bei Zweitgelegen ist die Anzahl der Eier durchschnittlich höher als bei Erstgelegen. Die elliptischen Eier glänzen leicht und sind auf weißlicher bis hellbräunlicher Grundfarbe dunkelgrau bis braun gefleckt. Erst wenn das Gelege komplett ist, beginnt das Weibchen mit der Brut. Nach durchschnittlich 11-12 Tagen schlüpfen die Jungen gleichzeitig. In den ersten 5 Lebenstagen werden die Jungen vom Weibchen gehudert; gefüttert werden sie von beiden Eltern. Nach 7-11 Tagen verlassen die Jungen bereits das Bodennest und folgen den Altvögeln hüpfend. Nach 15-20 Tagen sind die Junglerchen bereits voll flugfähig. Bereits im Alter von 19 Tagen suchen sie selbständig nach Futter und schon mit 25-30 Tagen sind sie unabhängig von ihren Eltern. Die Jungvögel halten sich aber weiterhin in der Nähe des Brutreviers auf. Bis in den Herbst hinein bleiben die Familien zusammen und schließen sich dann zu größeren Gruppen zusammen.

Feldlerchen brüten in Mitteleuropa häufig zweimal; es wurden auch schon drei Jahresbruten nachgewiesen.
Hauptursache für Gelege- und Jungenverluste sind menschliche Einwirkungen wie Ausmähen des Nestes. Ferner gibt es hohe Verluste durch Predation (besonders Katzen, Füchse, Rabenkrähen) und durch Witterungseinflüsse. Die Sterblichkeit der Altvögel ist im Winter am höchsten. Pro Jahr sterben durchschnittlich 30-35 % der Altvögel. Der älteste wieder gefundene Ringvogel hatte ein Alter von 10 Jahren und einem Monat. Zwei Vögel waren älter als 8 Jahre alt. Ein Volierenvogel wurde sogar 16 Jahre alt.

Literatur:
Bauer/Bezzel/Fiedler: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes -Sperlingsvögel, Wibelsheim.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 10/I- Passeriformes (1.Teil), Wiesbaden.
Perrins,Christopher: Pareys Naturführer Plus Vögel, Biologie + Bestimmen + Ökologie, Hamburg und Berlin.
Peterson u.a.: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Singer, Detlef: Welcher Vogel ist das? Stuttgart 2008.



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