Mönchsgrasmücke Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)

Familie: Grasmücken (Sylviidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00257

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Beschreibung und Stimme
Mit einem Gewicht von etwa 20 Gramm und einer Körperlänge von knapp 14 cm sind Mönchsgrasmücken etwas kleiner und deutlich leichter als Haussperlinge.
Der Rücken, die Flügel und der Schwanz sind graubraun gefärbt, die Kopfseiten und die Unterseite sind aschgrau. Das Weibchen ist insgesamt etwas bräunlicher gefärbt und hat eine rotbraune Kopfplatte. Das Männchen hat eine charakteristisch gefärbt schwarze Kopfplatte, daher auch der Name Schwarzplättchen. Die Jungvögel ähneln dem Weibchen.
Der wohltönende Gesang der Mönchsgrasmücke ist sehr variabel. Während der laut vorgetragenen Strophe bleibt der Vogel sitzen, zittert am Körper und sträubt die Kehlfedern. Eingeleitet wird der Gesang immer mit einem leise plätscherndem Gezwitscher, das man oft nur schwach und aus weiter Entfernung gar nicht hört. Plötzlich geht dann das plätschernde Gezwitscher in eine laute, flüssig vorgetragene geflötete Strophe mit Überschlägen über.
Der Ruf ist heiser „wäd-wäd“ und bei Gefahr hört man ein hartes „tack“ oder tzeck“.

Verbreitung, Bestand und Zugverhalten:
Außer in Teilen Skandinaviens und Nordrusslands ist die Mönchsgasmücke in ganz Europa verbreitet. Auch in Nordwestafrika und in Westasien ist sie Brutvogel. Die Mönchsgrasmücke ist in Mitteleuropa die häufigste Grasmückenart. Der europäische Gesamtbestand beträgt 25- 49 Millionen Brutpaare, was etwa drei Viertel des Weltbestandes entspricht. In letzter Zeit scheint der Bestand eher anzuwachsen als zu sinken und besondere Schutzmaßnahmen sind von daher nicht notwendig. In Deutschland gibt es etwa 2- 3,5 Millionen Brutpaare, in Österreich 0,7 – 1,4 Millionen, in der Schweiz 200.000 – 300.000, in den Niederlanden 270.000 –320.000 und in Belgien 100.000-250.000 Brutpaare.
Die Brutvögel Nord- und Osteuropas sind Lang- und Mittelstreckenzieher, die Brutvögel Madeiras sind keine Zugvögel und auch die Brutvögel der Kanaren ziehen kaum oder nur wenig. Mitteleuropäische Mönchsgrasmücken überwintern sehr selten, aber zunehmend im Brutgebiet. Die Wegzurichtungen sind je nach Zugablauf und nach Populationen sehr unterschiedlich. Es entstehen auch immer neue Zugtraditionen. So überwintern Mönchsgrasmücken aus Südwest-Deutschland, Österreich und Belgien zunehmend häufiger in Irland.

Mönchsgrasmücke  seitlich

Biotop und Nahrung:
Die Mönchsgrasmücke ist in den unterschiedlichsten Biotopen zu finden und von allen Grasmücken die vielseitigste. Sie zieht aber halbschattige Lagen den sonnigen und trockenen Standorten vor und bevorzugt auch Laubhölzer gegenüber Nadelwald. Besonders häufig ist die Mönchsgrasmücke in Auwäldern, schattigen Parkanlagen und in feuchten Mischwäldern. Selbst in Großstädten brüten Mönchsgrasmücken in Parks und strauchreichen Gärten mit Bäumen. Reine Strauchbestände ohne Bäume meiden Mönchsgrasmücken weitgehend. Nach der Brutzeit halten sich Mönchsgrasmücken gern in Beeren tragenden Sträuchern und Büschen sowie in Hecken auch in der Feldflur auf.

Bei keiner anderen Grasmückenart spielen Beeren und Früchte in der Ernährung eine größere Rolle als bei der Mönchsgrasmücke, die vom Sommer an bis in den März hinein aufgenommen werden und selbst an die Jungen verfüttert werden. Auch Nektar und Staubblätter u.a. von Mandelblüten werden verzehrt. Daneben spielen Spinnen und vielerlei Insekten und deren Larven vor allem in der Brutzeit eine wichtige Rolle in der Ernährung.

Fortpflanzung und Lebenserwartung:
Mönchsgrasmücken werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und führen gewöhnlich eine monogame Saisonehe. Es kommt immer wieder zu Wiederverpaarungen mit dem alten Partner, da die Vögel sehr reviertreu sind.
Die Männchen treffen einige Tage vor dem Weibchen im Brutgebiet ein und manche von ihnen bauen zunächst ein oder mehrere halbfertige Nester, die später von den Weibchen in zwei bis drei Tagen fertig gestellt werden oder als Materiallager für ein neues Nest genutzt werden. Meistens befindet sich das Nest hüft- bis brusthoch in Brombeergebüsch, auf dünnen Zweigen von Laubgehölzen oder in Jungfichten; Nester in Nadelhölzern finden sich häufiger als bei der Garten- und Dorngrasmücke, aber seltener als bei der Klappergrasmücke. Vor allem für die zweite Brut errichten Mönchsgrasmücken ihre Nester im Schutz hoch gewachsener Brennnesselbestände. Hier sind die Eier und Nestlinge weniger durch Prädatoren gefährdet.

Mönchsgrasmücke

Das kleine Nest wird locker aus Stängeln, Grashalmen, Pflanzenhaaren und Wurzeln sowie Spinnweben und Tierhaaren erbaut. Es ist vielfach durchsichtig. Der Durchmesser der Nestmulde beträgt 55-75 mm, die Nestmuldentiefe ist 31-48 mm. Die Weibchen beginnen frühestens Anfang April mit der Eiablage, meistens aber erst Mitte April bis Mitte Mai. Das Gelege besteht in der Regel aus 4-6 stumpf-elliptischen glänzenden Eiern, die recht unterschiedlich gefärbt sein können, oft fast einfarbig sind und gefleckt und gekritzelt sein können. Männchen und Weibchen bebrüten die Eier gemeinsam, doch das Weibchen übernimmt die Hauptaufgabe und sitzt fester und immer über Nacht auf ihnen. Nach meist 11-12 Tagen schlüpfen die Jungen, die nach 3-4 Tagen ihre Augen öffnen. Die Altvögel hüpfen zum Füttern vorsichtig zum lockeren Nest und landen nie direkt auf dem instabilen Nestrand. Die Jungen werden nicht nur mit zarten Insekten, sondern auch mit Beeren gefüttert. Nach 10-14 Tagen verlassen die Jungen das Nest, wenn sie nicht zuvor bereits infolge von Störungen aus dem Nest gesprungen sind. Nach dem Verlassen des Nestes werden die Jungen noch etwa 2-3 Wochen von den Altvögeln betreut und umsorgt.

Wie alle Grasmücken sind Mönchsgrasmücken am Nest sehr störungsempfindlich. Bei der kleinsten Störung verlassen sie das Nest auch mit den Eiern. Es reicht, wenn sich zum Beispiel ein Mensch einmal über das Nest gebeugt hat. Wenn die Jungen geschlüpft sind, halten die Grasmücken einen Störabstand von 15 m und mehr bei den Fütterungen ein.
Meistens findet nur eine Jahresbrut statt, Ersatzgelege werden getätigt.
Der älteste bekannt gewordene Ringvogel wurde 11 Jahre und 4 Monate alt, mehrfach wurden Vögel wieder gefunden, die älter als 8 Jahre waren. Das Höchstalter von Volierenvögeln betrug 12 Jahre. Die Sterblichkeit junger Mönchsgrasmücken ist aber sehr hoch; 54 bis 68 % sterben vor der ersten Brut.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Frieder Sauer: Vogelnester nach Farbfotos erkannt, Karlsfeld.



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